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"You tried to teach me right from wrong"

Kolumne: Auf ein Wort – Die Angriffe auf Rettungskräfte in der Silvesternacht sind auch das Ergebnis mangelnder Erziehung. Es fehlt an Respekt und Wertschätzung.

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Nun ist das neue Jahr schon fast 2 Wochen alt, aber die Bilder von den Angriffen auf Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten in der Silvesternacht gehen mir nicht aus dem Kopf.

Da verzichten Menschen auf eine private Feier in froher Runde und schieben Dienst, um auch in dieser besonderen Nacht zu helfen, wenn Hilfe gebraucht wird: Wenn die Rakete (versehentlich) im fremden Wohnzimmer landet und das Mobiliar in Brand setzt. Wenn es beim Hantieren mit Feuerwerk schwere Brandverletzungen gibt. Wenn der Alkoholkonsum zu Übermut führt.

Und dann müssen diese „barmherzigen Samariter“ selbst um Leib und Leben fürchten, weil sie mit Raketen und Knallern attackiert und in ihrem Einsatz behindert werden. Die mutwillig zerstörte Heckscheibe am Einsatzfahrzeug des Vechtaer Ortsbrandmeisters, sie steht exemplarisch für die erschreckenden Ausschreitungen hier bei uns und anderswo.

"Es fehlt in etlichen Bereichen unserer Gesellschaft an elementarer Erziehung zu den Basics von Richtig und Falsch."Karl Gierse

Mir kamen die Ereignisse der Silvesternacht wieder in den Sinn, als mich NDR 1 Niedersachsen am Sonntagmorgen mit Terry Jacks Song „Seasons in the sun“ weckte. In einer der Strophen verabschiedet sich die Hauptperson vom Vater und versichert ihm: „You tried to teach me right from wrong !“ – „Du hast versucht, mir beizubringen, was richtig und falsch ist!“

Ich glaube, da liegt „der Hase im Pfeffer“, wenn ich an das erschreckende Verhalten einiger (junger) Leute in der Silvesternacht denke. Es fehlt in etlichen Bereichen unserer Gesellschaft an elementarer Erziehung zu den Basics von Richtig und Falsch. Dabei denke ich an die Elternhäuser, in denen es wegen der Doppelberufstätigkeit beider Elternteile oft an Zeit und Energie für konsequente Erziehung fehlt. Aber auch in anderen Erziehungseinrichtungen – Kindergarten, Schule, Jugendgruppe – scheint mir das Einüben elementarer Verhaltensnormen für das soziale Miteinander defizitär.

Das Problem mit Hilfe der Justiz und durch Verschärfung der Waffengesetzte lösen zu wollen, wie es in Kreisen der Politik (zur Beruhigung) diskutiert wird, scheint mir kein Erfolg versprechender Weg. Selbst bei beschleunigten Verfahren gerät der Zusammenhang von Tat und Ahndung bei Heranwachsenden viel zu schnell aus dem Blick. Respekt vor und Wertschätzung für die zu vermitteln, die für ein gelingendes gesellschaftliches Miteinander unverzichtbar sind – Polizeibeamte, Feuerwehrleute, Sanitäter – das muss Aufgabe und Anliegen aller sein, die am Erziehungsprozess der nachfolgenden Generation beteiligt sind. Auch die Religionsgemeinschaften haben in dieser Hinsicht ihre „Hausaufgaben“ zu machen!


Zur Person:

  • Karl Gierse ist Prior des Vechtaer Dominikanerkonventes. Er wirkt in verschiedenen Bereichen der Seelsorge in Vechta und im Oldenburger Land.
  • Kontakt unter: redaktion@om-medien.de.

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