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Wiedersehen macht Freude

Kolumne: Die Generation Z zeigt's Ihnen – Vor kurzem bin ich einem alten Klassenkameraden begegnet. Das brachte mich zum Nachdenken, wie man sich nach langem Wiedersehen am besten verhalten sollte.

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Wiedersehen macht Freude - das ist auch weit über die Corona-Pandemie hinaus so. Vor kurzem bin ich zum Beispiel einem alten Klassenkameraden über den Weg gelaufen – unverhofft kommt oft, dachte ich. Aufgrund der Lockerungen sind solche zufälligen Begegnungen ja, Gott sei Dank, wieder möglich. Und den meisten Leuten wird es ähnlich wie mir ergehen, dass die Freude darüber überwiegt. Und dennoch gibt es Situationen, in denen ich mir folgende Frage stelle: „Wie verhalte ich mich richtig?“

Grundsätzlich sollte ein einfaches „Hallo“ oder „Moin“ immer drin sein. Das ist in meinen Augen nicht zu viel verlangt. Denn bei aller Wortkargheit, die uns Norddeutschen nachgesagt wird, im alltäglichen Umgang miteinander sollte das unerlässlich sein. Es gehört doch irgendwie zum guten Ton und signalisiert unserem Gegenüber, dass wir Notiz voneinander nehmen.

Wir sind trotzdem nicht gleich Misanthropen, wenn wir Gesprächen mal ausweichen sollten. Morgens vor dem ersten Kaffee bin ich zum Beispiel meistens noch nicht gesprächsbereit – ein echter Morgenmuffel eben. Unangenehm finde ich es erst, wenn wir uns ab und an dabei ertappen, dass wir in bestimmten Situationen dazu neigen, jemanden nicht wahrnehmen zu wollen. Das kann unter anderem durch einen „rettenden“ Blick aufs Smartphone geschehen oder ein ignorantes Weggucken. Das ist natürlich auch sehr wirksam. Schließlich hat Kommunikation einen wesentlichen optischen Anteil, weshalb es nicht verwundert, dass bei fehlendem Blickkontakt kein Gespräch zustande kommt.

"Als 'Smombie' mit Scheuklappen durch die Gegend zu rennen, kann nicht das Ziel sein."Meike Wienken

Aber auch irgendwie schade, denn als „Smombie“ (Kombination der Begriffe „Smartphone“ und „Zombie“) mit Scheuklappen durch die Gegend zu rennen, kann auch nicht das Ziel sein. Schließlich haben gelungene Begegnungen, und seien es nur Momente, das Potenzial, uns glücklich zu machen. Egal ob bei Klassentreffen, auf Feten und Veranstaltungen oder beim Einkaufen im Supermarkt, ein netter Gruß oder ein freundliches Lächeln heben die Stimmung nachhaltig an.

Persönlichen Kontakt sollten wir gerade nach all den jüngsten Erfahrungen als Geschenk sehen. Das dachte ich mir letztlich auch, als ich an meinem ehemaligen Klassenkameraden mit einem einfachen „Hallo“ vorbeilief, kurz innehielt, um ihn dann doch in ein Gespräch zu verwickeln. Selbst wenn ich mich dabei nur für einen kurzen Moment aus meinem eigenen Mikrokosmos bewege, kann das dabei helfen, dass ich auch mal schaue, was rechts und links von mir geschieht.

In einem Buch, das ich sehr gerne gelesen habe, heißt es am Ende: „Letztendlich sind wir dem Universum egal. Dem Universum und der Zeit. Deshalb dürfen wir einander nicht egal sein.“ Daher nehme ich mir vor, in Zukunft nicht mehr mit Scheuklappen durchs Leben zu rennen. Nur so können wir schließlich mit offenem Visier aufeinander zu gehen. Zumindest in der Theorie.


Zur Person:

  • Meike Wienken ist Volontärin der OM-Medien.
  • Die Autorin erreichen Sie unter redaktion@om-medien.de.

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