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Wie ein Smartphone der blinden Destiny helfen soll

Seit ihrer Geburt ist die 11-Jährige aus Lohne blind. Zu Weihnachten gab es mithilfe des Lohner Jugendtreffs ein Smartphone für sie. Der Alltag soll damit für Destiny einfacher werden.

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Glücklich: Destiny Ojiugo (Mitte) konnte kurz vor Weihnachten ihr neues Smartphone in den Händen halten. Ihre Mutter Debora Akanno und Schwester Devine Ojiugo freuen sich mit ihr. Foto: Jugendtreff/Gottmann

Glücklich: Destiny Ojiugo (Mitte) konnte kurz vor Weihnachten ihr neues Smartphone in den Händen halten. Ihre Mutter Debora Akanno und Schwester Devine Ojiugo freuen sich mit ihr. Foto: Jugendtreff/Gottmann

Auf eine WhatsApp-Nachricht antworten, das Foto der Freundin anschauen oder ein Selfie machen. Alles kein Problem – wenn man sehen kann. Für Blinde gestaltet sich die Bedienung eines Smartphones deutlich komplizierter. Doch kann es mit richtiger Technik für sie zu einem wirklichen Hilfsmittel werden.

Destiny Ojiugo ist 11 Jahre alt und lebt mit ihrer Familie in Lohne. Destiny ist seit ihrer Geburt an blind. Die Schülerin ist immer auf die Hilfe anderer angewiesen. Vor allem auf die ihrer Familie. Eine wichtige Hilfe für sie soll jetzt ein rotes Smartphone werden. Ein Smartphone für ein Stück mehr Selbstständigkeit im Leben der 11-Jährigen.

Seit sechs Jahren wird Destinys Familie vom Lohner Jugendtreff betreut. Die Familie ist ursprünglich aus dem Land Togo in Afrika nach Deutschland gekommen. Im Rahmen des Projekts "Kinder brauchen eine Familie" des Lohner Jugendtreffs sind Jugendpfleger Paul Sandmann und seine Kollegen in Kontakt mit der Familie gekommen. 

Destiny geht auf ein Internat für Blinde in Hannover

Sandmann und seine Kollegen halfen der Familie im Laufe der Jahre, einen Platz an einer Blindenschule in Hannover für die 11-Jährige zu bekommen. In dem Internat können blinde Schülerinnen und Schüler gezielter unterstützt werden. Dazu gehört auch, dass den Mädchen und Jungen gezeigt wird, wie sie ihren Alltag leichter bewältigen können.

Eine Hilfe kann dabei das Smartphone sein. Mithilfe der Funktion "Voice Over" kann etwa auf Apple-Geräten der Bildschirminhalt vorgelesen werden. Geräusche und haptische Signale unterstützen dabei. Blinde Menschen haben somit die Möglichkeit sich auf dem Smartphone zurechtzufinden. 

Das Smartphone kann auch konkret im Alltag der Blinden unterstützen. Texte können per Spracheingabe diktiert werden. Alternativ können Texte auch mithilfe der Blindenschrift gelesen werden. Neueste Smartphones können zudem beschreiben, was auf einem Bild oder vor der Kameralinse zu sehen ist. Das Smartphone kann somit helfen, einem Blinden die Welt der Sehenden sichtbarer zu machen.

Finanzierung des Smartphones bereitete Probleme

Destinys Wunsch war darum seit längerem, solch ein Smartphone zu besitzen. Auch ihre Schule wollte gerne mit ihr an einem solchen Gerät arbeiten. Das Problem: Ein Smartphone, das über die nötigen Funktionen verfügt, kostet schnell mit Zubehör 1000 Euro. Geld, das Destinys Familie nicht einfach übrig hat.

Von ihrem Wunsch erzählte Destiny Paul Sandmann und seinen  Kollegen. Sandmann wollte helfen. "Für mich ist es wichtig, zu schauen, wie ist es jetzt und wie kann ich die Situation verbessern", sagt der Jugendpfleger. Doch 1000 Euro für ein Smartphone aufzutreiben, das war auch für Sandmann nicht ganz einfach.

Leitet den Lohner Jugendtreff: Jugendpfleger Paul Sandmann. Foto: J. ScholzLeitet den Lohner Jugendtreff: Jugendpfleger Paul Sandmann. Foto: J. Scholz

Zwar unterstützt der Lohner Jugendtreff jedes Jahr mit der Wunschzettelaktion etliche Lohner Familien, doch würde dieser Wunsch den Rahmen der Aktion sprengen, betont Sandmann. Eine andere Lösung musste her.

Was wäre denn, wenn alle Mitarbeiter des Lohner Jugendtreffs auf ihren monatlichen Tankgutschein in Höhe von 44 Euro im November verzichten, um so Geld zu sammeln? Sandmann schlug dies seinen Kollegen vor. Die Bereitschaft zu helfen sei sofort da gewesen. Mit der Unterstützung zusätzlicher Ehrenamtlicher seien die 1000 Euro für das iPhone 13 schnell zusammengekommen. 

Destiny und ihre Familie waren überwältigt von dem Geschenk

Kurz vor Weihnachten konnte der Jugendtreff Destiny und ihrer Familie ein großes Weihnachtsgeschenk machen. Destiny sei total überwältigt gewesen, schreibt ihre Mutter Debora Akanno in einer Dankesnachricht an den Jugendtreff. 

Möglich war die Hilfe nur dank der Bereitschaft der Mitarbeiter des Jugendtreffs, betont Sandmann. "Einer alleine kann sich um so etwas nicht kümmern." Groß war laut Sandmann auch die Unterstützung der Lohner bei der Wunschzettelaktion. Über 500 Wünsche konnten in diesem Jahr erfüllt werden. Die Freude bei den beschenkten Kindern sei an Weihnachten riesig gewesen.

Bis Destiny ihr neues rotes Smartphone bedienen kann, wird es sicherlich eine Weile dauern. Laut Blindenverbänden sei das zu vergleichen mit dem Erlernen einer neuen Sprache. Am Ende – so die Hoffnung – soll das Smartphone die Welt für die 11-Jährige aber ein Stück leichter machen. 

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