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"Wir waren nicht die Ersten, nicht die Ursache"

Die Gerüchteküche in den sozialen Medien brodelt. Jetzt tritt Bernd Tiehen, der Fußball-Obmann des SV Evenkamp, den Corona-Vorwürfen entgegen.

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Betrieb eingestellt: Beim SV Evenkamp kann wie überall im Landkreis zurzeit weder gespielt noch trainiert werden. Foto: picture alliance/Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Betrieb eingestellt: Beim SV Evenkamp kann wie überall im Landkreis zurzeit weder gespielt noch trainiert werden. Foto: picture alliance/Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Vor zwei Wochen kannte außerhalb der Kreisgrenzen kaum jemand den SV Evenkamp. Mit elf Corona-Fällen im Herren-Fußballteam machte der Verein plötzlich bundesweit Schlagzeilen. Inzwischen sind die Spieler wieder genesen, sagt Obmann Bernd Tiehen. Wie das Virus in die Mannschaft gelangte, ist aber nach wie vor unklar.

Dass Löningen inzwischen ein Corona-Hotspot ist, sei jedoch nicht die Schuld des Vereins, betont Tiehen. „Wir waren nur die Ersten, bei denen die Krankheit festgestellt wurde.“ Rückblick: Am 6. September hatte der SV Evenkamp den SC Winkum zu Gast. Das Lokalderby wollten rund 250 Fans sehen. „Wir haben sämtliche Hygieneauflagen erfüllt. Das Gesundheitsamt hat uns später bestätigt, dass wir tolle Arbeit geleistet haben“,  erzählt Tiehen.

Wenige Tage später klagten die ersten Spieler über Beschwerden. Nach den ersten positiven Tests stand fest: Das Virus hatte in der Mannschaft um sich gegriffen. Das Medienecho war riesig. Die Vereinsverantwortlichen erhielten Presseanfragen aus ganz Deutschland. Auch in den sozialen Medien brodelte die Gerüchteküche. Dass sein Verein bis heute immer wieder für die hohen Infektionszahlen in Löningen verantwortlich gemacht wird, mag Tiehen so nicht stehenlassen. „Die Untersuchungen haben erwiesen, dass unsere Spieler keine Kontaktpersonen angesteckt haben. Auch die zweite Mannschaft und das Frauenteam waren negativ.“

"Die Untersuchungen haben erwiesen, dass unsere Spieler keine Kontaktpersonen angesteckt haben."Bernd Tiehen, Fußball-Obmann

Der Verein betrieb trotzdem Fehlersuche. „Wir sind  das Konzept nochmal durchgegangen, haben mit dem Landessportbund telefoniert, mit den Staffelleitern und natürlich dem Gesundheitsamt. Alle haben uns am Ende gelobt und Mut zugesprochen.“ Das Feedback aus den Nachbarclubs war ebenfalls eindeutig: Das kann überall passieren. Gestört haben Tiehen dagegen Online-Kommentare und wilde Spekulationen. „Die waren teilweise völlig absurd. Einmal hieß es zum Beispiel, dass unser Coach krank zum Training gekommen sei. Er ist 71 und würde das auch aus reinem Verantwortungsbewusstsein niemals tun“, empört sich der Obmann.

Die Spieler wurden mittlerweile aus der Quarantäne entlassen

Die Spieler wurden mittlerweile aus der Quarantäne entlassen. Schwere Krankheitsverläufe gab es unter ihnen nicht. Das gesamte Team durfte aber wegen der Kontaktbeschränkungen noch nicht zusammenkommen. „Wir stehen im Austausch“, sagt Tiehen. Wie lange es dauern wird, bis alle die bittere Erfahrung aus dem Kopf bekommen, weiß er nicht. Vorwürfe könne er seinen Jungs aber nicht machen. „Niemand war am Derbywochenende irgendwo feiern. Die blieben alle brav zu Hause. Es war ein wichtiges Spiel vor vielen Zuschauern. Da wollte jeder eine gute Leistung abliefern.“

Bernd Tiehen glaubt nicht, dass eine einzelne Person das Virus nach Löningen getragen hat. „Es brach dann ja auch schnell unter Schülern und anderswo aus.“ Die Suche nach einem Schuldigen helfe nicht weiter. Covid-19 sei eben tückisch und allgegenwärtig. Nicht jeder, der infiziert sei, zeige Symptome. „Manche merken gar nicht, dass sie es haben.“ Dessen müsse sich jeder bewusst sein. „Wir können nur die Hygiene- und Abstandsregeln einhalten“, betont Tiehen. Und hoffen, dass ein Fußballspiel bald wieder nur noch das ist, was es sein sollte: ein sicherer Spaß für alle.

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