Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Werbeplakate am jüdischen Friedhof in Vechta sorgen für Empörung

Sie werben für Hüpfburgen – und das an einer Ruhestätte. Nun wird ermittelt, wer für die ungenehmigte Anbringung der Reklamen verantwortlich ist.

Artikel teilen:
Reklame an der Ruhestätte: Am Zaun des jüdischen Friedhofs wurde für Hüpfburgen geworben.  Foto: Speckmann

Reklame an der Ruhestätte: Am Zaun des jüdischen Friedhofs wurde für Hüpfburgen geworben.  Foto: Speckmann

Normalerweise freut sich Prof. Karl-Eckhard Carius immer, wenn er am jüdischen Friedhof in Vechta vorbeifährt. Jüdisch ist er nicht, der Friedhof habe für ihn trotzdem eine besondere Bedeutung. Als Sohn eines Reichstagsmitglieds fasziniere ihn die Historie des Ortes, als Bildhauer die Kunst. Vergangenen Freitag sah das jedoch anders aus. "Meine Frau und ich erschraken", beschreibt Carius. Am Zaun des Friedhofs waren Werbeplakate für eine Veranstaltung in Lohne aufgehängt.

Seine Entdeckung meldete Carius der Polizei. Er habe gefragt, ob er die Plakate entfernen dürfe. Für ihn gehe es hier um Schändung. Dieses Eingreifen jedoch habe ihm ein Polizist untersagt – damit mache er sich strafbar. Mit Fotos meldete er sich ebenfalls bei der Jüdischen Gemeinde zu Oldenburg. Sie betreut den Friedhof im Namen des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen. Schlussendlich wurde die Stadt Vechta in Kenntnis gesetzt. 

Genehmigt worden seien die Plakate nicht, erklärt Herbert Fischer von der Vechtaer Stadtverwaltung gegenüber OM-Medien. Er spreche für die Stadt, wenn er sage: "Das hätten wir auch nie zugelassen." Eine Plakatierung an dieser Stelle sei "geschmacklos" und entwürdige die Ruhestätte. Der Leiter der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit, Kultur und Marktwesen erklärt, dass genehmigte Reklameplakate orangefarbene Zeichen der Stadt trügen. Diese jedoch erkenne er auf den Fotos der Schilder am Friedhof nicht. Außerdem handele es sich bei dem Friedhof um ein privates Gelände. Selbst mit dem Sticker wäre ein Aufhängen der Plakate dort nicht erlaubt. Umgehend habe er daher den Bauhof veranlasst, die Plakate zu entfernen.

Die Plakate hängen ohne Genehmigung

Auch die Jüdische Gemeinde zu Oldenburg habe die Plakatierung nicht genehmigt. Die Veranstalter, das Abenteuerland Frankalli, selbst betonen aber, dass sie ihre Werbeschilder ohne Genehmigung nicht aufhängen würden. Von wem sie die Genehmigung schlussendlich gehabt hätten, sei zurzeit noch unklar, die Zuständigen verreist.

Genehmigt oder nicht, die Plakate sollten an einem Friedhof nicht hängen, meint Carius. "Das ist eine Frage der Moral", sagt er. „Wenn man es positiv sieht, dann ist das aus Dummheit und Unachtsamkeit passiert.“ Dann stelle sich jedoch die Frage, inwieweit Dummheit und Skrupellosigkeit den Boden für Antisemitismus nähren würden. An einen Friedhof gehöre eine solche Plakatierung nicht – erst recht nicht an einen jüdischen. Carius erinnert an den Anstieg an antisemitischen Taten in der vergangenen Zeit. Die Plakatierung sei zwar in keinem Fall als solche zu verstehen, dennoch betont er: "Wir sind in der Weise schon so abgestumpft. Es gibt Orte, die müssen heilig bleiben." Herbert Fischer stimmt dem zu: "Das ist unfassbar. Sowas macht man nicht." Die Ruhenden sollten würdevoll behandelt werden.

Abgenommen sind die Plakate, wie beschrieben, mittlerweile. Das Ordnungsamt sei zudem veranlasst worden, zu ermitteln, wer für die Plakatierung verantwortlich zeichnet, erklärt Herbert Fischer.

Sie wollen nichts verpassen, worüber das Oldenburger Münsterland spricht? Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter „Moin, OM!“. Er fasst für Sie das Wichtigste für den Tag auf einen Blick zusammen – immer montags bis freitags zum Start in den Tag.  Hier geht es zur Anmeldung

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Werbeplakate am jüdischen Friedhof in Vechta sorgen für Empörung - OM online