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Wir Katholiken dürfen jetzt auch mitfeiern

Gästebuch: Feiertage sind von der Konfession der Bevölkerung abhängig, zum Beispiel dem "Überwiegend-katholisch"-Sein. Und trotzdem kommt das katholische OM immer wieder zu kurz.

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Ein langes Wochenende wartet auf uns. Montag ist Feiertag. Ausschlafen, abhängen und den Herrgott einen guten Mann sein lassen. Frei für alle Konfessionen. Und warum? Nur weil Martin Luther sich vor 500 Jahren von der römisch-katholischen Kirche abgewandt hat. Wenn es gerecht zuginge, hätten wir ja ein noch längeres Wochenende. Denn am Dienstag ist Allerheiligen. Und das ist ein katholischer Feiertag. Aber leider kein gesetzlicher. Also muss gearbeitet werden. Und alle müssen raus. Das ist doch nicht gerecht! Oder?

Der Reformationstag ist in Niedersachsen noch ein junger Feiertag. Er wurde erst im Jahr 2018 als dauerhafter Feiertag eingeführt. Die Große Koalition im niedersächsischen Landtag war sich damals in 2018 einig, es sollte einen 10. arbeitsfreien Tag geben. Und zwar dauerhaft. Nicht nur einmalig. Aber welcher und aus welchem Anlass? Der 8. März als der Internationale Frauentag war ebenso im Gespräch wie der Ruf nach einem religions- oder konfessionsunabhängigen Tag. Die „Lutherschen“ aber, wie sie hier früher manchmal despektierlich genannt wurden, siegten. Und wir Katholiken dürfen jetzt auch mitfeiern. Besten Dank für die Brosamen, die vom Tische fallen.

Als wir noch jünger waren, und das ist schon einige Jahre her, gab es schon ein Durcheinander bei den Feiertagen. Der Tag der Deutschen Einheit war klar. Das war der 17. Juni. Ebenso bereitete der 1. Mai kein Kopfzerbrechen. Aber Allerheiligen? Oder Buß- und Bettag? Oder Fronleichnam? Und Mariä Himmelfahrt? Die einen feiern dann, die anderen später. Und die Bayern am meisten, weil sie die meisten Feiertage haben.

„Aber wo – fragten wir uns – ist denn mehr „überwiegend katholische Gegend“ als hier?“Otto Höffmann

Was wir Heranwachsende lange nicht kapierten, war die Abhängigkeit der Feiertage von der Konfession der Bevölkerung. Die Bayern haben Fronleichnam frei, sagte man uns, weil dort so viele Katholiken leben. Und die Evangelischen oder Muslime feiern eben mit und profitieren davon. Bei uns hieß es dann: „Fronleichnam oder Mariä Himmelfahrt sind gesetzliche Feiertage in den überwiegend katholischen Gegenden“. Aber bei uns in Südoldenburg gab's doch kein Frei. Von gesetzlichem Feiertag konnte keine Rede sein. Aber wo – fragten wir uns – ist denn mehr „überwiegend katholische Gegend“ als hier? Man wird bestraft mit weniger Freizeit, obwohl man „überwiegend“ katholisch ist. Aber deswegen konvertieren war auch keine Lösung.

Das Gefühl, irgendwie betrogen zu werden, das Empfinden, zu kurz zu kommen, war uns ja nicht fremd. Beispiel: der Karneval. Da wurde gefeiert und getrunken, gesungen und geschunkelt, was das Zeug hielt. Da unten, wie man sagte, „im Rheinland“. Und – klar – wurde da auch gesündigt. Im Schatten des Domes oder wo auch immer. Das konnte nicht ohne Buße durchgehen. Irgendjemand musste den Kopf schließlich dafür hinhalten. Und wen traf es? Natürlich uns doofe Südoldenburger.

So wurde hier im Oldenburger Münsterland das 40-Stunden-Gebet eingeführt. 40 Stunden lang, Tag und Nacht, Stunde-Pause-Stunde an beiden Tagen vor Aschermittwoch. Rosenmontag und Faschingsdienstag 24/7, wie man heute sagt. Also an den feierwütigsten Tagen des Karnevals und sicher den sündenanfälligsten dazu. Dafür mussten wir hier, hunderte von Kilometern entfernt, Buße tun. Und mittwochmorgens drauf bekamen wir dafür als Lohn Asche auf die Stirn. Das war doch nicht gerecht. Das Gemeine war, dass man ja nicht mal gesündigt hatte und trotzdem auf die Knie gezwungen wurde. Mit einer Sünde zuvor wär's ja erträglicher gewesen. Aber gerecht war die Kirche ja selten.

So ist es auch mit den Feiertagen. Irgendwie kommen wir „Überwiegend-Katholiken“ in der Diaspora immer wieder zu kurz. Vielleicht wär's ja doch schöner, in Bayern zu leben. Politisch tun wir uns ja sowieso nicht so viel, weil die meisten Südoldenburger sich nicht umstellen müssten. Und feiertagsmäßig könnten wir alle nur davon profitieren.


Zur Person:

  • Otto Höffmann ist Rechtsanwalt in Cloppenburg.
  • Den Autor erreichen Sie unter der E-Mail-Adresse redaktion@om-medien.de.

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