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Whisky-Liebhaber Peter Ostendorf brennt für die Lokalpolitik

Der Langenberger zog 2016 etwas überraschend für die FDP in den Gemeinderat rein. Das möchte der 44-Jährige wiederholen – weil er die Zukunft Holdorfs  weiter aktiv mitgestalten möchte. Ein Porträt.

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Der gelbe Pullover ist sein Markenzeichen: Dass Peter Ostendorf der FDP angehört, ist in den politischen Sitzungen unübersehbar. Foto: Böckmann

Der gelbe Pullover ist sein Markenzeichen: Dass Peter Ostendorf der FDP angehört, ist in den politischen Sitzungen unübersehbar. Foto: Böckmann

An den 11. September 2016 erinnert sich Peter Ostendorf noch gerne zurück. Es war ein Sonntag, genauer gesagt: ein Wahl-Sonntag. Der Tag der Kommunalwahlen in Niedersachsen. Während sich fast alle Kandidaten für den Gemeinderat im Rathaus versammelt hatten und gespannt auf die eintrudelnden Ergebnisse blickten, saß Peter Ostendorf an jenem Abend im heimischen Garten und grillte – als er plötzlich einen Anruf von der Großen Straße 19 erhielt. Er habe es in den Gemeinderat geschafft, teilte dem etwas verblüfften Langenberger die Verwaltung mit. Mit 115 Stimmen zog Peter Ostendorf knapp, aber dennoch erfolgreich in das 18-köpfige Gremium ein. 

Das war im Herbst 2016 schon eine kleine Überraschung. Denn Peter Ostendorf ist kein gebürtiger Holdorfer. Er kommt aus Vechta und zog der Liebe wegen in die Südkreis-Kommune. Zunächst wollte er für die CDU Politik machen, stand auf der Liste der Christdemokraten für die Kommunalwahl. Dann trat Peter Ostendorf nach Meinungsverschiedenheiten kurz vor der Wahl aber wieder aus der Partei aus und schließlich für die FDP auf einem Listenplatz an. Die Liberalen hatten in der Holdorfer Gemeindepolitik jahrzehntelang praktisch keine Rolle gespielt. Nur Bernard kl. Klausing saß von 1991 bis 1996 für die FDP im Gemeinderat. Und nun schaffte es mit Peter Ostendorf der erst 2. Freidemokrat in das Gremium. Überraschend, wie gesagt. Und daher durchaus ein historischer Moment.

Das ist nun viereinhalb Jahre her – und Peter Ostendorf hat seine Entscheidung, in Holdorf Politik zu machen, noch keine Sekunde bereut. "Ich habe Blut geleckt", sagt der 44-Jährige, der mit der SPD eine Fraktionsgruppe bildet. Die Entwicklung der Gemeinde mitgestalten, Ideen einbringen, Entscheidungen treffen – das macht ihm als kommunalpolitischen Neueinsteiger viel Spaß. Und er sieht seine Aufgabe noch nicht als beendet an. Weshalb er auch für den kommenden Rat kandidiert. Denn Ostendorf sagt: "Ich möchte Vieles, was in dieser Wahlperiode angefangen wurde, weiter begleiten."


Die FDP im Holdorfer Gemeinderat:

  • Am 27. März kandidierte erstmals ein Kandidat für die FDP. Das Wahlergebnis: 1,6 Prozent der Stimmen.
  • 1. Ratsmitglied: Bernard kl. Klausing (1991 bis 1996)
  • 2. Ratsmitglied: Peter Ostendorf (seit 2016)

Wer den Langenberger in der Ratsarbeit verfolgt, der merkt gleich: Das Bild des klassischen FDP-Berufspolitikers, der die Unternehmerschaft repräsentiert und möglicherweise Klientelpolitik betreibt, passt zu Peter Ostendorf nicht. Gleichwohl liegen dem Diplom-Sozialarbeiter, etwas überspitzt formuliert, die von den Liberalen propagierten Bürgerrechte am Herzen. Wenn es um Themen für Familien, Senioren und Jugendliche geht, um Verkehrsfragen oder um bezahlbaren Wohnraum, dann artikuliert er deutlich seine Meinung. Dass die Gelder für die Instandhaltung der Spielplätze nach seiner Anregung verdoppelt wurden, freut Peter Ostendorf zum Beispiel sehr. Es zeige, wie Kommunalpolitiker aktiv das Leben in der Gemeinde gestalten können.

In der nächsten Wahlperiode wird die Gemeinde Holdorf möglicherweise weitreichende Entscheidungen treffen, die Auswirkungen für nachfolgende Generationen haben könnten. Straßenausbausatzung, Gestaltung des Rathausvorplatzes, Rathaus-Erweiterung, Hochwasserschutz, Wassernotstand, innerörtliche Verdichtung, Innenstadtverkehr, und, und, und – die Themen bleiben spannend.

Und Peter Ostendorf möchte dabei mitreden. Entscheidungen transparent erklären. Das Leben in der 7.600-Einwohner-Gemeinde bezahlbar halten. Angebote für Familien schaffen. Das Wachstum steuern. Die jeweiligen Interessen von Gewerbe, Landwirtschaft und Wohnen in Einklang bringen lassen. Weshalb er auch Mitglied im Arbeitskreis "Holdorfer Osten" ist.  Lokalpolitik, das betont er, ist weniger dröge, als es sich vielleicht anhören mag. Im Gegenteil. Und Peter Ostendorf macht die ehrenamtliche Ratsarbeit viel Spaß.

Wie der nächste Holdorfer Gemeinderat, der wegen der wachsenden Einwohnerzahl von 18 auf 20 Mitglieder (plus Bürgermeister) erhöht werden muss, aussehen wird? Das lässt sich bekanntlich nur schwer prognostizieren. Ebenso wenig, wie der Wahlkampf in Corona-Zeiten im Allgemeinen und für Ostendorf als Einzelkämpfer im Speziellen läuft. Wie die CDU ihren personellen Umbruch bewältigt. Wie sich die im vergangenen politisch praktisch inaktive UWG aufstellt. 

Ostendorf: "Wir machen gute Politik für Holdorf"

Ostendorf ist gespannt, sagt aber auch deutlich:  Das politische Farbenspektrum im neuen Gemeinderat dürfe ab November gerne "noch bunter werden" – allerdings ohne die AfD. Gegen neue Mehrheitsverhältnisse habe er nichts einzuwenden. 

Trotz aller Diskussionen empfindet der Familientherapeut die Zusammenarbeit im Rat zwischen den Fraktionen als sehr fruchtbar. Es helfe natürlich, dass die finanziell gesunde Gemeinde sich viel leisten könne. "Wir machen zusammen gute Politik zum Wohle aller Holdorfer."  Parteifarben spielten für ihn auf lokaler Ebene sowieso eher eine untergeordnete Rolle.

Apropos Parteien: Wie fand Peter Ostendorf jetzt eigentlich den Weg zur FDP? "Wie die Jungfrau zum Kind", sagt er und lächelt. Er wollte nach seinem Austritt aus der CDU nicht als Parteiloser, aber weiter in einer Partei Politik machen. Die Entscheidung, der FDP beizutreten, traf der in den Schützenvereinen Holdorf und Handorf-Langenberg aktive Ostendorf schließlich nach 2 guten Gesprächen.

Eines mit seinem Bruder, dem Vechtaer FDP-Politiker und ehemaligen Landtagskandidaten Johannes Langfermann. Das zweite mit der Kreisvorsitzenden Yvonne Friederich. Bei den Liberalen fühlt sich Peter Ostendorf im Landkreis Vechta jetzt gut aufgehoben. Weshalb sich der gelernte Tischler auch im vor einem Jahr gegründeten FDP-Südkreisverband als Geschäftsführer engagiert.

Auf den Whisky gekommen: Peter Ostendorf betreibt als Nebengewerbe eine kleine Firma.Auf den Whisky gekommen: Peter Ostendorf betreibt als Nebengewerbe eine kleine Firma.

In der Lokalpolitik engagiert sich der Vater eines 2-jährigen Sohnes in seiner Freizeit. Ein anderes Hobby ist der Whisky. Denn Peter Ostendorf betreibt als Nebengewerbe – in Anlehnung an seinen Nachnamen – die "East Village Whisky Company". Je nach Lust und Laune füllt er Whisky-Flaschen ab und vertreibt sie über einen Händler. Sollte Peter Ostendorf bei der nächsten Kommunalwahl am 12. September wieder den Einzug in den Rat schaffen, dürfte der eigens kreierte Whisky beim Grillen im Garten sicherlich besonders gut schmecken.

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