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Wöstendöllen spendet eine Rikscha

Ein Therapiefahrrad kann insbesondere älteren Menschen eine neue Form der Teilhabe ermöglichen, findet Ludger Wulf. Deshalb hat er seine Nachbarinnen und Nachbarn motiviert, zu helfen.

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Stolz auf die Leistung von Wöstendöllen: Ludger Wulf ist mit seinem Büchlein von Haus zu Haus, um die Spenden zu generieren. Die Einwohnerinnen und Einwohner haben dafür eine Urkunde erhalten, wie Inge Wulf (links). Petra Pohlmann von den Selbstgestaltern ist sehr dankbar für das Engagement. Foto: C. Meyer

Stolz auf die Leistung von Wöstendöllen: Ludger Wulf ist mit seinem Büchlein von Haus zu Haus, um die Spenden zu generieren. Die Einwohnerinnen und Einwohner haben dafür eine Urkunde erhalten, wie Inge Wulf (links). Petra Pohlmann von den Selbstgestaltern ist sehr dankbar für das Engagement. Foto: C. Meyer

Die Menschen in Wöstendöllen machen es möglich. Die Einwohnerinnen und Einwohner spenden der Sozialstation Nordkreis Vechta eine Rikscha – ein spezielles Therapiefahrrad. Mehr als 10.000 Euro brachten die Menschen in der Bauerschaft dafür zusammen, um den Einwohnerinnen und Einwohnern der Gemeinde Visbek dieses Geschenk machen zu können.

Doch von Anfang an. Initiiert hatte das Ganze Ludger Wulf. Der Rentner macht sich immer wieder Gedanken darüber, wie man älteren Mitbürgerinnen und -bürgern das Leben erleichtern und verschönern kann. So hat er unter anderem einen mobilen Hühnerstall gebaut, den er an Senioreneinrichtungen verleiht. Der Stall stand in diesem Jahr in einer Einrichtung in Cloppenburg und brachte den Bewohnerinnen und Bewohner viel Freude, wie Wulf zurückgemeldet bekommen habe. Das macht durchaus stolz.

Die Idee, für Visbek eine Rikscha zu ermöglichen, erwuchs nach und nach, wie er erzählt. Bei der diesjährigen Sommerkirmes in Visbek hatte ein Fahrradhändler ein solches Therapiefahrrad ausgestellt. Das gefiel dem Wöstendöller auf Anhieb und ließ ihn auch nicht mehr los. Wochen später demonstrierten die Selbstgestalter die Rikscha, die es seit einiger Zeit in Vechta gibt, beim Tag der Vereine in Vechta. Dabei kam Ludger Wulf mit den Selbstgestaltern in Kontakt.

"So etwas brauchen wir auch für Visbek."Ludger Wulf

Menschen, die nur noch eingeschränkt mobil sind und selbst nicht mehr Fahrrad fahren können, können mithilfe einer solchen Rikscha trotzdem noch eine Fahrradtour mitmachen. Zwar können beispielsweise Bewohnerinnen und Bewohner mit dem Rollstuhl durch den Ort geschoben werden, doch die Möglichkeiten mit dem Therapierad seien ganz andere, schildert Ludger Wulf. "Man möchte eben auch mal was anderes sehen", sagt er. Wie Petra Pohlmann von den Selbstgestaltern ergänzt, sei das auch eine Frage der Freiheit, die bei einem solchen Ausflug einhergeht.

Ludger Wulf dachte sich deshalb: "So etwas brauchen wir auch für Visbek." Doch so eine Rikscha kostet rund 10.000 Euro. "Am Geld sollte es aber nicht scheitern", erzählt Wulf. Er fasste deshalb den Entschluss, das nötige Geld in Wöstendöllen zu sammeln. So schnappte er sich eine kleine Kladde, einen Stift und ging von Haus zu Haus. Im persönlichen Gespräch stellte er seinen Nachbarinnen und Nachbarn die Idee vor und erkundigte sich danach, ob diese sich daran beteiligen möchten. In seiner Kladde notierte Wulf sich zunächst die Namen und was die Personen überhaupt bereit sind zu spenden. Womöglich kommt die gewünschte Summe ja auch gar nicht zusammen.

Doch die Wöstendöllerinen und Wöstendöller enttäuschten Ludger Wulf nicht – ganz im Gegenteil. Genau 10.099,77 Euro kamen schließlich zusammen. Von 109 Haushalten, die es nach Angaben von Wulf in Wöstendöllen gibt, beteiligten sich 100. Jede und jeder gab, was er eben konnte. "Von 20 bis 500 Euro war alles dabei", sagt Wulf. An ein "schönes Erlebnis" erinnert sich der Rentner gerne: Er sei abends bei einer Frau gewesen, die ihm eine Spende von 100 Euro zusagte. Am nächsten Tag habe sie bei ihm vor der Tür gestanden und ihm mitgeteilt, dass sie sich das noch einmal überlegt habe und doch lieber keine 100 Euro spenden möchte – sondern 200 Euro.

Rikscha ist bereits bestellt

Mittlerweile ist die Rikscha bestellt und wird voraussichtlich im Januar geliefert, berichtet Petra Pohlmann, die sich „ein Bein abgefreut hat“ über diese großzügige Spende. Die Formalitäten, wie genau die Rikscha künftig eingesetzt wird, müsse noch geklärt werden, sagt sie. Doch eines steht fest: Sie soll für jede Visbekerin und jeden Visbeker zugänglich sein. Pohlmann und Wulf – der sich schon dazu bereiterklärt hat, als einer der "Piloten" zu fungieren – freuen sich schon auf die ersten Einsätze.

"Toll, wie Wöstendöllen das gemacht hat", ist Wulf voll des Lobes für die Bauerschaft. Doch ohne seinen Einsatz wäre es doch gar nicht so weit gekommen? "Ich konnte ja gar nichts verkehrt machen, ich habe doch nur meine Zeit eingesetzt", sagt er. Es sei schließlich eine Gemeinschaftsleistung von Wöstendöllen. Jede Spenderin und jeder Spender hat eine Urkunde erhalten, die diese Leistung noch einmal würdigt.

Oft sei er nach dem Warum und dem Wofür gefragt worden, verrät Ludger Wulf. Und was hat er geantwortet? "Weil uns diese Menschen nicht egal sind."

  • Info: Wer sich vorstellen kann, die Rikscha nach Bedarf zu fahren, kann sich bei den Selbstgestaltern diesbezüglich melden.

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