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Willkommen im juristischen Absurdistan!

Meine Woche: Geblitzt. So ein Mist! Das heißt dann wohl zahlen. Doch Gesetz ist Gesetz. Und das ist überall gleich. Meistens. Vielleicht. Oder etwa nicht?

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Es ist gar nicht so lange her, dass mir meine empörte Tochter mit vorwurfsvollem Blick eine Standpauke hielt. Weil ich Post hatte. Mit einem Foto von mir. Schwarz-Weiß. Sie wissen schon ... "Papa, du hast einen Blitz bekommen!" Ja, wer beim Zuschnellfahren erwischt wird, der muss halt auch blechen. Richtig so. So will es schließlich auch das Gesetz. Und Gesetze sind doch immer gut und sinnvoll, oder?

Zumindest beim Thema Straßenverkehr könnten wir uns eine Scheibe von den Engländern abschneiden. Männer dürfen dort per Gesetz nämlich in der Öffentlichkeit pinkeln, solange es am Hinterreifen des eigenen Autos passiert und die rechte Hand auf dem Auto ist. Und auch Belgien ist uns im Verkehrsrecht um Welten voraus: Wenn dort ein Autofahrer trotz Gegenverkehr wenden will oder muss, hat er so lange Vorfahrt, bis er die Geschwindigkeit verringert oder anhält. Logisch. Wer kann sich nicht vorstellen, bei Tempo 100 mit Tempo 100 zu wenden, um ja vorfahrtberechtigt zu bleiben? Die Deutschen natürlich. Diese Weicheier!

Eine wahre Goldgrube kurioser und unfassbar sinnvoller Gesetze haben allerdings unsere Freunde aus den USA. In Eureka (Kalifornien) ist es Männern mit Schnurrbart verboten, eine Frau zu küssen – unabhängig davon, wie gepflegt der OLiBa auch sein mag: Küssen verboten, Sportsfreund. Das gleicht aber Memphis im Staat Tennessee für die Männerwelt wieder aus. Laut eines alten Gesetzes dürfen Frauen dort nur ein Auto lenken, wenn ein Mann vor dem Auto herläuft und zur Warnung von Fußgängern und anderen Autofahrern eine rote Fahne schwenkt.

"Und Zeitreisen sind auch strengstens verboten. Sowohl im Film als auch in der Realität."Max Fuhrmann

Dafür aber ist es Männern in Detroit (Michigan) wiederum grundsätzlich verboten, ihre Frauen am Sonntag böse anzuschauen. Um dann doch noch ein gerechtes 2:2 zwischen den Geschlechtern zu schaffen: Ein Gesetz des Staates Illinois besagt, dass alle weiblichen Singles männliche Junggesellen gefälligst mit "Meister" anzureden haben. Willkommen im juristischen Absurdistan.

Doch auch andere Länder haben juristische Leckerbissen zu bieten. Die Schweiz zum Beispiel verbietet den Toilettengang nach 22 Uhr. Das Wasserlassen muss entweder bis zum nächsten Tag hinausgezögert, oder eine andere weniger hygienische Lösung gefunden werden. Spülen ist erst wieder am nächsten Morgen erlaubt. In China übrigens sollte man niemanden vorm Ertrinken retten. Man greift dann ja schließlich in das Schicksal des armen Tropfes ein. Und Zeitreisen sind auch strengstens verboten. Sowohl im Film als auch in der Realität. Ob diese Gesetze noch alle gelten? Fraglich. Doch es muss sie mal gegeben haben, glaubt man einschlägigen Medien. 

Und während ich am Rechner sitze, um meinen "Blitz" zu bezahlen, frage ich mich, ob ich nicht in der Zeit zurückreisen könnte, um bei Tempo 100 mit roter Fahne schwenkend zu wenden und meinen OLiBa in den Wind halte ... Doch da ist es schon nach 22 Uhr.

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