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Wie werden die Linderner den Fluch Jan Kardels los?

Gästebuch: Die Geschichte um „Jan Kardel“ ist bis heute im Oldenburger Münsterland unvergessen. Er und seine Sippe lebten von Raub und Diebstahl und schreckten auch vor Mord nicht zurück.

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Die Meldung ließ aufhorchen. Lindern, die kleine Gemeinde im Südwesten des Landkreises Cloppenburg, führt die Riege der braven Bürger an. Die Linderner? Ja doch, denn in der Kriminalstatistik werden die wenigsten Straftaten für den Ort mit dem Lindenbaum im Wappen für den gesamten Landkreis registriert. In jedem anderen Dorf gibt es mehr Spitzbuben. Unterm Lindenbaum herrscht gesetzestreue Harmonie. Man glaubt es kaum.

Das war nicht immer so. Die Linderner spielten stets eine besondere Rolle. Das Völkchen zwischen Oldenburger Münsterland und Hümmling machte oft sein eigenes Ding und unterschied sich deutlich von den langweilig-braven gesetzestreuen Nachbarn aus Lastrup oder Werlte. Und einer gepflegten Rauferei – verbal oder per Hand – ging man auch nicht immer aus dem Weg. Wer nicht weicht, wird willig werden. Das muss wohl an den Genen von Jan Kardel liegen.

Die Geschichte um „Jan Kardel“ ist, obwohl seit Jahrhunderten vorbei, bis heute im Oldenburger Münsterland und auf dem Hümmling unvergessen. Er und seine Sippe lebten von Raub und Diebstahl und schreckten auch vor Mord nicht zurück. Wohin sie kamen, verbreiteten sie Angst und Schrecken. Die Leute in Lindern, Werlte und den umliegenden Bauerschaften wagten längst nicht mehr, der Bande entgegenzutreten. Bis der „Reuwenbur“ aus Linderns Bauerschaft Auen die Nase voll hatte und sich der Bande entgegenstellte. So rettete der junge Bauer die Ehre des Ortes mit dem Lindenbaum. Auen ahoi!

„So viele Unschuldslämmer unter einer Linde und das bei den Vorfahren!“Otto Höffmann

Doch solch eine gesetzesfeindliche Haltung bleibt ja nicht in den Klamotten hängen. Es sind ja ihre Vorfahren. Zwar erklärt die Tatsache, dass Kardels Kumpane keine Kostverächter waren, die hohe Zahl der schönen Töchter unterm Lindenbaum. Aber es verfolgt einen von Generation zu Generation.

Wie werden wir den Fluch Jan Kardels los? Wir brandschatzen nicht, plündern schon lange nicht mehr, vergreifen uns nicht an des Nächsten Hab und Gut und achten meist auch peinlich des Nachbarn Weib und Wohl. Doch leider blitzte die Erblast immer und immer wieder auf und schien nicht totzukriegen zu sein. Wie viel Kardel steckt in jedem Linderner, grübelte manch Nachfahr.

So machten sich in den vergangenen Jahrzehnten mehr und mehr Bürger, denen ihr Heimatdorf am Herzen lag, daran, das Image der Nachkommen von Jans Bande aufzupolieren. Nicht immer war das von Erfolg gekrönt. Aber es trug doch Früchte. Ein Einwohner, der sonst seinen Mitbürgern Alkohol verkaufte und damit ja der Sünde Vorschub leistete, wandelte sich zu einem Landrat, der weithin geachtet landkreisweit den Ort vertrat. Ein großer Linderner. Die Verkaufshalle eines rastlosen Textilkaufmanns, der das Kreisgebiet unbarmherzig mit Werbung zupflasterte, dient jetzt als Großenginger Gebetsstätte und arbeitet auf seine Weise demütig die Sünden der Vergangenheit ab.

Als SS-Hauptsturmführer in den Oldenburgischen Landtag

Ein Pädagoge ackert seit Jahrzehnten für Kunst und Kultur und beschert als Roter dem sonst fast schwarzen Fleck Verständigung und Weltoffenheit. Und ein Unternehmer mit Großfamilie und ebenso großem Mundwerk bellte mehr als er biss, hielt aber dadurch auf seine Art die Justiz auf Trab und weg vom Ort. Bei einem anderen brachen wohl eher die Gene von Jan Kardels Bande nach Jahrzehnten wieder aus. Er brachte es als SS-Hauptsturmführer bis in den Oldenburgischen Landtag. Na ja, kann ja nicht alles klappen.

Geklappt hat es jetzt jedenfalls mit Platz 1 in der Kriminalstatistik. So viele Unschuldslämmer unter einer Linde und das bei den Vorfahren! Geschafft! Die Linderner wollen eben immer ganz vorne dabei sein. Sei es als Bürgerschreck oder Bürgerwehr. Getreu dem Motto: Wo wir sind, ist oben! Wenn schon aus Auen, dann doch wenigstens als Bezwinger von Jan Kardel!


Zur Person:

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

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