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Wie Videoarbeit in Kitas die Entwicklung von Kindern fördern könnte

Es handelt sich um eine ressourcenorientierte Methode zur Qualitätssicherung der pädagogischen Arbeit. Erzieherinnen, Eltern und Kinder sollen profitieren. Der Fokus liegt auf den Stärken des Kindes.

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Achtung, Kamera! Diplom-Sozialpädagogin Helga Reekers (links) hat Erzieherinnen aus dem Oldenburger Münsterland in der ressourcenorientierten Videoarbeit geschult. Foto: Timphaus

Achtung, Kamera! Diplom-Sozialpädagogin Helga Reekers (links) hat Erzieherinnen aus dem Oldenburger Münsterland in der ressourcenorientierten Videoarbeit geschult. Foto: Timphaus

Die Arbeit von Erzieherinnen in Kindertagesstätten hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt. Die pädagogischen Fachkräfte müssen heute in der Lage sein, ganzheitlich einen kindgerechten und bildungsorientierten Alltag zu gestalten. Die Dokumentation der Entwicklungsprozesse nimmt einen hohen Stellenwert ein.

Ob Sprachbildung und Sprachförderung, die Zusammenarbeit mit den Eltern oder die Interaktion mit den weiteren Erzieherinnen der Einrichtung: Die Aufgaben sind vielfältig. Zur Qualitätssicherung der pädagogischen Arbeit werden in immer mehr Kitas seit einiger Zeit auch Videoaufnahmen eingesetzt. 

Was es damit auf sich hat, kann Helga Reekers erklären. Die Diplom-Sozialpädagogin aus Osnabrück ist Referentin und Supervisorin der Deutschen Gesellschaft für videogestützte Beratung (DGVB) des europäischen Netzwerks SPIN. Sie organisiert Fort- und Weiterbildungen zur ressourcenorientierten Videoarbeit in Kitas, unter anderem für das Niedersächsische Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung (Nifbe).

Es geht um einen neuen Blick aufs Kind

Jüngst hatte der Landes-Caritasverband Oldenburg eine zweiteilige modulare Weiterbildung unter der Leitung von Reekers angeboten, an der Erzieherinnen aus dem Oldenburger Münsterland teilnahmen. Im Pfarrheim St. Josef in Lohne erhielten die Frauen zum Abschluss ein Zertifikat als Video-Mentorin Nifbe. Sie sind somit befähigt, Videoanalysen in Kitas selbstständig durchzuführen und diese in der Beratung mit Kolleginnen, Eltern sowie in der interdisziplinären Zusammenarbeit lösungsorientiert und aktivierend zu nutzen.

Laut Reekers können Videoaufnahmen zielgerichtet eingesetzt werden, "um den ressourcenorientierten Blick zu schulen und zu schärfen sowie eine wohlwollende und wertschätzende Grundhaltung einzunehmen oder weiter auszubauen". Nach ihren Angaben geht es um einen Perspektivenwechsel, einen neuen Blick aufs Kind.

"Es geht darum, was das Kind für seine Entwicklung braucht."Helga Reekers, Referentin und Supervisorin der Deutschen Gesellschaft für videogestützte Beratung (DGVB) des europäischen Netzwerks SPIN

Entwicklungsstände der Heranwachsenden werden demnach mithilfe von Videoaufnahmen ermittelt. Um eine bestmögliche Förderung zu erreichen, können die Videosequenzen im Kontakt mit Eltern, Kindern, Erzieherinnen und weiteren Fachdisziplinen genutzt werden. "Dies geschieht in einer zielgerichteten und aktivierenden Art und Weise", sagt Reekers. Sie betont den wohlwollenden, wertschätzenden und ressourcenorientierten Ansatz der Methode.

Wie muss man sich die Videoarbeit vorstellen? Die Kinder werden – natürlich nach vorheriger Zustimmung der Eltern – im Alltag gefilmt: bei der Eingewöhnung, während der Mahlzeiten oder im Freispiel. Jede Situation sei prinzipiell geeignet, sagt eine Teilnehmerin im Abschlusskolloquium. Die Analyse der Sequenzen sei zunächst auf die Stärken des Kindes bezogen. Erst im zweiten Schritt würden eventuelle Auffälligkeiten oder Entwicklungsver­zögerungen herausgearbeitet.

"Es geht darum, was das Kind für seine Entwicklung braucht", sagt Reekers. Nach der Analyse könne das pädagogische Handeln darauf ausgerichtet werden. In Elterngesprächen machten die Erzieherinnen indes auch ihre eigene Arbeit präsent. "Gleichzeitig erhalten die Eltern einen neuen Blickwinkel auf ihr Kind", erläutert eine Teilnehmerin. 

Das Selbstwertgefühl der Kinder wächst

Auch die Kinder selbst profitierten vom Anschauen der Videoaufnahmen. "Wenn ein Kind sieht, was es alles schon kann, wächst der Glaube an die eigenen Fähigkeiten", sagt Reekers. Die Heranwachsenden würden sich ihres eigenen Handelns bewusst, ihr Selbstwertgefühl wachse. Hierfür sei es wichtig, den Fokus auf positive Eigenschaften, Verhaltensweisen und Situationen zu richten.

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