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Wie Sitzbänke im Notfall Leben retten können

In einem medizinischen Notfall ist die genaue Standortbestimmung für die Rettungskräfte entscheidend. Darum hat sich die Gemeinde Garrel etwas einfallen lassen.

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Durchnummeriert: Die Zahl "100" gibt den exakten Standort der Bank an, in diesem Fall: das Garreler Rathaus.  Foto: Hoff

Durchnummeriert: Die Zahl "100" gibt den exakten Standort der Bank an, in diesem Fall: das Garreler Rathaus.  Foto: Hoff

Lange Spaziergänge, intensive Radtouren oder die eine oder andere Jogging-Einheit durch die Natur, um Ruhe und Abstand vom Alltag zu gewinnen. Doch was ist, wenn man vom Rad stürzt oder man plötzlich eine Herzattacke mitten "in der Pampa" erleidet? Der Notruf per Handy ist zwar schnell gewählt, aber wie lässt sich eine Stelle, beispielsweise im Garreler Kammersand, genau beschreiben, damit die Rettungskräfte bei medizinischen Notfällen schnell vor Ort sind? Denn im schlimmsten Fall können Minuten über Leben und Tod entscheiden.

Diese Fragen haben sich auch Garrels Bürgermeister Thomas Höffmann und Peter Krichbaum, seinerzeit noch in seiner Funktion als Seniorenbeauftragter, gestellt. "Ich habe im Saterland sogenannte Notrufplaketten gesehen, die auf Sitzbänken angebracht waren", berichtet der Verwaltungschef. Daraufhin habe er Krichbaum von den Schildern erzählt, der sofort Feuer und Flamme für die Idee war und den Seniorenbeirat Saterland kontaktierte, um sich die notwendigen Informationen einzuholen.

Um im gesamten Garreler Gemeindegebiet für mehr Sicherheit bei solchen Notfälle zu sorgen, werden jetzt sukzessive alle bestehenden Sitzbänke in sogenannte Notrufbänke umgerüstet. Bedeutet: Jede Bank erhält ein gelbes Hinweisschild, auf dem neben der Aufschrift "Im Notfall 112 anrufen" eine eigene, spezifische Nummer steht. Die Bänke auf dem Rathausplatz sind beispielsweise mit der Zahl "100" versehen. Diese Zahl bezieht sich auf die geografischen Koordinaten (GPS-Koordinaten), die den exakten Standort der Bank kennzeichnen. Auf diese Weise kann der Rettungsdienst den Einsatzort sofort und ganz genau lokalisieren, wenn sich der Hilfesuchende im Bereich der Bank befindet.

Für die genaue Standortbestimmung: Thomas Höffmann (von links), Manuel Garwels, Christian Kruthoff und Peter Krichbaum freuen sich, dass jetzt sukzessive die Notrufplaketten angebracht werden. Foto: HoffFür die genaue Standortbestimmung: Thomas Höffmann (von links), Manuel Garwels, Christian Kruthoff und Peter Krichbaum freuen sich, dass jetzt sukzessive die Notrufplaketten angebracht werden. Foto: Hoff

Die Kosten übernimmt die Gemeinde Garrel

"Die Daten sind bei der Einsatzstelle in Oldenburg nach dem Gauß-Krüger-System hinterlegt", klärt Krichbaum auf. "Wenn ich den Notruf gewählt habe und dann als Standort ‚Garrel 100‘ durchgebe, wissen die Einsatzkräfte sofort, dass ich mich in der unmittelbaren Nähe des Garreler Rathauses aufhalte."

Die größte Herausforderung des Projekts sei gewesen, die entsprechenden Bänke ausfindig zu machen und zu erfassen, erzählt Krichbaum. Etwa einen Monat habe er gebraucht, bis er jede Bank im Gemeindegebiet ausfindig gemacht habe. "Ich habe Garrel und seine Bauerschaften richtig intensiv kennenlernt, meine Frau und ich sind viele Strecken mit dem Fahrrad abgefahren, wir waren auf jedem Spielplatz und haben nahezu jede Straße abgesucht", erzählt Krichbaum. Mehr als 220 Bänke stehen nun auf der Liste. Dabei habe er auch welche entdeckt, die in keinem guten Zustand waren. Nicht alle Sitzgelegenheiten gehören der Gemeinde, einige wurden auch von Vereinen und Ortsgruppen aufgestellt. Nummeriert und mit den entsprechenden gelben Plaketten versehen, werden aber alle.

In den kommenden Wochen und Monaten werden Gemeindemitarbeiter die Notrufschilder nach und nach an den Bänken anbringen, "20 Prozent sind schon geschafft", berichtet Christian Kruthoff, Leiter des Garreler Bauhofes. Dabei müsse berücksichtigt werden, aus welchem Material die Bank besteht, ob aus Metall, Holz oder Plastik, weil jeweils eine andere Befestigungsform gewählt werden müsse. Die Kosten übernimmt die Gemeinde, "2500 Euro zahlen wir für die Schilder", sagt Bauamtsmitarbeiter Manuel Garwels. Auch an der Talsperre soll die Idee umgesetzt werden.

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