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Zahl der Spielsüchtigen in Cloppenburger Suchtberatung steigt wieder

Zuvor waren die Zahlen wegen Corona stark gesunken. Die Fachstelle für Sucht macht auf die Schäden aufmerksam, die eine Glücksspielsucht verursacht. Dabei gibt es neue Möglichkeiten, sich zu schützen.

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Bescheren der Stadtkasse Einnahmen aus der Vergnügungssteuer: Die 12 Spielhallen im Cloppenburger Stadtgebiet. Symbolfoto: dpa

Bescheren der Stadtkasse Einnahmen aus der Vergnügungssteuer: Die 12 Spielhallen im Cloppenburger Stadtgebiet. Symbolfoto: dpa

Langsam steigen die Zahlen wieder, sagt Melanie Schleusner-Abeltah und meint die Zahl der Spielsüchtigen sowie deren Angehörige, die bei ihr Rat suchen. Die Diplom-Sozialarbeiterin arbeitet als Präventionsfachkraft für Glücksspiel in der Fachstelle für Sucht und Suchtberatung der Stiftung Edith Stein in Cloppenburg. Bei der Glücksspielsucht sei es wie bei der Alkoholsucht: Wer einmal spielsüchtig sie, bleibe es auch, sagt sie. In den vergangenen Jahren kamen allerdings weniger Spielsüchtige zu Schleusner-Abeltah in die Beratung. Wohl aufgrund der Spielhallenschließungen im Zuge der Corona-Pandemie waren es 2021 "nur" 19 Personen (2021), während es 2019 noch 48 waren. In diesem Jahr ist die Zahl nun wieder auf 29 gestiegen.

Spielsüchtige müssen ihr Leben lang mit dem Risiko leben, wieder rückfällig zu werden. Sie haben aber seit Juli 2021 eine neue Möglichkeit, sich besser gegen einen Rückfall zu schützen. Denn mit dem neuen Glücksspielstaatsvertrag wurde auch das bundesweite Sperrsystem "OASIS" eingeführt. Das heißt: Spieler können sich selbst sperren. Die Fachstelle um Schleusner-Abeltah macht gerade mit 500 Flyern in Cloppenburg auf die Möglichkeit der Glücksspielsperre sowie ihr Beratungsangebot aufmerksam.

Anbieter, zum Beispiel Spielhallen, sind dazu verpflichtet, die Personendaten der Spieler beim Betreten der Hallen zu kontrollieren und mit einer Datenbank abzugleichen. Ist dort eine Sperre hinterlegt, darf die Person nicht am Glücksspiel teilnehmen. Auch Angehörige haben die Möglichkeit, riskantes Glücksspiel zum Beispiel eines Familienangehörigen auf diese Weise zumindest in legalen Spielhallen zu unterbinden. Aktuell gebe es in Niedersachsen 460.500 Menschen, die glücksspielsüchtig oder suchtgefährdet seien.

Online-Glücksspiel ist der "große Haken"

Grundsätzlich sei die Spielersperre ein gutes Instrument, sagt Schleusner-Abeltah. So fühlten sich Betroffene entlastet, nachdem sie sich haben sperren lassen. Es werde eine Hemmschwelle aufgebaut. Allerdings reiche eine Spielsperre alleine oft nicht aus. Vielmehr bedürfe es einer zusätzlichen Beratung sowie einer Behandlung etwa in Form einer Therapie. Aber: Die Sperre unterstütze die Spieler bei ihrem Wunsch, spielfrei zu leben. 

Dennoch zeige sich auch, dass nicht alle Spielhallen ihre Spieler kontrollieren. Zudem verlagere sich das Spielen zunehmend in das Internet. Das illegale Online-Glücksspiel sei der "große Haken" mit Blick auf die Spielersperre, sagt Schleusner-Abeltah. Bei den ausländischen Anbietern gebe es vielfach keine Kontrolle und die Spieler haben rund um die Uhr "tausende Möglichkeiten", am Glücksspiel teilzunehmen. Auch Computerspiele nutzten vermehrt Elemente des Glücksspiels, zum Beispiel über sogenannte "Lootboxen". 

Viele Spielsüchtige "schämten sich zutiefst". Denn sie bringen nicht nur sich, sondern auch ihre Familie in Gefahr. Oft hätten sie extreme Schulden und könnten wesentliche Dinge nicht mehr zahlen, wie etwa die Miete, Heizkosten oder den Einkauf im Supermarkt. Eine mögliche Folge: Suizidgedanken. Dabei seien es die krankhaften Spieler, die den Spielhallen die meisten Einnahmen bescherten. 

Spielhallen bescheren Stadt hohe Steuereinnahmen

Aktuell gebe es in der Stadt 12 Spielhallen an 10 verschiedenen Standorten, in denen sich 141 Spielautomaten befinden, teilt die Verwaltung auf Nachfrage mit. Spielbanken gebe es in der Stadt nicht. Ein Teil des Geldes, das die Spieler dort verspielen, landet über die Vergnügungssteuer auch in der Stadtkasse. Die Stadt rechnet in diesem Jahr mit voraussichtlichen Einnahmen in Höhe von 800.000 Euro. Im kommenden Jahr rechne man mit etwa 700.000 Euro. Vor Corona, im Jahr 2019, lagen die Einnahmen deutlich höher, bei etwa 1,1 Millionen Euro.

Aber Kommunen wie der Stadt Cloppenburg gingen durch die enormen Schulden vieler Spielsüchtiger auch Kaufkraft verloren, betont Schleusner-Abeltah. Zudem rutschten viele Spieler in die Kriminalität und auch eine Reha koste Geld. Letztlich verursacht das Glücksspiel also großen Schaden, über die betroffenen Personen und deren Familien hinaus.

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