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Wohnmobil-Boom erfasst auch den Landkreis Vechta

In nur 10 Jahren hat sich die Zahl der vor Ort zugelassenen, rollenden Eigenheime mehr als verdoppelt. Ein Ende des Trends ist nicht in Sicht - coronabedingt.

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Hier lässt es sich aushalten: Der relativ neue Wohnmobilstellplatz am Lohneum bietet Platz für drei Fahrzeuge. Foto: Stadt Lohne / Tombrägel

Hier lässt es sich aushalten: Der relativ neue Wohnmobilstellplatz am Lohneum bietet Platz für drei Fahrzeuge. Foto: Stadt Lohne / Tombrägel

Die Corona-Pandemie bringt in der Wirtschaft nicht nur Verlierer hervor: Großer Gewinner ist die gesamte Freizeitfahrzeugbranche. Nach Angaben des Caravaning Industrie Verbandes (CIVD) sind zwischen Januar und Juli dieses Jahres deutschlandweit fast 71.000 neue Wohnmobile und Caravans zugelassen worden - mehr als im gesamten Jahr 2019, trotz zwischenzeitlichen Lockdowns. Das ist ein neuer Allzeit-Bestwert, der sich auch vor Ort bemerkbar macht.

Zwar gibt es für das laufende Jahr noch keine detaillierten Zahlen auf Kreisebene, aber: Allein im Zeitraum der vergangenen 10 Jahre hat sich die Zahl der im Landkreis Vechta zugelassenen Wohnmobile weit mehr als verdoppelt. Das geht aus einer Recherche dieser Redaktion auf Basis der Jahresstatistiken des Kraftfahrt-Bundesamtes hervor.

Zahl der Stellplätze steigt

Demnach steigt die Zahl der angemeldeten Wohnmobile zwischen Visbek und Vörden von 278 (Anfang 2010) auf 659 (Anfang 2020). Das entspricht einem enormen Zuwachs in Höhe von 137 Prozent. Im Zuge der durch die Pandemie ausgelösten Hoffnung auf ein Stück mehr Reise-Sicherheit im rollenden Eigenheim dürften die Zahlen noch weiter steigen.

Gleiches gilt für die Zahl der Wohnmobilstellplätze im Kreis Vechta. Eines der meistfrequentierten Areale befindet sich am Heidesee in Holdorf. "Sauber und gepflegte übersichtliche Anlage. Toller See. Kommen auf jeden Fall wieder": In dieser Form wird der dortige Wohnmobilstellplatz zumeist auf den einschlägigen Szene-Portalen im Internet gelobt. Etwa 60 Plätze für Reisemobile gibt es dort.

Etwas mehr als 130 sind es im gesamten Kreisgebiet, wie Anfragen bei den Kommunen und den Tourismusverbänden ergeben haben (siehe Karte). In naher Zukunft dürften es noch deutlich mehr werden.

Denn: Viele der hiesigen Plätze sind - wie auch im Rest der Republik - gut bis sehr gut ausgelastet, nicht zuletzt wegen der Corona-Pandemie. „Caravaning ist in diesen Zeiten eine der sichersten Urlaubsformen, da man mit einem Freizeitfahrzeug individuell und nur mit Personen des eigenen Haushaltes verreist und weitestgehend autark ist“, sagt CIVD-Geschäftsführer Daniel Onggowinarso.

Am Olgahafen könnten 70 neue Stellplätze entstehen

Folge: „Deutschlandweit sind viele Anlagen ausgebucht“, weiß der Geschäftsführer der Tourist-Information Erholungsgebiet Dammer Berge, Bernd Stolle. Dabei spricht er aus Erfahrung: Stolle, der gerade selbst mit dem Wohnmobil Urlaub in Oberbayern macht, musste dort lange nach einer Stellmöglichkeit suchen, weil alles belegt war.

Anhaltspunkte für diesen Trend gibt es auch vor Ort, etwa am bereits erwähnten Heidesee. "An einigen Wochenenden war der Platz ganz ausgebucht", hat Holdorfs Bürgermeister Dr. Wolfgang Krug festgestellt. Seit der Wiedereröffnung im Mai - also nach dem Lockdown - werden die erst eineinhalb Jahre alten Stellplätze am Lohneum in Lohne ebenfalls "sehr gut angenommen", berichtet Stadtsprecher Christian Tombrägel.

Der Wohnmobil-Boom führt nun dazu, dass im Kreis Vechta über zusätzliche Stellmöglichkeiten nachgedacht wird. Dazu gehört nach Angaben der Gemeinde Goldenstedt die Anlage am Hartensbergsee. Die Stadt Vechta, die aktuell zwei kleinere Flächen anbietet, schaut, "ob noch weitere Stellplätze an anderen städtischen Orten eingerichtet werden können", erklärt Rathaussprecher Volker Kläne.

Hier sind Wohnmobile willkommen: Viele Plätze - auch vor Ort - freuen sich aktuell über regen Zuspruch. Foto: dpaSchuhHier sind Wohnmobile willkommen: Viele Plätze - auch vor Ort - freuen sich aktuell über regen Zuspruch. Foto: dpa/Schuh

Derweil gibt es Pläne, die bereits vorhandenen Stellmöglichkeiten am Olgahafen in Damme zu erweitern. Diese Pläne befänden sich aber noch "in einem frühen Stadium", heißt es aus dem Dammer Rathaus. Auch die ebenfalls involvierte Kreisverwaltung nennt noch keine Details. Nur so viel: "Der Landkreis und auch die Stadt Damme möchten gerne gemeinsam am Olgahafen tätig werden, um den Tourismus vor Ort weiter zu fördern und den Standort weiter aufzuwerten", sagt Behördensprecherin Eva-Maria Dorgelo.

Nach Informationen dieser Redaktion könnten dort bis zu 70 weitere Stellplätze sowie eine Versorgungsstation entstehen.

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