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Widerstand gegen Mobilfunkmast im Dersa-Sportpark wächst

Wegen der geplanten Anlage des Unternehmens Vodafone hat sich die Initiative "Kein Mobilfunkturm am Dersa-Sportpark" gegründet. Bürger wollen vor dem Rathaus protestieren.

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Ohne Anlage kein Mobilfunk: Das ist den Dammer Bürgern bewusst. Trotzdem wehren sie sich gegen einen Mast im Dersa-Sportpark. Sie wollen einen anderen Standort. Foto: dpa / Stratenschulte

Ohne Anlage kein Mobilfunk: Das ist den Dammer Bürgern bewusst. Trotzdem wehren sie sich gegen einen Mast im Dersa-Sportpark. Sie wollen einen anderen Standort. Foto: dpa / Stratenschulte

Jetzt machen noch mehr Bürger mobil gegen die im Dersa-Sportpark geplante Mobilfunkanlage des Unternehmens Vodafone. Sie haben eine Initiative "Kein Mobilfunkturm am Dersa-Sportpark" gegründet. Auch der diplomierte Informatiker Andreas große Austing, der demnächst mit seiner Familie von Münster nach Damme ziehen möchte, lehnt in einem Schreiben an Bürgermeister Gerd Muhle den Standort Dersa-Sportpark des neuen Funkmastes ab, weil er in unmittelbarer Nähe bauen möchte.

Die Bürgerinitiative möchte ihrem Anliegen am Donnerstag (25. März) ab 17 Uhr vor der Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses vor dem Rathaus mit einer Kundgebung unter Einhaltung der Corona-Vorgaben Gehör verschaffen. In einer Eingabe an den Ausschuss, der am Donnerstag ab 17.30 Uhr im Rathaus öffentlich tagen wird, fordert sie eine sofortige Aussetzung des Planungsverfahrens und eine unabhängige Überprüfung der vertraglichen Grundlage, nachdem ursprünglich nur eine kleine UMTS-Anlage (G2) statt eines gewaltigen Turms mit völlig anderen unerforschten Folgen und Gefahren vorgesehen sei.

Ferner soll die Stadt einen unabhängigen Gutachter mit der Standortsuche etwa in den Bereichen Zum Schacht oder in der Muna hinter Schützenplatz in der Glückaufsiedlung beauftragen. In dem Schreiben heißt es weiter, der Mindestabstand eines Mobilfunkturms zu Wohngebieten müsse mindestens 400 Meter betragen, bei Windkraftanlagen seien es 1.000 Meter.

Initiatoren sammeln Liste mit über 200 Unterschriften

Gesammelt haben die Initiatoren – namentlich genannt sind Karl Landwehr, Stefanie Landwehr, Susanne Heidkamp-Müller, Alfred Müller, Katrin Kampers, Jens Kampers sowie Gaby Trimpe und Josef Trimpe – nach eigenen Angaben eine Liste mit über 200 Unterschriften, die sich problemlos erweitern ließe. In dem Schreiben heißt es zu Beginn: "Würde der Stadtrat jemals auch nur im Entferntesten darüber nachdenken, einen Mobilfunkturm neben einem Kinderspielplatz bzw. Kindergarten errichten zu lassen? Wohl kaum, denn der Aufschrei wäre groß."

Doch nun erwäge der Rat offensichtlich einen Mobilfunkturm an der zentralen Sportstätte der Stadt, dem Dersa-Sportpark, unmittelbar neben dem ebenso stark frequentierten Freibad, der Tennisanlage und dem Bergsee als touristischem Ausgangspunkt für viele Aktivitäten bauen zu lassen, heißt es. Der Dersa-Sportpark sei ein Platz, an dem wöchentlich rund 30 Jugendmannschaften mit zirka 400 Kindern und Jugendlichen ihrem "geliebten Sport nachgehen". Es sei ein Platz, der Ausgangspunkt vieler Spaziergänge, Radtouren oder Walkingstrecken und Symbol des Naherholungsgebietes Dammer Berge sei. Noch dazu liege er unmittelbar an dicht den besiedelten Gebieten des oberen Wellenwegs beziehungsweise der Bergmark.

Anwohner als Versuchskaninchen?

Die Standortüberlegungen bezeichnen die Verfasser des Schreibens als "hochgradig verantwortungslos". Sie stießen bei besorgten Eltern und Anwohnern auf völliges Unverständnis. "Gleichzeitig sind wir enttäuscht über die mangelnde Einbindung beziehungsweise das Informationsverhalten." Selbst die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stufe die Auswirkungen des Mobilfunks als möglicherweise krebserregend ein. Diverse Studien belegten die Gefahr, wenngleich die Strahlung als Krankheitsursache kaum zu beweisen sei.

Umgekehrt sei das aber ebenso wenig möglich. Hier werde einfach auf die rechtliche Einhaltung der Grenzwerte hingewiesen, die nicht umsonst in vielen anderen Ländern um ein Vielfaches niedriger sind. Die Auswirkungen der Hochfrequenzstrahlung von G 5 seien noch wenig erforscht. Sollten Kinder, Jugendliche und Anwohner nun indirekt als "Versuchskaninchen" herhalten, fragen die Verfasser des Schreibens. Sie sagten Nein und forderten alle Beteiligten zum Umdenken auf. "Lassen wir uns nicht von der einseitigen Einflussnahme eines ausschließlich wirtschaftlichen Interessen folgenden Unternehmens blenden", erklärt die Bürgerinitiative.

Profitiert RW Damme finanziell vom Funkmast?

Andreas große Austing hat Bürgermeister Gerd Muhle einen Fragenkatalog übermittelt. Unter anderem möchte er wissen, wie die Standort-Auswahl stattgefunden hat, aus welchen Gründen die Entscheidung für den Dersa-Sportpark gefallen ist und wieso der Funkmast jetzt erforderlich wird. Zudem interessiert er sich dafür, ob der Sportverein Rot-Weiß Damme finanziell von einem Funkmast im Sportpark profitieren würde sowie welches Kommunikationskonzept die Stadt bei Infrastrukturprojekten hat und wie sie die Bürger daran beteiligt.

Als Diplom-Informatiker verstehe er nur zu gut, dass "wir, als digitale Gesellschaft, unsere Handys und andere IT-Geräte nutzen möchten". Dafür sei eine Infrastruktur erforderlich. Natürlich müsse auch die Versorgung der Glückaufsiedlung mit schnellem mobilem Internet sichergestellt sein. Hierbei sei sein Interessenausgleich zwischen allen Beteiligten – Bürgern, Politik, Netzbetreiber – herbeizuführen. Für ihn, heißt es in dem Brief Andreas große Austings weiter, sei der zentrale Kern seiner Fragestellung, wie die Auswahl auf den Dersa-Sportpark fallen konnte. Es sei ein Sport- und Freizeitgebiet mit einem angrenzendem Wohngebiet, in dem sich viele Familien und junge Menschen aufhielten. Da es nach der aktuellen Studienlage bei der Fragestellung zu der Auswirkung von elektromagnetischer Strahlung auf den Menschen kein klares Forschungsergebnis gebe, sei es aus Gründen der Vorsorgepflicht nur verantwortlich, einen Mobilfunkmasten mit einem Mindestabstand von dicht besiedelten Orten aufzustellen.

"Der jetzt vorgeschlagene Standort ist auch eine Beleidigung für die Augen."Bernd Kessens, SPD-Ratsherr

Aus der Stadtpolitik gibt es längst Reaktionen auf die Proteste aus der Bürgerschaft. "Der SPD geht es nicht nur um die physikalischen, sondern auch um die biologischen Dimensionen des geplanten Funkmasten", sagte der sozialdemokratische Ratsherr Bernd Kessens auch mit Blick auf den heftiger werdenden Widerstand. Bernd Markus, CDU-Ratsherr und Vorsitzender des Planungs- und Umweltausschusses, kündigte an, sowohl am Dienstag in der Sitzung des CDU-Fraktionsvorstandes als auch bei der Ausschusssitzung am Donnerstag darauf zu drängen, dass nicht nur Dr. Thomas Zwemke, Beauftragter bei Vodafone für den Bereich Elektromagnetische Verträglichkeit zur Umwelt, den geplanten Standort im Dersa-Sportpark bewertet, sondern auch noch ein neutraler Gutachter. Ob er dafür eine Mehrheit finden werde, wisse er aber nicht.

Seinen Antrag begründete der Kemphausener auch damit, dass er das Claudia Lotte versprochen hatte, die im vergangenen Jahr 108 Unterschriften gegen den Standort im Dersa-Sportpark gesammelt hatte. Für Bernd Kessens ist unterdessen klar: Die Stadt muss einen neuen Standort außerhalb eines Siedlungsgebietes suchen und finden, um per Mobilfunkanlage die Funklöcher in der Glückaufsiedlung und in der Bergmark zu stopfen. Und das vor allem, aber nicht nur wegen der elektromagnetischen Verträglichkeit: "Der jetzt vorgeschlagene Standort ist auch eine Beleidigung für die Augen."

FDP-Fraktionsvorsitzender hat keine Vorbehalte 

Der FDP-Fraktionsvorsitzende Heiko Bertelt hat dagegen nach dem aktuellen Stand der Dinge keine Vorbehalte gegen den Standort Dersa-Sportpark für die neuen Mobilfunkanlage. Jeder, der ein Handy bei sich trage, sei wahrscheinlich einer höheren Strahlenbelastung ausgesetzt als der, die vom Mobilfunkmasten ausgeht. Bedenken würde er erst bekommen, wenn weitere Unternehmen den Masten nutzen wollen und das nicht für die Telefonie, sagte der Liberale. Aber in dem Fall wären neue Genehmigungen erforderlich. Und in ein solches Verfahren wäre die Stadt Damme eingebunden.

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