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Wie kann Bakum seniorengerechter werden?

Menschen über 60 wollen zeitlich flexibel bleiben und haben ein großes Interesse an modernen Technologien. So das Ergebnis einer Befragung der Selbstgestalter in der Gemeinde.

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Kein unbekanntes Terrain: Seniorinnen und Senioren in Bakum nutzen zum größten Teil die Möglichkeiten des Internets bereits. Sie wünschen sich aber mehr Angebote, um sich dahingehend weiterzubilden. Foto: dpa/Kalaene

Kein unbekanntes Terrain: Seniorinnen und Senioren in Bakum nutzen zum größten Teil die Möglichkeiten des Internets bereits. Sie wünschen sich aber mehr Angebote, um sich dahingehend weiterzubilden. Foto: dpa/Kalaene

Auch in Bakum wird es künftig immer mehr Menschen geben, die über 60 Jahre alt sind. Auf diese Entwicklung muss sich eine Kommune vorbereiten. Darauf machte Janine Devers vom Team der Selbstgestalter (Sozialstation Nordkreis Vechta) die Mitglieder des Ausschusses für Jugend, Familie und Demografie während ihrer jüngsten Sitzung aufmerksam. Im vergangenen Jahr startete deshalb ein Projekt in Bakum – gefördert vom Land Niedersachsen sowie von der Sozialstation –, um Strukturen für eine entsprechende Altenhilfe aufzubauen. Zu diesem Zweck wurde im Juli eine Bürgerbefragung zu den Bedürfnissen von Seniorinnen und Senioren durchgeführt, dessen Ergebnisse die Gerontologin nun vorstellte.

Insgesamt wurden 1494 Fragebögen an Bakumerinnen und Bakumer über 60 Jahre verschickt. 189 Personen füllten diese letztlich aus. Das entspricht einer Rücklaufquote von 12,6 Prozent. Nichtsdestoweniger seien die Ergebnisse repräsentativ, erklärte Janine Devers, da Personen in allen Lebensphasen erreicht worden seien. Die Befragungsteilnehmenden seien in ihren Merkmalen ein verkleinertes, aber sonst wirklichkeitsgetreues Abbild der Grundgesamtheit. Schwerpunkte waren die Themenfelder soziale Netzwerke, Rente und Freizeit sowie Technik und Information.

Ältere wollen flexibel bleiben

Bei der Frage nach den sozialen Netzwerken stellte sich heraus, dass das Wohnen mit mehreren Generationen auch in Bakum immer seltener wird. Zwar sei es den Seniorinnen und Senioren wichtig, Zeit mit der Familie zu verbringen. Das fokussiere sich aber vor allem auf das Wochenende. Werktags werde die meiste Zeit alleine verbracht. Devers empfahl deshalb, dass freundschaftliche und nachbarschaftliche Kontakte insbesondere werktags erhalten beziehungsweise aufgebaut werden sollten. Sogenannte Verantwortungsgemeinschaften, in Form von beispielsweise organisierter Nachbarschaftshilfe, sollten gestärkt werden.

Die Befragung hat während der Corona-Pandemie stattgefunden, stellte Siegfried Böckmann (SPD) fest. Habe das nicht Einfluss auf die Antworten gehabt? Janine Devers verneinte. Es seien auch gezielt Corona-Fragen eingebaut worden. Außerdem zeige ein Vergleich mit Befragungen, die vor der Pandemie in anderen Kommunen durchgeführt wurden, dass sich ein vergleichbares Bild ergibt.

Darüber hinaus zeigen die Ergebnisse, dass sich viele einen Tagesablauf, wie sie ihn aus dem Berufsleben kennen, auch im Rentenalter erhalten. Zum einen seien viele der Befragten noch berufstätig beziehungsweise haben einen Nebenjob, zum anderen legen die Seniorinnen und Senioren sich ihre Verpflichtungen vorzugsweise in den Vormittag, getreu dem Motto „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“, wie Janine Devers sagte. Ihre Freizeit gestalten die Befragten lieber frei, Vereinstätigkeiten und Ähnliches nehmen weniger Raum ein, auch wenn 60 Prozent der Befragten angaben, Mitglied in einem Verein zu sein. Devers erklärte, dass die Seniorinnen und Senioren viel Wert auf ihre individuellen Entfaltungsmöglichkeiten legten. Es gebe eine große Scheu, eine neue Verpflichtung zu übernehmen, auch wenn durchaus Interesse daran bestehe, sich beispielsweise ehrenamtlich einzubringen.

Großes Interesse an neuen Medien

Deshalb sollten offene Teilnahmemodelle gefördert werden, sagte Janine Devers, die keiner langfristigen Bindung bedürfen. Es brauche mehr niedrigschwellige Angebote für gemeinsame Treffen. Um die Älteren für das Ehrenamt zu gewinnen, könnte es helfen, die Strukturen dafür zu flexibilisieren. Die bereits vielfältigen Möglichkeiten, sich in Bakum zu engagieren, sollten sichtbar gemacht werden. Christian Behnen (Grüne) schloss daraus, dass die Vereinsvorstände sich angesprochen fühlen sollten. Offensichtlich gebe es in der Generation über 60 ein großes Potenzial.

Groß ist das Interesse der Befragung zufolge an Veranstaltungen zum Thema „Neue Medien“. Rund 80 Prozent nutzen das Internet bereits. Zwei Drittel der befragten Bakumerinnen und Bakumer haben Smartphones. Das zeigt: Die Generation über 60 sei keinesfalls medial abgehängt, sondern neugierig auf mehr, erläuterte Janine Devers. Damit gehen die Seniorinnen und Senioren auch in die richtige Richtung. Denn Medienkompetenz sei der „Schlüssel für ein weitestgehend selbstbestimmtes Leben zu Hause bis in hohe Alter“, so Devers. Bislang werde aber die Unterstützung dahingehend fast nur familiär organisiert. In der Befragung wurde deshalb vielfach der Wunsch nach niedrigschwelligen Hilfen geäußert. Dies sollte auch fokussiert werden, indem entsprechende Anlaufstellen geschaffen werden. Das schon vorhandene Angebot „Smartes Café“ sei beispielsweise schon gut angenommen worden, ließ Devers wissen. Die Bakumerinnen und Bakumer sollten weiterhin für die „Benefits moderner Technologien“ sensibilisiert werden.

Umfrage mit Leerstelle

Siegfried Böckmann interessierte sich darüber hinaus für sozial schwache Seniorinnen und Senioren. Er habe den Eindruck, dass in der Befragung die Menschen ausgegrenzt wurden, die „am Rand stehen“. Seien diese überhaupt befragt worden? Das gehe aus der Befragung tatsächlich nicht hervor, gab Janine Devers zu, da beispielsweise nach dem Haushaltseinkommen nicht gefragt wurde. Anderseits gehe auch nicht hervor, dass großes Interesse am Themenbereich Finanzen bestehe. Überdies könne soziale Erwünschtheit das Bild verfälschen. Viele Menschen würden beispielsweise nicht zugeben, dass sie sich als arm empfinden.

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