Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Windparkplaner aus Cloppenburg: "Alle wollen was vom Kuchen abhaben"

Die "T3 Deutsche Bauservice GmbH" aus Cloppenburg plant Windparks in ganz Deutschland – auch im Landkreis Cloppenburg. Der Geschäftsführer erklärt, woran es beim Ausbau der Windkraft derzeit hapert.

Artikel teilen:
Ausbaufähig: Bisher stehen erst vier Windkraftanlagen in Cloppenburg. Foto: Niemeyer

Ausbaufähig: Bisher stehen erst vier Windkraftanlagen in Cloppenburg. Foto: Niemeyer

Wo könnten auf dem Gebiet der Stadt Cloppenburg demnächst neue Windparks entstehen? Um diese Frage zu klären, hatte die Grüne-UWG-Gruppe zuletzt einen Antrag formuliert, in dem sie die Stadt unter anderem dazu auffordert, nach neuen Flächen für Windkraftanlagen suchen zu lassen. Wie aus einer Anfrage an die Stadt nun deutlich wird, ist die Verwaltung offenbar bereits an dem Thema dran. Die Stadt wolle noch in diesem Jahr ein Fachbüro damit beauftragen, neue potenzielle Flächen für Windparks auszumachen, heißt es. Hierzu seien bereits "vor Wochen" mehrere Fachbüros angeschrieben worden.

Ob demnächst aber tatsächlich neue Windkraftanlagen auf dem Stadtgebiet entstehen, steht noch in den Sternen. Denn bevor sie gebaut werden können, vergehen nicht nur viele Jahre, es müssen auch viele Interessen unter einen Hut gebracht werden: Die Anwohner vor Ort sollen die neuen Windkraftanlagen möglichst akzeptieren. Die Flächeneigentümer und Investoren müssen sich auf einen Pachtvertrag einigen. Banken sind von der Finanzierung zu überzeugen und die Kommunalpolitik muss den Windpark-Plänen zustimmen.

Ganz am Anfang der Planungen stehen Planungsdienstleister wie das Cloppenburger Start-up "T3 Deutsche Bauservice GmbH" mit über 100 Mitarbeitern. Aktuell plane sein Unternehmen für Investoren und Flächeneigentümer neben Solarparks deutschlandweit circa 250 Windkraftanlagen, sagt Geschäftsführer Alexander Thomas. Auch innerhalb des Landkreises habe seine Firma derzeit drei Gebiete im Blick. Das Potenzial liege bei über 50 Anlagen mit einer Leistung von jeweils 6 Megawatt.

Flächeninhabern winkt bis zu 80.000 Euro Pacht

Sein Unternehmen orientiere sich bei der Planung meist an schon bestehenden Windparks, sagt Thomas. Denn die Suche nach gänzlich neuen Flächen gestalte sich schwierig. Das liege mitunter an den rechtlichen Vorgaben, zum Beispiel im Bereich des Naturschutzes. Auch Mindestabstände etwa zu Wohngebieten und Militärflächen schränken die verfügbare Fläche ein. 

Finden sich Flächen, die diese rechtlichen Vorgaben erfüllen, müssen die Eigentümer oftmals noch von dem Vorhaben überzeugt werden. Allein diese Verhandlungen dauerten meist circa 12 bis 18 Monate, sagt Thomas. Je weniger Eigentümer zu überzeugen seien, desto besser. Denn manchmal komme es vor, dass einzelne Inhaber neue Windparks blockieren. Dabei winkt ihnen viel Geld: Investoren zahlten aufgeteilt auf alle Eigentümer bis zu 80.000 Euro Pacht pro Jahr. 

Der Geschäftsführer der T3 Deutsche Bauservice GmbH, Alexander Thomas. Foto: Laura MewsDer Geschäftsführer der T3 Deutsche Bauservice GmbH, Alexander Thomas. Foto: Laura Mews

Ein großer Haken beim Bau von Windkraftanlagen ist außerdem die lange Planungszeit, erklärt Thomas. Nach den Verhandlungen mit den Flächeneigentümern folgt das Wind- und Umweltgutachten, dessen Erstellung wiederum 12 bis 18 Monate dauere. Erst danach, also nach 2 bis 3 Jahren, beginne das tatsächliche Genehmigungsverfahren. Insgesamt vergingen vom Erstkontakt bis zur Realisierung meist mindestens 5 Jahre, sagt Thomas. Sofern die Planungen nicht vorab scheitern. Um die Verfahren zu beschleunigen, hat die Bundesregierung zuletzt das "Wind-an-Land-Gesetz" auf den Weg gebracht.

Thomas: Bürgerwindparks scheitern oft an der Finanzierung

Steht der Windpark einmal, stellt sich die Frage, wer daran verdient. Die Grüne-UWG-Gruppe schlägt in ihrem Antrag die Bildung von Energiegenossenschaften vor. Bürger vor Ort können sich zu solchen Genossenschaften zusammenschließen und den Bau der Anlagen finanzieren. Anschließend landet das erwirtschaftete Geld direkt auf ihren Konten.

Thomas begrüße solche Formen der Bürgerbeteiligung zwar. Allerdings scheiterten Bürgerwindparks allzu oft an der Finanzierung, sagt er. Denn das benötigte Eigenkapital von 500.000 bis 1 Million Euro pro Windkraftanlage könnte nicht immer aufgebracht werden. Eine Mischung aus Investoren- und Bürgerbeteiligung sei seiner Meinung nach in vielen Fällen sinnvoller. 

Trotz der Herausforderungen blickt Thomas optimistisch auf die Branche. "Aktuell ist viel Bewegung im Markt", sagt der Unternehmer. "Gemeinden, Investoren und Eigentümer wollen was vom Kuchen abhaben." 

So verpassen sie nichts mehr. Mit unseren kostenlosen Newslettern informieren wir Sie über das Wichtigste aus dem Oldenburger Münsterland. Jetzt einfach für einen Newsletter anmelden!

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Windparkplaner aus Cloppenburg: "Alle wollen was vom Kuchen abhaben" - OM online