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Wie die Dinklager Rettungsschwimmer den Heidesee in Holdorf sichern

Ehrenamtlich engagieren sich die DLRG-Mitglieder dort in ihrer Freizeit – nehmen sich teilweise Urlaub für den Einsatz auf der Wachstation. Eine Aufgabe mit Spaß – gleichzeitig voller Verantwortung.

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Lilly Schmidt (rechts) zieht Joana Wolke (links) auf das Rettungsbrett. Foto: Heinzel

Lilly Schmidt (rechts) zieht Joana Wolke (links) auf das Rettungsbrett. Foto: Heinzel

Eine Schwimmerin bewegt sich im Heidesee nicht mehr von der Stelle. Ihr Kopf ist nach hinten gedrückt. Keine wilden Gesten oder Hilferufe deuten auf die Notsituation von Joana Wolke hin. Die 18-Jährige droht zu ertrinken. „Ertrinken verläuft still“, sagt Julia Johannes, technische Leiterin Rettungsschwimmen bei der DLRG Dinklage. „Eine Person, die ertrinkt, hat für Gesten oder Hilferufe keine Kraft mehr, da sie ausschließlich damit beschäftigt ist, sich über Wasser zu halten.“

Mit dem Rettungsbrett soll Joana Wolke durch Lilly Schmidt ans Ufer gebracht werden. Eine kritische Situation. Denn die ertrinkende Person könnte sich an ihre Retterin klammern, mit der Folge, dass nun beide ertrinken könnten. Für diese Situation lernen und üben Rettungsschwimmer den Befreiungsgriff. Eines ist dabei klar: Um anderen effektiv helfen zu können, müssen sie ihre Eigensicherung in den Vordergrund stellen. Im Idealfall kommt es aber gar nicht so weit. Die ertrinkende Person klammert sich an das Rettungsbrett und wird durch eine Drehung desselbigen auf das Board gezogen und kann dann an Land gebracht werden.

Im Uferbereich bekommt Lilly Unterstützung durch Hanna Beimforde, mit der sie gemeinsam Joana aus dem Wasser trägt, anschließend untersucht und, sofern notwendig, eine Erstversorgung vornehmen wird. Das Ganze ist eine Übung am Heidesee in Holdorf. Die Dinklager Rettungsschwimmer sind dort zwischen dem 1. und dem 10. August für den Wachdienst zuständig.

Der bis zu 35 Kilogramm schwere Sanitätsrucksack verfügt über alle notwendigen Materialien für die Erstversorgung von hilfsbedürftigen Personen. Foto: HeinzelDer bis zu 35 Kilogramm schwere Sanitätsrucksack verfügt über alle notwendigen Materialien für die Erstversorgung von hilfsbedürftigen Personen. Foto: Heinzel

Die anfangs geschilderte Situation sei nur sehr schwer einzuschätzen, meint Joana Wolke, die Person könne sich schließlich auch nur entspannen. „Im Zweifel schauen und fragen wir nach“, sagt Julia Johannes. Die Entscheidung darüber liegt beim Wachführer. In diesem Fall bei Christian Johannes: „Der Wachführer muss spontan entscheiden, was die sinnvollste Variante ist.“ Prinzipiell gebe es drei Möglichkeiten: mit dem Boot, mit dem Rettungsbrett oder mit dem Gurtretter. Letzterer ist „wesentlich angenehmer und effektiver“ als die aus der Fernsehserie Baywatch bekannte rote Rettungsboje, so der Wachführer.

Für den Wachdienst brauchen sie mindestens fünf Mitglieder vor Ort, darunter zwei mit der Qualifikation zum Wach- und Bootsführer. Alle anderen benötigen ein Mindestalter von 16 Jahren, das Deutsche Rettungsabzeichen in Silber und die Basisausbildung Einsatzdienst. Die drei Übungsteilnehmerinnen erfüllen diese Anforderungen. „In Dinklage haben wir das Glück, eine junge und aktive Gruppe zu haben“, sagt Julia Johannes.

Die 1983 gegründete Ortsgruppe (OG) verfügt derzeit über fast 650 Mitglieder. Die Hälfte davon sind Kinder und Jugendliche. Ihre Hauptaufgaben sind das „Anfängerschwimmen“ und der „Wasserrettungsdienst“. Die OG hat zudem den Schwerpunkt Einsatztauchen. „Ein Taucheinsatz hat mit dem Einsatz auf der Wachstation prinzipiell nichts zu tun“, sagt Julia Johannes, selbst aktive Einsatztaucherin. Die Wachstation sollte zwischen dem 15. Mai und dem 15. September an den Wochenenden sowie während der Sommerferien zusätzlich unter der Woche besetzt sein.

Marten Herzog ist 21 Jahre alt und hat die Qualifikation als Bootsführer. In der Regel fährt er mit einem Bootsgasten und einem Rettungsschwimmer los.
Foto: Heinzel
Joana Wolke als ertrinkende Person, die versucht über Wasser zu bleiben.
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Bei der Ankunft am Einsatzort wird das Rettungsbrett umgedreht, um die Ertrinkende darauf ziehen zu können.
Foto: Heinzel
Die Ausgangslage: Jetzt gilt es das Rettungsbrett zu drehen und Joana Wolke (links) auf das Board zu ziehen.
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Die Drehung ist geschafft. Jetzt muss Lilly Schmidt (rechts) nur noch Joana Wolke längs auf dem Rettungsbrett positionieren und selbst wieder aufzusteigen, um danach ans Ufer zu paddeln.
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Das Aufsteigen auf das Rettungsbrett, nachdem die ertrinkende Person darauf untergebracht ist, erfordert Übung.
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Jetzt gilt es zurück ans Ufer paddeln, um die gerettete Person zu versorgen.
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Hanna Beimforde demonstriert bei Joana Wolke den Rettungsgriff.
Foto: Heinzel
Erstversorgung von Joana Wolke (liegend) am Ufer durch Hanna Beimforde (stehend) und Julia Johannes (knieend).
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Teil des Sänitätsrucksackes: Eine formbare Schiene aus Schaumstoff und einer Aluminiumplatte.
Foto: Heinzel

Ein Blick zum Flaggenmast der Wachstation gibt jedem Auskunft darüber: Weht dort die Fahne der Organisation, ist die Station besetzt. Weht zusätzlich eine kleinere rot-gelbe Flagge, ist es in Ordnung, ins Wasser zu gehen. Bei einer roten Flagge herrscht Badeverbot. Die DLRG sei primär für Notfälle da. Natürlich kümmere sie sich auch um Wespen-, Bienen- oder Sonnenstiche sowie Abschürfungen.

„Unsere Mitglieder nehmen sich dafür Urlaub.“Julia Johannes über den 10-tägigen Einsatz am Heidesee in Holdorf

Im Dienst sind sie dann in der Regel von 10 bis 20 Uhr, aber vor Ort die ganze Zeit. Über der Wachstation befinden sich genau für diesen Zweck Schlafräume. „Unsere Mitglieder nehmen sich dafür Urlaub“, berichtet Julia Johannes. Sie und ihr Mann Christian haben genau dies getan. Ihr Einsatz ist nach wie vor ein Ehrenamt ohne Bezahlung und Aufwandsentschädigung. Im Einsatz für andere getreu dem DLRG-Leitsatz: „Freie Zeit in Sicherheit!“

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