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Wie ein geforderter Handkuss einen 15-Jährigen ins Gefängnis bringen könnte

Der Jugendliche forderte von einem Bekannten ein theatralisches Zeichen der Reue. Der weigerte sich und kassierte dafür Prügel. In den Augen des Gerichts überschritt der 15-Jährige eine rote Linie.

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Symbolfoto: Bänsch

Symbolfoto: Bänsch

Wegen Betruges, Beleidigung, Fahrens ohne Fahrerlaubnis und Körperverletzung hat das Jugendgericht des Cloppenburger Amtsgerichtes am Donnerstag einen 15-Jährigen aus Cloppenburg zu 15 Monaten Jugendgefängnis verurteilt. Der junge Angeklagte ist dem Gericht bereits bestens bekannt – er gilt als Intensivtäter. Weil er zuletzt unter Bewährung stand und während dieser Zeit erneut straffällig wurde, konnte kein Auge mehr zugedrückt werden.

Der 15-Jährige hatte Polizeibeamte beleidigt und angegriffen. Damit nicht genug: Einer seiner älteren Kumpel hatte sich mit gefälschten Papieren ein Fahrzeug ausgeliehen, das dann der 15-Jährige fuhr. Dafür gab es reichlich Beweise: Gleich sechsmal wurde er geblitzt. Außerdem wurde er von der Kamera einer Tankstelle gefilmt – er hatte nach dem Tanken nicht bezahlt. Wegen dieser Taten stand der 15-Jährige im Mai 2022 vor Gericht.

Kleine Anzeichen der Besserungen reichten dem Gericht nicht bei dieser Anklage

Damals sah das Cloppenburger Jugendgericht von der Verhängung einer Jugendstrafe noch ab. Man wollte zunächst schauen, wie sich der Angeklagte entwickelt. Das kommt einer Art Vorbewährung gleich. Während dieser Zeit traf der 15-Jährige einen früheren Bekannten. Mit dem hatte er früher einmal Stress gehabt. Nun sollte sich der Bekannte entschuldigen und zum Zeichen der Reue die Hand des Angeklagten küssen.

Doch der Bekannte dachte gar nicht daran. Die Reaktion des 15-Jährigen: Es gab Prügel. Dem Gericht reichte das jetzt. Alle Vorwürfe und Anklagen wurden nun mit einer Jugendgefängnis-Strafe von 15 Monaten geahndet. Der Angeklagte hatte in letzter Zeit zwar Tendenzen der Besserung gezeigt und auch die Schule soll er mal wieder von innen gesehen haben, doch das reichte dem Gericht nicht, um dem 15-Jährigen noch eine Bewährungsstrafe zu geben. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.  Es ist zu erwarten, dass die Verteidigung Berufung einlegen wird.

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