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Wir Deutschen sind keine Recycling-Weltmeister

Kolumne: Die Generation Z zeigt's Ihnen – Jeder von uns produziert Unmengen von Müll. Der meiste Müll wird aber nicht wiederverwertet, sondern verbrannt. Damit muss endlich Schluss sein.

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Beim Käsepapier ziehe ich vorsichtig die Folie vom Papier ab. Die Folie landet in der gelben Tonne. Das Papier in der blauen Tonne. Wir Deutschen trennen und recyceln gerne Müll. Auch ich will mich davon nicht ausnehmen. Hinter all dem Trennwahn steckt eine Intention: Aus einer alten Verpackung soll eine neue werden. Das ist doch das Ziel von Recycling. Kurzer Spoiler: Die Realität sieht ganz anders aus.

Um beim Plastikmüll zu bleiben: Nur weniger als 10 Prozent des Verpackungsmülls kommen in den Wertstoffkreislauf zurück. Und der Rest? Die meisten anderen Verpackungen sind schlicht nicht oder kaum recyclingfähig. Der Grund: Die einzelnen Kunststoffschichten sind so sehr miteinander verbunden, dass es fast unmöglich ist, diese voneinander zu trennen. Die Masse des Plastikmülls wird darum verbrannt – entweder direkt in Deutschland oder irgendwo in Asien.

Ein Rechercheverbund von "NDR", "STRG_F", der "Zeit" und "Flip" hat jüngst etliche Sneaker von Promis auf die Reise geschickt – die Reise des Verwertens. Immer wieder holt die Journalisten die Erkenntnis ein: Von Recycling kann nur in den wenigsten Fällen gesprochen werden. Neuwertige Schuhe werden geschreddert, verbrannt oder ins Ausland gekarrt. Selbst große Schuhproduzenten wie Nike schreddern Neuware lieber, als sie im Sinne des Recycling-Kreislaufs noch anderweitig zu nutzen.

"Es wird also immer mehr weggeschmissen, verbrannt und wieder neu hergestellt. In Anbetracht des Klimawandels ist das mehr als fatal."Jan-Christoph Scholz

Ein anderes Problem beim Recycling ist auch, dass neuer Kunststoff aufgrund von günstigen Ölpreisen immer noch billiger ist, als recyceltes Material. Textilverwerter haben teils zwar Recycel-Maschinen, die beispielsweise Schuhe wieder in ihre Bestandteile zerlegen können, doch genutzt werden diese nicht. Der Grund: Es ist schlicht zu teuer. 

Es wird also immer mehr weggeschmissen, verbrannt und wieder neu hergestellt. In Anbetracht des Klimawandels ist das mehr als fatal. Verbrannter (Plastik-) Müll sorgt für Unmengen an CO₂. Plastik-Müll, den man sich selber überlässt, braucht Jahrzehnte, um sich zu zersetzten. Die Deutschen produzieren pro Kopf jedes Jahr rund 460 Kilogramm Haushaltsmüll. Der Elektroschrott ist dabei nicht mitgerechnet.

Einfache Lösung: Auf Verpackungen verzichten

Was ist also zu tun? Einfache Antwort: Auf Verpackungen möglichst verzichten. Das fängt im Supermarkt an. Statt der eingeschweißten Gurke sollten Verbraucher die ohne Plastik kaufen. Statt den in Plastik verpackten Käse, den ohne Verpackung kaufen. Eine eigene Dose mitbringen hilft.

Es reicht aber nicht alleine, wenn sich nur der Verbraucher ändert. Auch die Industrie muss handeln. Ein erster Schritt: Die Industrie muss sich an die Abfallpyramide halten. Also angefangen mit dem Vermeiden von Verpackungen hin zu einer Pflicht zum Recyceln. Entsprechende Anreize und Steuern der Politik helfen. Als wirklich letztes Mittel darf die Müllverbrennung stehen. Die neue Ampel-Regierung hat großen Handlungsbedarf, damit wir Deutschen uns zu Recht Recycling-Weltmeister nennen dürfen.

Neben sichtbarem Müll gibt es weltweit übrigens auch Unmengen an Datenmüll. Jeder Einzelne kann mit einem ganz einfachen Schritt bei sich anfangen. Anstatt das Konzert zu genießen, schießt man lieber etliche Bilder. Das sorgt für Datenmüll in Clouds und führt zu einem hohen Energieverbrauch in den Rechenzentren. Ganz ehrlich: Die meisten Fotos schaut sich eh keiner später wieder an. Also fürs nächste Mal: Bitte keine (unnötigen) Bilder machen.


Zur Person:

  • Jan-Christoph Scholz ist Volontär der OM-Medien.
  • Sie erreichen den Kolumnisten per E-Mail an: redaktion@om-medien.de.

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