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Wir ist hier: Macht das Sinn?

Gästebuch: Der Titel von Richard David Prechts erfolgreichstem Buch lässt erkennen: Plakative Sprüche bleiben haften. Und wie sieht es da mit dem Leitspruch des Landkreises Cloppenburg aus?

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"Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?" Der Titel seines erfolgreichsten Buches machte Richard David Precht gleich bundesweit bekannt und zum Liebling der Talkshow-Teilnehmer und anderer Küchen- Philosophen. Klug schnacken, und eine Binse jagt die andere. Der Oberflächlichkeit die Stirn bieten und schwimmen gegen den Mainstream. So rückt der Publizist stetig weiter nach rechts und sitzt bald bei Sahra Wagenknecht auf dem Schoß. Mehr eitel als Sonnenschein.

Aber ein solcher Buchtitel bleibt haften. Oft kopiert und nie erreicht. Es muss eben plakativ sein. Wie: "Was tun?" Oder: "Wir sind das Volk.“ Und auch: "Wohin des Wegs?". Um nicht zu sagen: "Quo vadis?“ Oder wie Eckehard immer sagte: "Wo wir sind, ist oben!"

Doch wo ist oben und wer sind wir? Kurz soll es sein, prägnant und vielleicht nicht ganz so gutes Deutsch. Man muss es ja nicht unbedingt verstehen. Je unverständlicher, desto mysteriöser. Und das klingt wichtig und intellektuell. Und wer will nicht schlau sein, auch wenn er nur wenig versteht?

Damit sind wir unweigerlich beim Landkreis Cloppenburg gelandet. Es geht um des Kreises Slogan. Der prangt unter vielen Schildern, vom Gesundheitsamt bis zur Zensus-Erfassungsstelle. Überall eben, wo Kreis draufsteht, soll auch Kreis drin sein. Unser Kreis-Motto heißt "Wir ist hier". Und da bei so viel Gemeinschaftsgefühl sogar die Wörter zusammenrücken, heißt es richtigerweise auf den Schildern: "Wiristhier"! Also nicht: Wir sind hier, wie es ja eigentlich grammatikalisch heißen müsste. Oder: Wir isst hier. Aber das müsste ja „Wir essen hier“ heißen. Aber macht das Sinn?

"Man muß also beginnen zu denken. Eine echte Herausforderung , aber schon mal kein schlechter Anfang."Otto Höffmann 

Man muss also beginnen zu denken. Eine echte Herausforderung, aber schon mal kein schlechter Anfang. Hier soll also irgendetwas sein. Hier! Gemeint ist ja wohl der Landkreis Cloppenburg. Aber was ist hier? Mit solchen Erwägungen nähert man sich schnell dem Komiker Otto. Der nahm Vicky Leandros' Song „Theo, wir fahren nach Lodz“ an seine Analyse-Brust und sezierte mit bierernstem Ansatz Wort für Wort: Wer ist Theo und warum? Hat das was zu tun mit Theologie oder Theodorant? Aber wer ist gemeint? Wir fahren nach Lodz, singt Vicky. Wer, wenn nicht wir oder vier alle?

Bevor der Blödsinn ausartet, zurück zum Landkreis Cloppenburg. Was ist denn nun hier? Ja, genau das "Wir" ist hier. Wir alle, oder um mit Otto zu blödeln: 4 alle! Da hat sich aber einer was ausgedacht. Hat bestimmt 'ne Stange Geld gekostet. Und stimmt das denn? Ist hier das Wir? Oder mehr als das Ich? Mein Gott oder der Sprüche-Erfinder des Landkreises mag es wissen: frommer Wunsch oder Abbild der Wirklichkeit?

Es hätte schlimmer kommen können. Und damit sind wir stracks beim Oldenburger Münsterland angekommen. Gemäß dem Ruf „Her mit dem Slogan, auch wenn's weh tut“ hat jemand den OMlern den Slogan „Viel grün. Viel drauf“ verpasst. Unter uns: Den sollte man heute noch verklagen. Dass es nach unten auf der Skala der Peinlichkeiten keine Grenze gibt, hat ja die Familie Schlecker einst bewiesen. Ihr Slogan „For You. Vor Ort“ stellte alles bisher Dagewesene in den Slogan-Schatten. Bekam ihnen ja auch nicht.

Wenn immer noch einer fragt, wo ist denn das "Wir" hier? Dann bitte antworten: Sehr geehrter Herr Landrat, lieber Johann Wimberg, wir sind von hier und werden es auch bleiben. Wir ist hier und hier ist Wir. Plattdütsch ginge es noch kürzer: "Wi is hier!" Oder: "Wiishier!".


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