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"Wie wäre es …": Professor Braungart hat jede Menge nachhaltige Ideen für Südoldenburg im Gepäck

Viele Hundert Gäste nahmen am Münsterlandtag im Lohneum teil. Angetan waren sie von den  Schülerprojekten, etwa zu Themen wie Klimaschutz und Geschichte.

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„Wir müssen aufhören, die falschen Dinge zu optimieren", forderte Professor Michael Braungart im Lohneum. Foto: Berg

„Wir müssen aufhören, die falschen Dinge zu optimieren", forderte Professor Michael Braungart im Lohneum. Foto: Berg

Das Warten hat sich gelohnt: Nachdem der Münsterlandtag des Heimatbundes für das Oldenburger Münsterland im vergangenen Jahr pandemiebedingt ausfallen musste, lieferte der zweite Anlauf im Lohneum in Lohne ein wahres Feuerwerk an Ideen, Anregungen und konkreten Handlungsempfehlungen für die Region – vor allem in den Bereichen Geschichte, Nachhaltigkeit und Klimaschutz.

Stars des Tages waren der renommierte Chemiker und Verfahrenstechniker Professor Michael Braungart und sein aufrüttelnder Impulsvortrag sowie zahlreiche Schülerinnen und Schüler, deren herausragende Projekte prämiert wurden.

"Endlich können wir uns wieder in diesem Rahmen treffen": Mit diesen Worten begrüßte Heimatbund-Präsident Stefan Schute die vielen Hundert Gäste im Lohneum. Möglich wurde das Ereignis durch Anwendung der 2G-Regel. Heißt: Nur vollständig Geimpfte und Genesene bekamen Zugang. Und dieser Status wurde an den Eingängen auch penibel kontrolliert. Innerhalb der großen Mehrzweckhalle konnten vor diesem Hintergrund alle Schutzmasken und Abstandsgebote wegfallen.

Insgesamt neun herausragende Schulprojekte aus der Region wurden ausgezeichnet. Unser Nild zeigt die Preisträgerinnen und Preisträger. Foto: BergInsgesamt neun herausragende Schulprojekte aus der Region wurden ausgezeichnet. Unser Nild zeigt die Preisträgerinnen und Preisträger. Foto: Berg

Der Tag sei dazu gedacht, "den Zusammenhalt im Oldenburger Münsterland zu fördern", fügte Schute an. Dieser Zusammenhalt steht allerdings vor großen Prüfungen, vorneweg infolge der Klimakrise. Deswegen sei diese Veranstaltung auch "unter die Stichworte Umwelt, Energie und Wasser gestellt" worden.

Die Wasserbewirtschaftung mit möglichst wenig Grundwasserentnahme sowie "die nachhaltige Mobilität" bezeichnete etwa Lohnes frischgebackener Ex-Bürgermeister und neuer Landrat des Landkreises Vechta, Tobias Gerdesmeyer, als zentrale Punkte seines künftigen Wirkens. Hier, wo es eine hohe Identifikation der Menschen mit der Region gebe, könne das gelingen.

Braungart wendet sich direkt an Honorationen

Mit ähnlichen Worten startete auch Michael Braungart. Die echte Innovation beginne nicht in der Stadt, sondern auf dem Land, "denn für Neues braucht es Verlässlichkeit und Vertrauen", sagte Braungart, der als Professor an der Leuphana-Universität Lüneburg tätig ist und bereits Ende der 1990er Jahre das sogenannte Cradle-to-Cradle-Konzept (übersetzt: von der Wiege zur Wiege) entwickelte. Dahinter steht ein Recycling-Prinzip, in dem Materialien aufgrund ihrer Reinheit ohne Qualitätsverlust immer wieder verwendet werden können.

"Ich möchte Sie einladen, anders zu denken", sagte Braungart in Richtung der Gäste und zog sie anschließend mit klaren Aussagen in seinen Bann. Etwa diese: "Wir müssen aufhören, die falschen Dinge zu optimieren. Wir brauchen nicht Effizienz, wir brauchen Effektivität." Und weiter: "Es geht nicht darum, weniger schädlich, sondern nützlich zu sein. Ich möchte nicht klimaneutral sein, ich möchte gut für das Klima sein."

Voller Saal dank 2G: Eingelassen wurden nur vollständig Geimpfte und Genesene. Dadurch konnten die Abstandsgebote wegfallen. Foto: BergVoller Saal dank 2G: Eingelassen wurden nur vollständig Geimpfte und Genesene. Dadurch konnten die Abstandsgebote wegfallen. Foto: Berg

Braungart gab aber nicht nur seine wissenschaftlich fundierten Erkenntnisse weiter, sondern lieferte konkrete Vorschläge für das Oldenburger Münsterland, die er allesamt direkt an Gerdesmeyer und andere Honoratioren richtete: "Wie wäre es, Lohne zu einer Cradle-to-Cradle-Stadt zu machen, in der die Gebäude die Luft und das Wasser reinigen?" Oder: "Wie wäre es? Wir machen hier ein Zentrum auf, in dem wir Folien für die Landwirtschaft herstellen und dazu CO2 aus der Atmosphäre verwenden. Ich schicke Ihnen sofort 100 junge Leute, die mitmachen."

Aktive junge Leute waren derweil bereits zahlreich im Lohneum vertreten. Dabei handelte es sich um die Gewinner des diesjährigen Schülerpreises Oldenburger Münsterland, verliehen vom Heimatbund. Ausgezeichnet wurden:

Liste der neun ausgezeichneten Schülerprojekte

  • Schülerfirma „Honig im Topf“ der Handelslehranstalten Lohne, die sich einen Bienenstock angeschafft hatte und den Honig demnächst zum Verkauf anbietet
  • Klasse 12 (Gesundheit und Soziales) der Berufsbildenden Schulen am Museumsdorf Cloppenburg für die Projektarbeit „Entwicklungsperspektiven landwirtschaftlicher Familienbetriebe in der Region Südoldenburg am Beispiel des Betriebs Menke“
  • Theresa Barlage, Lea Bergfeld, Susanne Block, Nadine Bruns und Emma Rolfsen vom Albertus-Magnus-Gymnasium Friesoythe (AMG) für das Projekt „Historischer Lehrpfad um das AMG“
  • Charlotte Lübbers vom Copernicus-Gymnasium Löningen für ihre Facharbeit „Musik erleben - Emotionen und Erinnerungen, Bedeutung und Instrumentalisierung von Musik zur Zeit des Nationalsozialismus“
  • Anna Beckermann vom Gymnasium Damme für ihre Facharbeit „Die Aufnahme von Heimatvertriebenen im Rahmen des Zweiten Weltkriegs in Holdorf“
  • Klasse 11b der Fachoberschule Wirtschaft und der Bankklasse WBA1 der Handelslehranstalten Lohne für das Projekt „Photovoltaikanlage - wir erzeugen unseren eigenen Strom“
  • Friedrich Arling, Franziska Lüske, Hannah Otten, Johannes Südkamp und Luisa Ostmann vom Wirtschaftsgymnasium BBS am Museumsdorf Cloppenburg für die Projektarbeit „Die Corona-Krise: Ein Katalysator für die Digitalisierung im Oldenburger Münsterland?“
  • Jann Reiners vom Albertus-Magnus-Gymnasium Friesoythe für die Facharbeit „Far from home he died (Weit weg von Zuhause starb er)" über einen kanadischen Soldaten, der 1945 in Friesoythe gefallen war
  • Klasse 12b der Fachoberschule Wirtschaft sowie Schülervertretung der Handelslehranstalten Lohne für das Projekt „Plastiklos - Alternativen zu Plastikprodukten“
  • Christoph Thomann vom Albertus-Magnus-Gymnasium Friesoythe für seine Facharbeit „(K)ein herber Verlust für die dörfliche Alltagsstruktur? Zum Aussterben der Dorfkneipen anhand ausgewählter Beispiele aus dem Nordkreis“.

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