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Wo ein Sinnesgarten Demenzkranken helfen soll

Die Dammer Stiftung Maria-Rast setzt bei der Gestaltung der Anlage an ihrem neuen Gebäude auf fremde Hilfe. Die Künstlerin Petra Wewering hat am Konzept mitgearbeitet.

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Sechs Menschen an einem Boot: Über das Boot für den Sinnesgarten der Stiftung Maria-Rast für zwölf demenzkranke Bewohner freuen sich (von links) Petra Maria Wewing, Nick Wagner, Edith und Franz-Josef Nienaber, Werner Westerkamp und Jenny Rickelmann. Foto: Lammert

Sechs Menschen an einem Boot: Über das Boot für den Sinnesgarten der Stiftung Maria-Rast für zwölf demenzkranke Bewohner freuen sich (von links) Petra Maria Wewing, Nick Wagner, Edith und Franz-Josef Nienaber, Werner Westerkamp und Jenny Rickelmann. Foto: Lammert

Ganz viel Neuland hat die Dammer Stiftung Maria-Rast mit ihrem neuen, dreigeschossigen Gebäude neben dem Seniorenheim Haus Maria-Rast betreten. Die Bewohner auf den einzelnen Etagen mit den jeweils zwölf Zimmern sind als Wohngemeinschaften organisiert.

Im obersten Geschoss leben ausschließlich Frauen, die älter als 60 Jahre sind. In der mittleren Etage sowohl Männer als auch Frauen. Beide Etagen sind nach Worten des Stiftungsvorstandes Werner Westerkamp ausgelastet.

Demenzkranke ziehen frühestens im Februar ein

Die ausschließlich für an Demenz erkrankte Bewohner vorbehaltenen zwölf Zimmer im Erdgeschoss sind dagegen noch unbewohnt, obwohl es bereits zahlreiche Interessenten gibt. "Wir wollen sie erst beziehen lassen, wenn der Sinnesgarten fertiggestellt ist", sagte Werner Westerkamp. Frühestens im Februar sollen die ersten Menschen einziehen.

Für sie und alle weiteren Bewohner wird der zum Betreuungskonzept gehörende Sinnesgarten eine wichtige Rolle spielen. Er wird ganz auf die Bedürfnisse der Demenzerkrankten zugeschnitten sein. Maßgeblich beteiligt an der Konzeption dieses geschützten Bereichs ist die in Telgte lebende Diplom-Künstlerin Petra Maria Wewering vom Atelier für Kunst und kreative Prozesse.

Gemeinsam mit der Gerontologin Jenny Rickelmann von der Stiftung Maria-Rast hat sie den Sinnesgarten geplant. Aber die Künstlerin aus dem Münsterland ist auch aktiv für den Sinnesgarten tätig. Derzeit arbeitet sie in der Tischlerei Franz-Josef Nienabers in Borringhausen gemeinsam mit dem Tischlermeister und Nick Wagner, ein 17 Jahre alter Bewohner des Kinderhofs Campemoor, an Elementen für den Sinnesgarten.

Dammer Geschäftsmann stiftete ausrangiertes Segelboot

Ein Element, an dem sie intensiv tätig sind, ist ein 5 Meter langes, bis zu 1,65 Meter breites und zirka 70 Zentimeter hohes Segelboot. Gespendet hatte es ein Dammer Geschäftsmann, der für das Segelschiff keine Verwendung mehr hatte.

Inzwischen präsentiert sich das Boot vollkommen verändert als bei seiner Anlieferung. Nick Wagner hat den Rumpf in den Farben Türkis, Weiß und Marineblau gestrichen. Auf dem Heck des Bootskörpers befindet sich eine Uhr. Das Boot wird, wenn es im Frühjahr im Zeit-Sinnesgarten seinen Platz gefunden hat und fest auf Sand statt auf Wasser liegt, auch über einen Masten mit einem festen Segel aus Holz verfügen.

Erinnerungen stehen im Mittelpunkt

Dahinter verbirgt sich wie bei den anderen Sinneselementen auch eine eindeutige Konzeption. Das Boot, dessen endgültige Fertigstellung bis Weihnachten erfolgt sein soll, soll den Senioren das Gefühl von einem Ausflug an den nahen Dümmer vermitteln und so Erinnerungen wachrufen.

Mit Blick auf Erinnerungen ist auch die türkisblaue Farbe gewählt. Sie erinnere an Mopeds, die in den 1950er Jahren modern waren und mit denen möglicherweise der ein oder andere zukünftige Bewohner damals unterwegs war. Die übrigen Farben seien maritim gewählt. Sie sollten einen Hauch von Meer und Weite vermitteln, sagte Petra Wewering.

Auch bei den weiteren Elementen, die in der Tischlerei entstehen, steht der Rohstoff "Holz" im Mittelpunkt. So ist ein "Outdoor-Memory" in Arbeit, bei dem sich Bilder auf drehbaren Holzplatten anbringen lassen. Zum Musizieren soll ein Waldxylofon dienen, das aus verschiedenen Holzarten gefertigt ist.

"Die Demenzkranken erhalten durch die Elemente Sinnesanregungen"Jenny Rickelmann, Gerontologin

Und schließlich entsteht in Franz-Josef Nienabers Werkstatt noch ein Kalendertisch. "Der ist aus sibirischer Lärche hergestellt, einem sehr haltbaren Holz", betonte der Tischlermeister. Zudem werden in einigen Wochen drei Pflanztische aus Borringhausen an die Steinfelder Straße geliefert. An ihnen werden die Betreuer mit den Bewohnern zum Beispiel Töpfe bepflanzen. "Die Demenzkranken erhalten durch die Elemente Sinnesanregungen", erklärte Jenny Rickelmann.

Kinderhof Campemoor beteiligt sich an Kosten

Die Anregungen und Angebote der therapeutischen Kräfte können sie in drei Bereichen bekommen, in die der insgesamt rund 500 Quadratmeter große Sinnesgarten aufgeteilt sein wird. In dem einen Teil steht die Aktivität im Vordergrund, in einem anderen die Entspannung und im dritten die Begegnung.

Über die Kosten des Sinnesgarten-Projekts machte Werner Westerkamp keine Angaben. Allerdings teilte er mit, die Stiftung übernehme die Materialkosten, die sie zum Teil aus Spenden, finanziert sowie die Aufwendungen für das Memory, die Pflanztische, den Kalender und das Waldxylofon. Der Kinderhof Campemoor trage die für Nick Wagner anfallenden Arbeitskosten.

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