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Worauf Sie beim Schwimmen in Bade- und Baggerseen achten sollten

Christoph Penning ist Sprecher der DLRG Niedersachsen. Mit ihm hat OM-Medien über die Gefahren gesprochen, die an Badeseen lauern und warum sogar eine Pfütze lebensbedrohlich werden kann.

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Sprecher der DLRG Niedersachsen: Der Garreler Christoph Penning informiert über die Gefahren an Badeseen. Foto: Penning

Sprecher der DLRG Niedersachsen: Der Garreler Christoph Penning informiert über die Gefahren an Badeseen. Foto: Penning

Im letzten Jahr ist die Zahl der Badetoten in Niedersachsen zwar zurückgegangen, dennoch warnt die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) immer wieder davor, dass immer weniger Menschen schwimmen lernen und in Badeseen ungeahnte Gefahren lauern. OM-Medien hat mit dem Garreler Christoph Penning, Sprecher der DLRG in Niedersachsen, über dieses Thema gesprochen.

Die Zahl der Nichtschwimmer steigt. Woran liegt das? 
Dass die Zahl steigt, hat verschiedene Gründe. Punkt 1: Schwimmbäder werden geschlossen. In den vergangenen Jahren waren in Deutschland etwa 300 betroffen. Schwimmbäder zu unterhalten, ist zumindest in Niedersachsen eine freiwillige Leistung der Kommune. Die Gemeinde Garrel beispielsweise zahlt für die Unterhaltung der Schwimmhalle eine Summe in Höhe eines Einfamilienhauses – und das Jahr für Jahr. Aber die hohen Kosten dürfen kein Grund sein, Schwimmbäder grundsätzlich zu schließen. Punkt 2: Es werden keine neuen Schwimmbäder gebaut. Punkt 3: Die Schwimmbadlandschaft verändert sich immer mehr in Richtung Spaßbäder, weil dann mehr Eintrittsgelder generiert werden können. Die Konsequenzen: Es fehlen Wasserflächen für die Schwimmkurse. Alle 3 Punkte zusammengenommen führen zu einer brenzligen Situation, weil Schulen keinen Zugang mehr zu Schwimmbädern haben. In Garrel sind wir noch recht gut aufgestellt. Wir haben ein normales Sportbad, 4 mal 25 Meter, kein Spielbereich, sondern viel Wasserfläche. Hinzu kommt als 4. Punkt die Corona-Lage. Die DLRG Niedersachsen geht davon aus, dass in den vergangenen 2 Jahren etwa 150.000 Kinder nicht schwimmen gelernt haben.

Im vergangenen Jahr gab es 26 Badetote in Niedersachsen. Auch wenn die Zahl damit im Vergleich zum Vorjahr (50) zurückgegangen ist, lauern Gefahren an den Badeseen. Welche sind das?
Gefahren an Badeseen gibt es meist dann, wenn ein See unbewacht ist. Wir raten grundsätzlich davon ab, an unbewachten Gewässern schwimmen zu gehen. Wenn beispielsweise technisches Gerät noch im Wasser ist, etwa ein Saugbagger, sollte man unter gar keinen Umständen schwimmen gehen. Darüber hinaus gibt es ein Problem bei Temperaturschichten, nicht überall ist das Wasser so warm wie oben, was durchaus zu Kreislaufproblemen führen kann. Und wir haben häufig in Bade- oder Baggerseen steil abfallende Sandwände. Hinzu kommt, dass sich Menschen an unbewachten Badeseen unbeobachtet fühlen, mehr Alkohol trinken und der Übermut steigt.

Was genau hat es mit den Temperaturschichten auf sich?
Wenn man ins Wasser geht, versucht man ja meist erst einmal ein Gefühl für die Temperatur zu bekommen. Die ersten 20 Zentimeter sind meistens schön warm. Darunter wird es aber oft schnell sehr kalt, weil wir eben mehrere Temperaturschichten haben. Das wird immer dann zum Problem, wenn man sich nicht langsam von den Extremitäten hin zum Herzen abkühlt, sondern wenn man beispielsweise aus der prallen Sonne mit Anlauf ins Wasser springt und dann der Körper plötzlich von Hitze in die Kälte kommt. Das führt schlagartig zum Zusammenziehen der Gefäße und Blut wird in großer Menge zum Herzen gepumpt und das kann durch diese Überlastung zum Kreislaufstillstand führen.

Gibt es weitere Gefahrenquellen in Badeseen und Flüssen?
Überall dort, wo starker Pflanzenbewuchs ist, sollte nicht gebadet werden. Viele Menschen springen ins Wasser, etwa von einem Steg aus, und wissen gar nicht wie tief das Wasser ist. Dadurch kommt es regelmäßig zu Kopf- und Wirbelverletzungen. Auch an der Talsperre gibt es Stellen, da reicht das Wasser nur zur Brust. Viele Menschen denken aber, es sei 2, 3 Meter tief. Zudem raten wir grundsätzlich davon ab, in Flüssen zu baden, wenn es nicht als Flussbad ausgeschrieben ist. Denn Flüsse sind häufig Schifffahrtswege. Die Strömungen und die niedrigere Temperatur machen das Baden sehr viel gefährlicher.

Was rät die DLRG im Allgemeinen?
Bitte niemals an unbewachten Gewässern schwimmen, sich nicht überschätzen, kein Alkohol im Zusammenhang mit Schwimmen, nicht mit zu vollem oder zu leerem Magen schwimmen sich immer von den Extremitäten hin zum Herzen abkühlen und nicht in der heißen Sonne liegen.

Ertrinken ist bei Kleinkindern die zweithäufigste Todesursache nach Verkehrsunfällen. Noch erschreckender: Die Hälfte dieser Kinder ertrinkt, während ihre Eltern in unmittelbarer Nähe sind. Worauf müssen Eltern und eigentlich "wir alle" achten, wenn Kinder in der Nähe von Wasser sind?
Wir müssen alle ein wachsames Auge haben und gemeinsam auf die Kinder achten. Es kommt tatsächlich oft vor, dass sich die Eltern auf die Wasseraufsicht verlassen. Aber: Selbst wenn die DLRG vor Ort ist oder der Schwimmmeister gibt man als Eltern nicht mal 1 Prozent seiner Aufsichtspflicht ab. Denn selbst mit Schwimmflügeln können Kinder ertrinken. Selbst in einer Pfütze aus einem Planschbecken können Kinder ertrinken. Das ist das besonders Tragische daran. Es ist ja eigentlich gut, dass Kinder sich spielerisch ans Wasser gewöhnen, aber immer nur in Begleitung. Bei Schwimmflügeln rate ich dazu, welche mit Styropor zu kaufen. Sie bieten noch einen zusätzlichen Schutz im Gegensatz zu denen, die nur aufgepustet werden.

Die DLRG klärt Jahr für Jahr über die Gefahren auf, zeigt viel Präsenz und informiert – wie etwa jüngst beim "Tag der Niedersachsen" in Hannover. Wie wichtig ist das?
Die Aufklärung der Öffentlichkeit ist für die DLRG sehr wichtig, um unsere Arbeit sowohl der Bevölkerung als auch der Politik darzustellen, denn die DLRG macht ihre gesamte Arbeit ehrenamtlich. Wir sind als rot-gelber Verband als Wasserretter sehr sichtbar. Ich glaube, 80 Prozent der Öffentlichkeit weiß etwas mit der DLRG anzufangen. All diejenigen, die an der Küste stehen, auch der Katastrophenschutz, die Taucher, die Ausbilder an den Beckenrändern – das sind alles Ehrenamtliche. Und über solche Events generieren wir eine Öffentlichkeit, die gegebenenfalls bereit ist, zu spenden, damit wir beispielsweise Einsatzmaterial kaufen können.


Zur Person:

  • Dr. Christoph Penning ist Mitglied im Garreler Gemeinderat und führt die Garreler CDU als Gemeindeverbandsvorsitzender.
  • Er arbeitet als Lehrer an der Liebfrauenschule Cloppenburg und unterrichtet die Fächer Deutsch und Geschichte.
  • Im Rahmen seiner Doktorarbeit forschte Penning zu Anton Graf Bossi-Fedrigotti, einem hochdekorierten Autor der NS-Zeit.

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