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"Zeit für große Schritte": So lief der CSD in Cloppenburg

Nach 2 Jahren pandemiebedingter Pause haben rund 600 Menschen am Christopher Street Day in Cloppenburg teilgenommen. Politisch sei einiges nachzuholen. Dennoch habe es einige Erfolge gegeben.

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Rund 600 Teilnehmer zählte die Polizei beim Christopher Street Day in Cloppenburg. Die Abschlusskundgebung fand auf dem „Place de Bernay“ statt. Foto: Heidkamp

Rund 600 Teilnehmer zählte die Polizei beim Christopher Street Day in Cloppenburg. Die Abschlusskundgebung fand auf dem „Place de Bernay“ statt. Foto: Heidkamp

Cloppenburg ist bunt – Wie bunt, haben die Cloppenburger Bürgerinnen und Bürger am Wochenende beim Christopher Street Day live und in Farbe erfahren können.

Statt der erhofften 500 Teilnehmer waren es am Ende rund 600 vorwiegend junge Menschen, die beim CSD-Umzug teilweise mit Fahnen in Regenbogen-Farben eingehüllt und geschminkten Gesichtern durch die Stadt zogen und ein deutliches Zeichen gegen gesellschaftliche und rechtliche Ungleichheit setzten.

„Heute ist die ,Zeit für große Schritte'. Große Schritte von großartigen Menschen, die Großes bewirken wollen.“Neidhard Varnhorn, Bürgermeister Cloppenburg

„Wir finden es in diesem Jahr wichtiger denn je, darauf aufmerksam zu machen, wie sehr die Rechte von queeren Menschen eingeschränkt sind, bei uns in Deutschland, aber auch in anderen Ländern Europas“, sagte ein Teilnehmer.

„Heute ist die ,Zeit für große Schritte'. Große Schritte von großartigen Menschen, die Großes bewirken wollen“, sagte Cloppenburgs Bürgermeister Neidhard Varnharn bei der Abschlusskundgebung auf dem „Place de Bernay“ und freute sich, dass endlich wieder Flagge gezeigt werden könne gegen staatliche Ausgrenzung und Diskriminierung. Er forderte dazu auf, sich stark zu machen für eine bunte und vielfältige Gesellschaft, für mehr Toleranz und für die Anerkennung gleicher Rechte.

Foto: Heidkamp
Sieht die Lebenssituation von gleichgeschlechtlich Liebenden und Transsexuellen als verbesserungswürdig an – Cloppenburgs Bürgermeister Neidhard Varnhorn auf der Abschlusskundgebung beim Christopher Street Day.
Foto: Heidkamp
Gutgelaunt bei sonnigen Temperaturen – Die Teilnehmer beim Cloppenburger Umzug anlässlich des Christopher Street Day machten auf Diskriminierung und rechtliche Ungleichheit aufmerksam.
Foto: Heidkamp
Mit Regenbogenfahnen und Plakaten haben die Teilnehmer des CSD gegen Queer-Feindlichkeit und mehr Akzeptanz für die LGBTIQ Community demonstriert.
Foto: Heidkamp
Sichtbarkeit schafft Akzeptanz – Überwiegend junge Leute beteiligten sich am Umzug anlässlich des Christopher Street Day.
Foto: Heidkamp
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Outing-Aktion in der Kirche sei ein positives Zeichen

Das Outing Anfang des Jahres von 125 Personen, die für die Kirche arbeiten, bezeichnete Nino Dammann als ein Aufbrechen von starren Strukturen und wertete es als ein positives Zeichen. Die Corona-Zeit habe nach Aussage von Dammann gezeigt, „dass unsere Anliegen in der Öffentlichkeit nur präsent sind, wenn wir sichtbar sind“. Es gelte, die vielen positiven politischen Entwicklungen zu verteidigen und weiter auszubauen.

Um die positiven Vorhaben der Ampel-Koalition in Berlin, unter anderem ein Verbot von menschenverachtenden Konversionstherapien, auch politisch umsetzen zu können, sei die Regierung auf die Zustimmung der Opposition und insbesondere der Union angewiesen. Immer noch würden trans- und intersexuellen Menschen die Selbstbestimmung über ihr Geschlecht erschwert. Die Änderung des Geschlechtseintrags im Personenstandsrecht dürfe nach Aussage von Dammann nicht länger an diskriminierende und langwierige Verfahren und Begutachtungen geknüpft, sondern sollte für jeden per Selbstauskunft möglich sein. Er fordert die Ampel-Koalition dazu auf, die eigenen Pläne zur Selbstbestimmtheit unverzüglich umzusetzen. „Das darf nicht weiter aufgeschoben werden“, betonte er unter dem Beifall der Teilnehmer.

Dammann fordert Ende des Blutspendeverbots für Schwule und Bi-sexuelle Männer

Weiter forderte er die volle Anerkennung der Regenbogenfamilie. Hier gäbe es seiner Meinung besonders für lesbische Paare großen Nachholbedarf. Ebenso forderte er ein Ende des diskriminierenden Blutspendeverbots für Schwule und Bi-sexuelle Männer ohne Berücksichtigung des persönlichen Hintergrundes sowie ein Ende der Stigmatisierung HIV-infizierter Personen. Diese politischen Schritte seien nur möglich, „wenn wir als gesellschaftliche Minderheit die Mehrheit auf unserer Seite wissen“, so Dammann.

Ziel bleibe nach wie vor gesellschaftliche Akzeptanz von Menschen mit unterschiedlichen sexuellen Orientierungen und geschlechtlichen Identitäten. Aber man sei mit Blick auf die geschlechtliche Gleichstellung n Deutschland und in Europa noch lange nicht am Ziel angelangt. „Unsere Anliegen sind in der Öffentlichkeit nur bekannt, wenn wir präsent sind“, forderte er dazu auf, sich und seinen Partner in der Öffentlichkeit nicht zu verstecken. „Seid sichtbar, seid stolz“, erklärte er. Der stellvertretende Landrat, Hermann Schröer, forderte die Teilnehmer dazu auf, mehr Präsenz in Staat und Gesellschaft zu zeigen. „Machen Sie darauf aufmerksam, was für sie wichtig ist“.

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