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Wer wird die nächste Dammer Carnevals-Prinzessin?

Kolumne: Das Leben als Ernstfall – Es gibt Schlagzeilen, die wird es vermutlich nie geben. Was das mit kultureller Aneignung zu tun hat, lesen Sie hier.

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Zu Silvester haben wir an dieser Stelle noch gelästert, dass in Damme nichts passiert. Es würde höchstens mal ein Fahrrad umfallen, das dann Gesprächsthema Nummer eins im Ort wäre. Dafür möchten wir uns entschuldigen. Es passiert in Damme viel mehr – allerdings immer das Gleiche. Derzeit zermartert sich mal wieder die ganze Stadt das Hirn, wer das wichtigste Amt der Stadt künftig einnehmen wird. Wer wird Nachfolger von Frank Westerhaus, der dank des Unworts mit C (gemeint ist nicht "Carneval") eine Rekord-Amtszeit von 3 Jahren hinter sich hat? Daher titelte OM-Online jetzt so schön reißerisch in bester Bild-Manier: "Wer wird neuer Prinz?"

Eine große Überraschung ist nicht zu erwarten, denn wie immer in 200.000 Jahren Carneval wird der neue Prinz keine Prinzessin sein. In Damme ist man(n) halt konservativ und hält an guten Traditionen fest. Wenn eine Frau sich bewerben sollte, wäre das in etwa so, als wenn sich ein weißer Musiker Rastalocken drechseln lässt und fortan Reggae-Musik spielt: kulturelle Aneignung. Sowas will man sich in der Narrenhochburg Dammensia ganz sicherlich nicht vorwerfen lassen. 

Und überhaupt: Es gibt ja nun wirklich andere Probleme auf dieser Welt, als dieser Gender-Wahnsinn und Frauen-haben-auch-Rechte-Unsinn. Schließlich gibt es ja auch keine weiblichen katholischen Priester*innen. Wobei das in einem Ort dieses ethisch-moralisch so intakten Landstrichs durchaus segensreich wäre. Ein Riss geht durch die dortige Gemeinde, ob ein Priester wegen seiner möglichen moralischen Verfehlungen wieder Schäfchen hüten darf.

"Und wir merken, alles hängt irgendwie zusammen in Südoldenburg."Stefan Freiwald

Das Bistum kann es ihm nicht verwehren: Er dürfe wieder Schäfchen hüten, außer weibliche im Alter unter 27 Jahren, was mit jenen Verfehlungen vor etlichen Jahren zusammenhängt. Kein Problem, die allermeisten Kirchgänger sind deutlich, deutlich älter, sollte man meinen. Und ansonsten könnte am Hauptportal des Gotteshauses ein Alters-Check wie beim Schnapskauf im Supermarkt helfen. Wie erstaunlich pragmatisch doch eine 2000 Jahre alte Institution sein kann.

In Lohne könnte es auch bald vorbei sein mit dem Frieden, wenn erst mal die ersten Menschen erfroren sind. Das fürchtet die örtliche CDU.  Dabei war im Stadtrat ausdrücklich die Rede davon, dass die sogenannten Mitfahrerbänke nicht in der Fußgängerzone aufgestellt würden, sondern dort, wo wirklich Verkehr herrsche. Doch auch das konnte die Partei nicht überzeugen. Sie will ihre Kraft lieber – so entnehmen wir einem Medienbericht – auf die Energiewende in Niedersachsen konzentrieren. Im Übrigen sind die Delegierten für den Landesparteitag in Braunschweig am 21. Januar auch nicht auf eine Mitfahrgelegenheit angewiesen. 

Ebenfalls in den lokalen Medien fand sich die interessante Schlagzeile: "Koordinierungsstelle vermittelt Berufsrückkehrerinnen". Dabei geht es um ein lobenswertes Angebot, um Frauen nach einer Familienpause den Neustart in einen Job zu ermöglichen. Und wir merken, alles hängt irgendwie zusammen in Südoldenburg. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Umschulung zur Carnevals-Prinzessin?


Zur Person:

  • Stefan Freiwald (49) ist Redakteur bei OM-Medien und hat ein Büro für Journalismus, PR & Nachhaltigkeit in Vechta.
  • Er lebt mit seiner Familie in Oythe.
  • Sie erreichen den Autor per E-Mail an: redaktion@om-medien.de.

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