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Wohnmobil-Dinner weckt die Lebensfreude

Etwa 300 Besucher genießen den Abend in der Vechtaer Innenstadt. Auch die Gastronomen sind wieder in ihrem Element. Ob es eine Wiederholung gibt, muss die Manöverkritik zeigen.

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Gemütlich eingerichtet: Thomas und Moni Nieberding stießen mit Sohn Christoph auf einen schönen Abend an. Während der Vorspeise verfolgte die Familie aus Dinklage das Topspiel zwischen FC Bayern München und Borussia Dortmund. Foto: Speckmann

Gemütlich eingerichtet: Thomas und Moni Nieberding stießen mit Sohn Christoph auf einen schönen Abend an. Während der Vorspeise verfolgte die Familie aus Dinklage das Topspiel zwischen FC Bayern München und Borussia Dortmund. Foto: Speckmann

Bunte Papierblumen am Wohnwagen, feine Spezialitäten aus der Tapasbar und dazu ein Küsschen von ihrem Schatz David, der extra aus Berlin angereist war: Der Geburtstag hätte für Inola Hafer kaum schöner sein können, vor allem in einer Zeit, wo Partys mit der Clique tabu sind. „Ich bin so glücklich“, erklärte die 22-Jährige am Samstagabend beim ersten Wohnmobil-Dinner in Vechta.

Die junge Frau aus Hüde genoss den Aufenthalt in der Kreisstadt, die ihr durch den früheren Besuch der Liebfrauenschule noch bestens vertraut ist. Den Stellplatz bei Tapas & Co. hatten ihre Eltern reserviert. Sie waren schon bei Wohnmobil-Dinnern in anderen Orten gewesen, aber ein Event in dieser Größe war auch für die Eheleute neu: „Das ist wirklich cool“, sagten Ivonne und Joachim Hafer.

Auf Initiative des Stadtmarketingvereins „Moin Vechta“ steuerten etwa 130 Wohnmobile, Wohnwagen und Vans am frühen Abend die Innenstadt an. Die Große Straße war für den Verkehr gesperrt worden, sodass die Teilnehmer ganz bequem ihre Parkplätze einnehmen konnten. Alter Markt und Europaplatz waren komplett belegt. Auch am Neuen Markt, Kapitelplatz und Bremer Tor prägten die Camper das Bild.

„Eine super Idee von den Veranstaltern. Total gut gemacht“, befand Klaus Grotelüschen. Er und seine Frau waren im Konvoi angereist, gemeinsam mit zwei befreundeten Paaren aus Neerstedt. Die Parkplatze hatten sie nebeneinander reserviert. Ihr erster Eindruck: „Heute sind alle gut drauf!“

Es sollte nicht lange dauern, bis es an der Tür der Wohnwagen klopfte. Die Bedienungen der vier Gastronomiebetriebe nahmen die Getränke auf. Ihre Menüs hatten die etwa 300 Gäste schon im Vorfeld bestellt. Laura Mertens und Sarah Klövekorn, beide in Diensten von „Krögers kleine Schwester“, waren angesichts des Lockdowns froh, endlich mal wieder Gäste bedienen zu dürfen: „Wir sind gespannt, ob wir noch die Teller tragen können.“

Liebevoll zubereitet: Laura Mertens servierte das Essen für Kerstin Johnsen und ihre Familie. Foto: SpeckmannLiebevoll zubereitet: Laura Mertens servierte das Essen für Kerstin Johnsen und ihre Familie. Foto: Speckmann

Die Wartezeit bis zur Lieferung des Essens verkürzten sich viele Besucher mit einem Glas Wein oder Bier. Den Alkohol hatten sie selbst mitbringen müssen. Das war eine der Auflagen, an die sich alle Beteiligten aufgrund der Corona-Verordnung zu halten hatten. Auch die Kontakte sollten sich in Grenzen halten. Das gelang auch weitestgehend. Hier und dort gab es Smalltalk unter Bekannten, aber der Aufenthalt konzentrierte sich vorwiegend auf das vertraute Heim.

Dennis und Silke Niehaus und ihre Tochter Marlene mussten sich mit ihrem Wagen erst noch anfreunden. Der Familienvater hatte den Renault Trafic zu einem Caravan umgebaut. „Das ist heute unsere Jungfernfahrt“, sagte der gelernte Tischler. Das Dinner erwies sich als gute Gelegenheit für einen Praxistest. In diesem Jahr soll es in den Urlaub nach Bayern gehen.

Mit einem Wohnmobil auf Reisen, vielleicht die Küste entlang fahren, das kann sich auch die Familie Kröger aus Dinklage gut vorstellen. Sie kam durch die Veranstaltung erstmals in Berührung mit dem modernen Camping, und zwar als Gewinner eines von acht Wohnmobilen, die von „Hartz und Hackmann Mobile“ sowie „VW Klöker“ für das Wochenende zur Verfügung gestellt wurden.

"Für die Kinder ist das ein Highlight, vor allem in der Corona-Zeit.“Wohnmobil-Gewinner Olga und Frank Kröger

„Für die Kinder ist das ein Highlight, vor allem in der Corona-Zeit“, stellten Olga und Frank Kröger schnell fest. Ihre Töchter Yara (9) und Ellen (5) hatten schon den ganzen Tag im Wohnmobil verbracht, machten es sich in den Betten bequem oder breiteten ihre Spiele und Puzzle auf dem ausklappbaren Tisch aus. Sie wollten auch in dem Wohnmobil übernachten, durch das Dachfenster die Sterne beobachten, bevor der Wagen am Sonntag wieder zurückgebracht werden sollte.

Sauber einparkt: Mehr als ein Dutzend Fahrzeuge parkten am Samstagabend auf dem Alten Markt. Foto: SpeckmannSauber einparkt: Mehr als ein Dutzend Fahrzeuge parkten am Samstagabend auf dem Alten Markt. Foto: Speckmann

Dass die Menüs für die Kinder bei der Begeisterung fürs Camping fast zur Nebensache wurden, dürften die Wirte sicher verschmerzen. Sie waren am Samstag endlich wieder in ihrem Element. Sandro Locci, Inhaber des italienischen Restaurants Da Sergio, freute sich über die Abwechslung zum Außer-Haus-Verkauf. Statt Pizza und Pasta in Plastikboxen auszuhändigen, konnte sein Küchenteam wieder Menüs kreieren und auf Porzellan servieren.

"Endlich können wir wieder das tun, was wir lieben.“Frederic Baltruschat, Inhaber des Restaurants Elmendorffburg

„Endlich können wir wieder das tun, was wir lieben“, bestätigte Frederic Baltruschat, der seit 20 Jahren in der Gastronomie tätig ist. Der Inhaber der Elmendorffburg machte keinen Hehl daraus, dass ihm seit der gesetzlich verordneten Schließung der Lokale das Herz blutet. Insofern war das Wohnmobil-Dinner schon ein kleiner Hoffnungsschimmer und Mutmacher. Die komplette Belegschaft war an Bord, um mehr als 70 Menüs an die Kundschaft zu bringen.

Baltruschat könnte sich eine Wiederholung vorstellen. Ob es dazu kommt, muss die Manöverkritik von Gastronomen und Stadtmarketingverein zeigen. „Wer weiß, vielleicht etablieren wir uns als Wohnmobil-Stadt“, sagte Geschäftsführerin Birgit Beuse. Ihre Bilanz fiel positiv aus: „Wir waren erst etwas unsicher, haben aber schon nach kurzer Zeit gemerkt, dass der Plan aufgeht. Die Einweiser haben einen super Job gemacht. Die Camper sind entspannt, zufrieden und gut drauf.“

Fotos. Speckmann

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