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Wie Selbsthilfegruppen gemeinsam schwierige Zeiten meistern

Selbsthilfegruppen präsentieren ihr Buch „So stark sind wir“ im Kreishaus Vechta. Das Projekt soll die Gruppen stärker in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken.

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Las aus ihrem Erfahrungsbericht: Monika Gerhards. Sie ist selbst Leiterin einer Selbsthilfegruppe und berichtete aus ihrer Perspektive, welchen Einfluss die Pandemie hatte.  Foto: Stilkenböhmer

Las aus ihrem Erfahrungsbericht: Monika Gerhards. Sie ist selbst Leiterin einer Selbsthilfegruppe und berichtete aus ihrer Perspektive, welchen Einfluss die Pandemie hatte.  Foto: Stilkenböhmer

Gemeinsam ist man stark: Davon erzählte auch die Buchpräsentation des Projektes mit dem Namen „So stark sind wir – Teilnehmende aus Selbsthilfegruppen schreiben über sich und ihre Gruppen in Corona-Zeiten“ am Samstag im Kreishaus Vechta.

Die gemeinsame Aktion stützt sich auf das Engagement der Kontakt- und Beratungsstelle Selbsthilfe des Landes-Caritasverbandes für Oldenburg und des Geest-Verlags Langförden unter Alfred Büngen. Die Lokalität stellte Landrat Tobias Gerdesmeyer zur Verfügung.

Nach einer musikalischen Eröffnung durch Rosie Schröder, Waltraud Twiesel und Anne Vornhusen startete Kerstin Willenbrink als Vertreterin des Caritasverbandes den offiziellen Part der Veranstaltung und lobte ebenso die Aktion des NDR, „Hand in Hand für Norddeutschland“, die das Buchprojekt finanziell ermöglicht hat. „Gemeinsam haben wir es bis hierhin geschafft und werden auch weiterhin zusammenhalten“, stellt Willenbrink fest. Mittlerweile habe man verstanden, dass die Pandemie nicht so schnell vorübergehe. Es wurden daher andere Wege der Kommunikation gefunden: Durch digitale Medien wurden neben Anrufen auch Videokonferenzen gestartet oder Messenger genutzt.

Ein Projekt, das mit seiner Ehrlichkeit Mut machen soll

„Das gegenseitige Unterstützen und Helfen finde ich großartig“, fasst Willenbrink zusammen. Die Teilnehmer des Projekts schrieben während der Gruppenstunden, allein oder auch in organisierten Workshops ihre Texte für das Buch zusammen.

Die Erfahrungsberichte fallen dabei so vielfältig aus wie ihre Verfasser unterschiedlich sind. Verschiedene Perspektiven und ehrliche Einblicke in die Lebenswelt des Einzelnen sind im Buch zu finden. Im Publikum saßen unter anderem Teilnehmer der Selbsthilfegruppen für Suchtkranke, Hörgeschädigte und Depressionen. Die Redner hatten vor allem ein übergeordnetes Ziel: Man möchte das Konzept von Selbsthilfegruppen mehr in die Öffentlichkeit tragen und aufklären.

Landrat Tobias Gerdesmeyer nennt es „ein Mutmach-Projekt“, das auf die über 75 aktiven Selbsthilfegruppen im Landkreis Vechta aufmerksam machen soll. Ihm ist wichtig, Menschen in schwierigen Lebenssituationen zu verdeutlichen, dass sie nicht allein sind und es neue Hoffnung und Zuversicht in Selbsthilfegruppen gibt. Die katholische Kirche als Partner in diesem Projekt wird noch einmal besonders gelobt. „Ich bin froh, dass es im Landkreis Vechta Menschen gibt, die sich um andere kümmern, sodass man nicht nur anonym weiterleben muss.“

Aufeinander achtgeben

Durch die Ehrlichkeit der Autoren entsteht eine einzigartige Collage. Einige Teilnehmer lasen aus ihren eigenen Texten vor, darunter Monika Gerhards, Gruppenleiterin des Kreuzbundes für Suchtkranke und deren Angehörige: „Durch Corona hatte die Einsamkeit begonnen, zu wüten. Die Einschränkungen trafen dann auch irgendwann die Selbsthilfegruppen.“ Dies heiße in der Selbsthilfe bei Süchtigen vor allem regelmäßige Treffen, sie seien essenziell, um den Weg in ein normales Leben gehen zu können. „Seit 20 Jahren gehöre ich dem Kreuzbund an, seit 18 Jahren bin ich abstinent“. Sie habe sich dort direkt verstanden und aufgehoben gefühlt. Man habe auch während der Kontaktbeschränkungen aufeinander achtgegeben, für eine Teilnehmerin war während ihrer Quarantänezeit eingekauft worden, einem anderen wurde vor und nach mehreren Operationen Mut zugesprochen.

Grußworte des Schirmherrn, Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), und des Vechtaer Weihbischofs Wilfried Theising durften nicht fehlen. Weil zeigt sich beeindruckt von dem unermüdlichen Einsatz für die Selbsthilfe und betonte die Bedeutung der Selbsthilfegruppen für das Gemeinwesen und für das Individuum. Er empfiehlt allen Interessierten die Lektüre. Sie sollten das Buch auf sich wirken lassen.

Auch Theising freut es, dass sich Teilnehmende der Selbsthilfegruppen zusammengeschlossen haben und von ihren Erfahrungen berichteten. Gerade sie hätten durch die Pandemie leiden müssen, da die Gruppen von Gemeinschaft und regelmäßigen Begegnungen leben würden. Das fertiggestellte Buch soll Mut machen, sich bei Bedarf einer Selbsthilfegruppe anzuschließen.

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