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Zeugnisse für Oma und Opa

Kolumne: Auf ein Wort – Die Zeugnisse stehen vor der Tür und damit auch der große Wettstreit um die Noten. Aber ist es nicht so, dass ein gutes Pferd nur so hoch springt, wie es eben muss?

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Da flattern sie wieder ein, längst nicht mehr als Kopie im Briefumschlag mit ein paar netten gekritzelten Worten, sondern blitzschnell per WhatsApp aufs Handy. Die Zeugnisse meiner Nichten und Neffen an Oma und Opa. Meine Brüder in der weiten Welt haben längst Ferien und die Jammerlappen – was sie natürlich nicht sind – werden sehnsüchtig von Oma und Opa erwartet.

Meine Kinder sind raus aus dem Tornister-Alter, müssen nicht mehr in den olympischen Wettstreit bei Oma, Opa und der Großtante einsteigen. Sie liefen damals noch außer Konkurrenz, reich sind sie vom Zeugnisgeld nie geworden. Die Notenblätter zeigten oft, dass sie mehr Zeit unterm Basketballkorb, mit der Playstation oder am Handy verbracht hatten als mit dem Satz des Pythagoras. Eine 4 in Latein und das kleine Latinum haben wir glücklichst gefeiert wie den Numerus Clausus.

Sportlich gesehen bewegten sich die Kids wie auch ihr Vater ziemlich oft in den Gefahren der Relegationsspiele vor den Zeugniskonferenzen. Den Spruch „Ein gutes Pferd springt nur so hoch, wie es muss“ hatten sie schön tief im Herzen. Und wenn Opa bei einer 4 oder 5 beim dann doch herausgerückten Zeugnis die Stirn runzelte, kam schnell die Gegenfrage, ob er denn Abitur habe. „Hätt ick mit links maokt. Aower Handelsschaule wör wichtiger“, war Opas Konter. Die Großtante lachte dann nur, er war nur zu faul.

"Tröstet euch, Thomas Gottschalk, Uli Wickert, Harald Schmidt oder Otto, alle mussten eine Ehrenrunde drehen."Antonius Schröer

Und jetzt hat wirklich einer von den jungen Enkeln einen 1,0-Schnitt ins Spiel geworfen, also Champions League, ganz weit oben. Er ist eigentlich ein ganz Netter, aber ein bisschen gespannt sind wir schon, ob er beim nächsten Heimatbesuch in Windeseile Opas PC repariert, Tantes Mähroboter frisiert, Oma bald mit einem Doktor- und Professortitel beglückt und zeitgleich einen Marathon läuft.

Für alle anderen: Tröstet euch, Thomas Gottschalk, Uli Wickert, Harald Schmidt oder Otto, alle mussten eine Ehrenrunde drehen. Und der große Thomas Mann hat wie Opa das Abi auch nicht gepackt. Und bei einem meiner Söhne sorgt sogar Thomas Bellut, Absolvent des Gymnasium Antonianum Vechta und ZDF-Chef bis heute für echte Begeisterung, als er ihm nach einem Vortrag erklärte, mehr als 3,6 im Abi sei bei ihm auch nicht drin gewesen. Man kann auch richtig gut hart erkämpfte und durch alle Relegationsspiele gelaufene Versetzungen feiern und beim Abschluss mit den LehrerInnen freundlich und dankbar anstoßen.

Wenn Oma, Opa und die Tante mich heute fragen, wie es jetzt bei meinen Jungs steht, dann sag ich nur ehrlich zufrieden: „Läuft!“


Zur Person:

  • Der Autor Antonius Schröer führt mehrere Modehäuser.
  • Er verkörpert das Vechtaer Original „Straßenfeger“.
  • Kontakt: redaktion@om-online.de.

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