Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Wie die Heimstatt ihren Bewohnern aus der Sprachlosigkeit hilft

Die Heimstatt Clemens-August will Menschen mit Sprachstörungen helfen. Methoden der "Unterstützten Kommunikation" gibt es viele. Pädagogin Doris Klosa stellt sie vor.

Artikel teilen:
Mit Daumenkinos Begriffe erklären: Die Flipbooks der „Talking Hands“ übergab Markus Avermann (Zweiter von rechts) im Beisein einiger Schüler an Leiterin Angelika Kürten Schlarmann (links) und die Kommunikationsbeauftragte Doris Klosa (rechts). Foto: Heimstatt

Mit Daumenkinos Begriffe erklären: Die Flipbooks der „Talking Hands“ übergab Markus Avermann (Zweiter von rechts) im Beisein einiger Schüler an Leiterin Angelika Kürten Schlarmann (links) und die Kommunikationsbeauftragte Doris Klosa (rechts). Foto: Heimstatt

Wer nicht spricht, hat es schwer, mit anderen Menschen in Verbindung zu treten. Weil das auf einige Bewohnerinnen und Bewohner der Heimstatt Clemens-August in Neuenkirchen-Vörden zutrifft, kommt dort die "Unterstützte Kommunikation" (UK) zum Einsatz. Dabei steht der Begriff UK für alle möglichen Kommunikationsformen, die Menschen mit einer begrenzten oder einer fehlenden Lautsprache helfen könne, sagt Lehrerin Doris Klosa.

Klosa ist seit 2020 die UK-Beauftragte der Heimstatt, zu der auch ein Internat für Kinder mit geistiger Behinderung gehört sowie Wohngruppen für Erwachsene. Manche ihrer Schützlinge hätten mit einer Sprachentwicklungsstörung oder Sprechstörung zu kämpfen, sagt Klosa. Und wie kann geholfen werden? Ein Ausweg aus der Isolation sei die Deutsche Gebärden-Sprache (DGS). Die sei etwa durch die „Gebärde der Woche“ immer präsent. Aktuell seien die Wochentage an der Reihe.

Auf dem "Therapad" wird mit Symbolen gelernt

Ein weiteres Utensil sei das „Therapad“, ein speziell programmiertes iPad, das über die Krankenkasse finanziert und individuell für jeden Nutzer eingerichtet werde. Kommuniziert werde über Symbole. Tippe der Nutzer dieses an, werde der passende Begriff abgespielt. Ganze Sätze könnten so zusammengebaut, gespeichert und bei Bedarf abgespielt werden. 

Und das klappt? Doris Klosa gibt ein Beispiel. Eine autistische Schülerin, die nicht spreche, sei neu in der Einrichtung gewesen. Über das iPad habe sie zunächst nur Musik gehört und Videos geschaut. Als einmal Pfannkuchen serviert wurden, habe sie das Gerät hervorgekramt, getippt und zur großen Überraschung der Betreuer den Satz erklingen lassen: „Darf ich noch von dem Pfannkuchen, ein bisschen“.

"Visualisierung" spielt wichtige Rolle

Wichtig sei auch die „Visualisierung“, erklärt Doris Klosa weiter. An sämtlichen Türen in der Schule zeigen Symbole, welche Aufgaben in dem jeweiligen Raum erledigt werden. Auch die Fotos der Angestellten prangen mit Namen an den Türen

Als sehr nützlich erweisen sich nach Worten Doris Klosas auch die „Talking Hands“. Das sei ein Kasten voller Flipbooks. Das seien kleine Daumenkinos, mit denen Begriffe erklärt werden. Sehr gut funktioniere auch der „Anybook Reader“, ein digitaler Vorlesestift. Mit der Spitze auf eingeklebte Chips bei Schaubildern gelegt, gebe der Stift die passende Vokabel aus. Sogar ein selbst erstelltes Fotoalbum der vergangenen Ferienfreizeit der Heimstatt-Schüler lasse sich so lesen.

"Wir müssen uns anstrengen, dass wir die sprachlosen Menschen verstehen, nicht umgekehrt." Doris Klosa, Pädagogin

Doris Klosa sagt, sie „brenne für die Unterstützte Kommunikation“ und sagt: „Das nimmt so viel Stress.“ Sei es mit dem „Ablaufplan“ für das Duschen oder mit leicht verständlichen Nachrichten, den Krieg in der Ukraine zu erklären. „Es gibt so viel, was dazugehört“, sagt die Pädagogin. Sie findet auch: „Wir müssen uns anstrengen, dass wir die sprachlosen Menschen verstehen, nicht umgekehrt.“

Lehrerin Doris Klosa zeigt, wie der digitale Vorlesestift funktioniert. Foto: EbenthalLehrerin Doris Klosa zeigt, wie der digitale Vorlesestift funktioniert. Foto: Ebenthal

Es sei zwar eine große Herausforderung für die Betreuer, sich mit den neuen Methoden vertraut zu machen. Aber: Es funktioniere. Der nächste Schritt: Es solle ein zweisprachiges Wörterbuch für die Schüler mit Migrationshintergrund entstehen. 

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Wie die Heimstatt ihren Bewohnern aus der Sprachlosigkeit hilft - OM online