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Wie ein Rentner ganz allein das Plastikproblem löst

Kolumne: Das Leben als Ernstfall –  In Mehrfamilienhäusern quillen die Gelben Tonnen über, andernorts werden die Behälter nicht mal halbvoll. Wie wär's denn mit einer Müll-Börse?

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Der Ordnungssinn eines echten Südoldenburgers endet nicht an der Mülltonne, sondern umfasst auch deren Inhalt und sogar die Form des Behälters. Das Trennen der Abfälle ist ohnehin Ehrensache, damit zumindest die Verschiffung des Plastikmülls nach Asien nicht unnötig behindert wird und der Kunststoff nicht versehentlich in einer deutschen Verbrennungsanlage landet. Dann lieber eine ordentliche Portion Schweröl tanken und ab damit nach Fernost. 

Doch die Sorge eines Cloppenburger Frührentners gilt vor allem seinem ungenutzten Tonnen-Volumen. Fritz D. ist aufgefallen, dass die "Gelbe Tonne" daheim immer nur halb voll wird. Warum das den Pensionär so wurmt, blieb mir in einem langen Telefongespräch zwar unklar, da der Mann nach eigenen Angaben über ein ausreichend großes Grundstück verfügt, um ein halbes Dutzend Abfallbehälter außer Sichtweite seines Küchenfensters zu platzieren. Aber: Ordnung muss sein. Nur eine kleine Tonne passt zu seinem Müll. Basta! Also begann D. mit einem fernmündlichen Amtsgang durch alle Abfall-Instanzen.

Ein halbes Jahr lang telefonierte der Rentner abwechselnd mit dem Entsorgungsunternehmen und der Kreisbehörde. Die ratlosen Gesprächspartner baten um Bedenkzeit, da ihnen so ein Fall offenbar noch nie untergekommen war. Denn die große Tonne ist genauso teuer wie die kleine: Sie kostet nichts. Mehrfach wurde D. vertröstet: "Wir rufen zurück!" Bis Mittwoch. Da meldete sich der Entsorger mit einem Durchbruch: Die neue kleine Tonne steht bereit. Der Haken: Sie kostet 25 Euro. Einspruch des Rentners: Die sei doch kostenlos!

"Müllüberschuss muss nicht einsam machen, denn Müll ist die neue Börsen-Idee. Ein Cloppenburger macht's vor."Hubert Kreke

Ich meine: Den Trend zur Zweittonne darf sich der ordnungsliebende Cloppenburger durchaus etwas kosten lassen. Wenn die eigene Hose zu eng (oder zu weit) geworden ist, erstattet der Textilist schließlich auch nicht den Kaufpreis des Vorgängermodells, selbst wenn‘s ein Geschenk von Oma Bevern an ihren Enkel in Bakum war. Dem Abfallunternehmen würde die gebauchte große Tonne obendrein ein Entsorgungsproblem bereiten. Da die Firma grundsätzlich nur nagelneue Behälter ausliefert, bliebe die alte Großtonne auf dem Hof stehen. Hätte D. eine zu kleine Tonne, wär‘s einfacher: Nach dem Umtausch könnten die Mitarbeiter den Rückläufer einfach in einer großen Gelben Tonne an die Straße stellen und darauf warten, dass der Müllwagen sie abholt: Aus den Augen, aus dem Sinn.

Die bessere Lösung liegt auf der Hand, wenn man sich nur umschaut: Vor etlichen Mehrfamilienhäusern quellen die Gelben Tonnen über, weil sich mehrere Haushalte einen Behälter teilen müssen. Eine Freundin, die in so einem Block wohnt, bat mich neulich, ob ich ihr einen Sack Müll abnehmen und in meine Solo-Tonne stopfen könnte, die fast immer halb leer bleibt. Klar, mache ich. Das hat mich auf die Idee gebracht: Allen wäre mit einer privaten Müll-Börse geholfen: Die Solo-Tonnen-Besitzer nehmen gegen eine kleine Gebühr, vielleicht eine Tasse Kaffee, die Plastik-Überschüsse an und füllen endlich ihren Behälter bis an den Rand. Irgendwer müsste nur die Vermittlung übernehmen. Morgen ruf‘ ich Fritz D. an. Zeit genug hat er anscheinend ja.


Zur Person:

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