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Wie fühlen sich Menschen mit Demenz?

Die Malteser haben sich einen Simulations-Parcours angeschafft. Diesen nutzte nun auch die Pfarrgemeinde St. Catharina in Dinklage. Das Ziel: das Thema Demenz mehr in die Öffentlichkeit rücken.

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Ein Thema für Erkrankte und Angehörige: Millionen Menschen in Deutschland leben mit Demenz – Tendenz steigend. Foto: pixabay

Ein Thema für Erkrankte und Angehörige: Millionen Menschen in Deutschland leben mit Demenz – Tendenz steigend. Foto: pixabay

1,6 Millionen Menschen in Deutschland leben nach Angaben der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft mit Demenz – Tendenz steigend. In der Öffentlichkeit werde über das Thema aber wenig gesprochen. Zu wenig, findet Hiltrud Espelage. Die Dinklagerin ist bei den Maltesern im Offizialatsbezirk Referentin im „Begleitungsdienst für Menschen mit Demenz und Entlastungsdienst für deren Angehörige“. Espelage kennt sich mit dem Thema also aus. Sie habe sich deshalb sehr gefreut, dass die katholische Pfarrgemeinde St. Catharina Dinklage sich dem Thema "Demenz" im Rahmen der „Woche für das Leben“ für ein paar Stunden in der Begegnungsstätte gewidmet habe, erzählt Espelage.

Und wie? Mit dem Demenz-Parcours, den sich die Malteser im Offizialatsbezirk vor einigen Jahren angeschafft haben. An diesem Simulator sollen die Teilnehmer 13 alltägliche Situationen – vom Anziehen, Frühstücken und Einkaufen über das Autofahren, die Hausarbeit und das Abendessen – so erledigen, wie es sich auch für Menschen mit Demenz anfühlen kann, nämlich häufig unter großer Kraftanstrengung. Die Aufgaben im Parcours wurden immer unter der Beobachtung von den Mitarbeitern der Malteser ausgeführt, die „netten Druck“ (Espelage) ausüben. Für die Teilnehmer solle nämlich „ein Gefühl entstehen, das nicht gut ist“, erklärt die Malteserreferentin Espelage. So wie es Menschen mit Demenz empfinden können, wenn sie von Angehörigen (unbewusst) unter Druck gesetzt werden.

Bei dem Angebot gehe es laut Hiltrud Espelage nicht darum, festzustellen, ob die Beteiligten Demenz haben. Sondern darum, sich in die Situation eines an Demenz erkrankten Menschen hineinzuversetzen. Die Simulation solle Antworten auf die Fragen „Was geht in meinem Vater oder meiner Mutter vor?“, „Warum können sie auf einmal bestimmte Dinge nicht mehr?“, „Warum weiß jemand nicht, wo er sein Auto abgestellt hat?“ oder „Warum kämmt sich mein Opa mit der Gabel die Haare?“ bringen.

Einfach Sonne, Mond und Sterne malen? Das ist unter erschwerten Bedingungen gar nicht so leicht, wie Pastor Johannes Kabon – beaufsichtigt von Hiltrud Voßmann – merkte. Foto: MalteserEinfach Sonne, Mond und Sterne malen? Das ist unter erschwerten Bedingungen gar nicht so leicht, wie Pastor Johannes Kabon – beaufsichtigt von Hiltrud Voßmann – merkte. Foto: Malteser

Die Teilnehmerzahlen auf den Demenz-Parcours waren überschaubar, die Resonanz gleichwohl sehr gut, fand Hiltrud Espelage, die die Veranstaltung zusammen mit ihren Kolleginnen Oberin Hiltrud Voßmann und Insa Kanne-Hunfeld organisiert hatte. Viele Teilnehmer hätten berichtet: „Wenn ich vorher gewusste hätte, wie sich Menschen mit Demenz fühlen, dann wäre ich in einigen Situationen nicht so sauer gewesen.“ Auch der katholische Pastor Johannes Kabon absolvierte in der Begegnungsstätte den auf sechs Stationen etwas abgespeckten Parcours und merkte, wie schwierig es sein kann, Sonne, Mond und Sterne zu malen, wenn man das Blatt nicht sieht.

Für Hiltrud Espelage ist diese Botschaft wichtig: „Wenn Menschen mit Demenz etwas machen, das nicht gewöhnlich ist, dann machen sie das nicht extra“, sagte die Malteserreferentin und nennt dieses Beispiel: „Wenn jemand eine Wurst oder eine Frikadelle mit der Hand statt mit Messer und Gabel isst, dann sollten wir das einfach akzeptieren.“ Demenz sei „die Krankheit der Angehörigen“, meint Espelage. Der Erkrankte lehre den Angehörigen den Umgang damit – nicht andersherum. Auch deshalb sei es so wichtig, das Thema permanent in den Fokus zu rücken.


  • Info: Wer den Demenz-Parcours von den Maltesern ausleihen möchte, wendet sich an Hiltrud Espelage. Telefon 04441/ 9250133, hiltrud.espelage@malteser.org

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