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Wie das Wohnen in den eigenen vier Wänden trotz Pflegebedürftigkeit gelingt

Der Seniorenstützpunkt Vechta hilft bei der Orientierung, wenn das Thema Pflege ansteht. Die Malteser bieten unter anderem einen Hausnotrufdienst an.

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Der „Leistungsdschungel“: Die Malteser und der Senioren- und Pflegestützpunkt bieten ein umfassendes Leistungsangebot an und helfen dabei das Richtige für sich zu finden. Die Vernetztheit und Kontakte der Organisationen erweitern das Angebot. Foto: Seelhorst

Der „Leistungsdschungel“: Die Malteser und der Senioren- und Pflegestützpunkt bieten ein umfassendes Leistungsangebot an und helfen dabei das Richtige für sich zu finden. Die Vernetztheit und Kontakte der Organisationen erweitern das Angebot. Foto: Seelhorst

Viele Menschen würden viel lieber in den eigenen vier Wänden – in gewohnter Umgebung – gepflegt werden als in einer Pflegeeinrichtung. Dieser Wunsch bringt Aufgaben und Herausforderungen mit sich, denen sich Betroffene und pflegende Angehörige gleichermaßen stellen müssen.

Doch wo fängt man an? Kann man Hilfsgeräte beantragen – wenn ja, welche? Und wo? Welche Kontaktstellen gibt es und wofür sind sie zuständig? Bei diesen und anderen Fragen kommt der Senioren- und Pflegestützpunkt Vechta ins Spiel. „Wir haben den Wunsch, dass die Bevölkerung möglichst lange in ihren eigenen vier Wänden wohnen kann“, sagt Dirk Wingbermühle, Leiter des Sachgebiets Senioren und Betreuung im Amt für Bildung, Soziales und Integration.

Kostenlose und individuelle Beratung

Er erklärt, es gäbe zwar eine große Bandbreite an Leistungen, doch was einem oft fehle, sei die Übersicht. „Da gibt es einen wahren Dschungel an Leistungen.“ Der Senioren- und Pflegestützpunkt bietet hierfür eine kostenlose, individuelle und vor allem neutrale Beratung für alle gesetzlich Versicherten an – und das für sämtliche Altersgruppen. „Wir beraten telefonisch, per Mail, Videokonferenz und auch zuhause“, sagt Helga Kölker vom Stützpunkt. Darunter seien sowohl Pflegebedürftige als auch Pflegende.

Die Beratung ist dabei ganz unterschiedlicher Natur. So kann beispielsweise ein Pflegegrad bei beantragt werden. Falls dieser ermittelt wurde, wird erläutert, was dem Betreffenden nun zusteht. „Wenn ich Pflegegrad 2 habe, habe ich auch Anspruch auf Tagespflege, viele wissen das gar nicht“, macht Kölker deutlich und veranschaulicht damit beispielhaft die Möglichkeiten des Angebots. Der Stützpunkt besitze ein weit gesponnenes Netzwerk, bestehend aus Kontakten zu verschiedensten Einrichtungen und Organisationen, die einem weiterhelfen können.

Nimmt Druck von Bedürftigen und Angehörigen und kann im Ernstfall Leben retten: Laut Martin Bockhorst besitzen im gesamten Offizialatsbezirk Oldenburg bereits 4600 Einwohner einen Hausnotruf – 600 davon allein in Vechta. Foto: SeelhorstNimmt Druck von Bedürftigen und Angehörigen und kann im Ernstfall Leben retten: Laut Martin Bockhorst besitzen im gesamten Offizialatsbezirk Oldenburg bereits 4600 Einwohner einen Hausnotruf – 600 davon allein in Vechta. Foto: Seelhorst

Notfalldose in der Kühlschranktür aufbewahren

Ein großes Thema sei die Vorsorgemappe. Zusammen mit der Notfalldose, die Informationen für Rettungsdienst und Ersthelfer beinhaltet, bereitet sie gut auf eventuelle medizinische Notfälle vor. In der Mappe sind beispielsweise Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung sowie Informationen zu Nachlassangelegenheiten enthalten. Die Dose sollte, wie vorgesehen, in der Kühlschranktür aufbewahrt werden, damit sie auch schnell gefunden werden kann. Als mobile Version der Dose dient die Notfallkarte, die den Ersthelfern ebenfalls wichtige medizinische Daten liefert.

Damit die Hilfe auch möglichst schnell vom Notfall erfährt bieten die Malteser unter anderem einen Hausnotruf an. Dieser besteht aus einer Station, die entweder analog oder per SIM-Karte betrieben wird, sowie einem sogenannten Funkfinger, den man ständig bei sich trägt. Dieser kann – innerhalb eine Reichweite von 300 Metern im Freien – direkten Kontakt zu den Maltesern herstellen. „Das ist auf dem Land besonders wichtig“, sagt Martin Bockhorst, stellvertretender Bezirksgeschäftsführer der Malteser Vechta und Bereichsleiter der Sozialen Dienste. Diese benachrichtigen dann entweder den Rettungsdienst, Angehörige oder gleich den hauseigenen 24-Stunden-Bereitschaftsdienst, der im Paket „Komplettsicherheit“ beinhaltet ist. Auch hier werden Stammdaten über die Kunden erhoben, um einen schnellen Eingriff zu gewährleisten.

Sicherheit und soziale Kontakte für die Menschen

Die Unterstützungen beginnen jedoch nicht erst mit einer akuten Pflegebedürftigkeit. So werden auch das Duo-Seniorenbegleiterprogramm und das Projekt „Wohnen für Hilfe“ vom Pflegestützpunkt begleitet. „Da kann sich jeder bewerben, um jemandem seine Zeit zu schenken“, beschreibt Petra Schmidt, ebenfalls Mitarbeiterin im Stützpunkt. Dies gebe den Menschen Sicherheit und soziale Kontakte, sagt Schmidt.

Auch die Malteser teilen die Ansicht, man müsse dafür sorgen, dass Pflegebedürftige nicht vereinsamen. „Für uns ist wichtig, dass der Mensch dort ist, wo er hingehört – nämlich mitten in die Gesellschaft“, erklärt Bockhorst. Daher bieten auch die Malteser ein umfassendes Angebot, sodass auch Hilfebedürftige an einem möglichst großen Teil des Alltagsgeschehens teilnehmen können.

Mobiler Einkaufsdienst und Filmabende in Kinos

Dazu gehört beispielsweise ein mobiler Einkaufsdienst – dieser ist auch in Begleitung und in Gruppen möglich. Auch organisieren die Malteser – in Zusammenarbeit mit verschiedenen Kinos – Filmabende mit anschließenden netten Gesprächen untereinander. Durch die menschennahen Dienste ergibt sich ein echter Mehrwert. So ist auch der Menüservice nicht nur eine einfache Übergabe, sondern eine nette Interaktion und Wohlbefindenserkundung.

„Raus aus der Isolation, rein in die Gesellschaft. Die soziale Armut in Deutschland ist relevant“, mahnt Bockhorst. Einige Dienste müssen von ausgebildeten Fachkräften übernommen werden. Viele Angebote werden allerdings auch durch das Engagement von Ehrenamtlichen ermöglicht. Derzeit unterhalten die Malteser im Offizialatsbezirk 800 Haupt- und 1500 ehrenamtliche Mitarbeiter. Ein solch breit gefächertes Angebot entsteht vor allem durch Netzwerkpflege. Ähnlich wie der Senioren- und Pflegestützpunkt können auch die Malteser auf ein Kontakte zurückgreifen, die sie unterstützen oder an die weiterverwiesen werden kann.

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