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Wiederverwenden statt verschwenden: Daniela Breuer plant eine Foodsharing-Box in Holdorf

Die 42-Jährige möchte der Wegwerf-Mentalität von Lebensmitteln den Kampf ansagen. Sie sucht einen Ort, Ideen und Unterstützer für eine Ortsgruppe. Bürgermeister Krug findet die Idee "sehr spannend".

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Klare Botschaft: Beim Projekt Foodsharing geht es darum, überschüssige Lebensmittel vor dem Wegwerfen zu bewahren. Das Abgeben der Lebensmittel ist kostenlos.  Foto: dpa/Kalaene

Klare Botschaft: Beim Projekt Foodsharing geht es darum, überschüssige Lebensmittel vor dem Wegwerfen zu bewahren. Das Abgeben der Lebensmittel ist kostenlos.  Foto: dpa/Kalaene

Wenn Daniela Breuer in die Biotonnen in ihrer Umgebung blickt, dann schüttelt die Holdorferin bisweilen mit dem Kopf. "Es werden viel mehr Lebensmittel weggeworfen als nötig." Wieso landet so viel noch essbares Obst, Gemüse oder Brot einfach im Müll, fragt sie sich. Die Gründe sind wohl vielfältig: Es gibt Druckstellen am Gemüse, ein überschrittenes Haltbarkeitsdatum oder Sortimentswechsel im Supermarkt.  Tonnenweise Lebensmittel landen so jedes Jahr in Deutschland auf dem Müll. Dies müsse jedoch einfach nicht sein, findet Daniela Breuer. 

Mit dem Thema Nachhaltigkeit hat sich die 42-Jährige, auch ausgelöst durch die Fridays-for-Future-Bewegung, in der jüngsten Zeit zunehmend beschäftigt. Bei ihren Recherchen stieß Daniela Breuer auf die Initiative Foodsharing, die der Wegwerf-Mentalität bei Lebensmitteln dem Kampf angesagt hat. Dort engagieren sich fast 110.000 Ehrenamtliche, die Lebensmittel vor der Mülltonne bewahren wollen. Konzepte dafür gibt es viele, das Prinzip ist relativ einfach: In öffentlich zugänglichen Regalen, Kühlschränken oder Essenskörben werden die Nahrungsmittel geteilt. 

Mit ihrer Idee steht Daniela Breuer bislang noch ganz am Anfang. Sie bereitet sich derzeit auf einen Test bei Foodsharing vor, den sie bestehen muss. Dann erhält die Kauffrau für Dialog-Marketing ein Zertifikat und einen entsprechenden Ausweis. Der ist wichtig, wenn sie bei Gastronomiebetrieben oder Lebensmittelhändlern, die mit Foodsharing zusammenarbeiten, vorstellig werden sollte, um Essensreste abzuholen. Daniela Breuer sagt: "Ich will ja keinen Unfug mit den Nahrungsmitteln machen." Sondern das Essen teilen – nach dem Motto "wiederverwenden statt verschwenden".

Sie möchten Lebensmittel retten: Holdorfs Bürgermeister Dr. Wolfgang Krug und Daniela Breuer. Foto: BöckmannSie möchten Lebensmittel retten: Holdorfs Bürgermeister Dr. Wolfgang Krug und Daniela Breuer. Foto: Böckmann

Ganz wichtig ist Daniela Breuer diese Botschaft: Das Konzept Foodsharing sei ausdrücklich keine Konkurrenz zu den vielen Tafeln. Im Gegenteil: Eine Foodsharing-Box, die es im Landkreis Vechta laut der gebürtigen Duisburgerin bislang nicht gibt, sei eine Alternative für Menschen, "die sich vielleicht nicht trauen, eine Tafel zu besuchen". Vielleicht gebe es später auch Synergie-Effekte mit den Tafeln oder anderen Institutionen. Aber das ist noch Zukunftsmusik. 

Daniela Breuer möchte ihr Projekt zunächst vorantreiben und bekanntmachen. Sie möchte eine Ortsgruppe gründen, sie hofft auf Unterstützer und ist für jede Anregung per Mail an danielabreuer6@gmx.de dankbar. Die Unterstützung von Holdorfs Bürgermeister Dr. Wolfgang Krug hat Daniela Breuer jedenfalls schon. Krug findet die Idee "sehr spannend". Was mit den Bücherzellen gut funktioniere, sei doch auch mit Lebensmitteln denkbar.

Der Holdorfer Verwaltungschef könnte sich einen Standort zum Beispiel am Luna-Park in Langenberg, wo viel Bewegung sei, vorstellen. In der Politik möchten Krug und Breuer das Projekt vorstellen. Das entsprechende Gremium hat auch den passenden Namen: Es ist der Nachhaltigkeitsausschuss, der am 25. Januar 2022 (Dienstag, 18 Uhr) das nächste Mal tagt.


Fakten:

  • Die Initiative Foodsharing bekämpft die Verschwendung von Lebensmitteln. Gegründet wurde sie 2013 von dem Filmemacher Valentin Thurn ("Taste the waste2"). Seitdem haben sich bundesweit fast 110.000 Ehrenamtliche zusammengefunden: Sie holen bei 10.7000 Partnerbetrieben Lebensmittel ab, die nicht mehr verkauft werden können, aber noch genießbar sind.
  • Abgegeben werden diese zum Beispiel in öffentlichen Kühlschränken. Ausgenommen sind besonders empfindliche, leicht verderbliche Lebensmittel wie Hackfleisch. Fälle von Vergiftungen oder Missbrauch wurden den Angaben nach bisher nicht bekannt. Das Modell hat laut Foodsharing international Nachahmer gefunden.
  • Pro Jahr gehen laut WWF in Deutschland mehr als 18 Millionen Tonnen Lebensmittel verloren, was auch den Klimawandel befeuere. Knapp 40 Prozent des Nahrungsmittel-Abfalls falle hierzulande in Privathaushalten an, hinzu kämen Verluste bei der Produktion, in der Gastronomie und im Handel.

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