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Wer hätte das gedacht? Im Oldenburger Münsterland gibt es mehr als 80 Alleen

Der Niedersächsische Heimatbund erfasst die historischen Baumreihen. Hintergrund: Viele Alleen seien gefährdet. Ziel: Sie sollen unter Schutz gestellt werden.

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Ein besonders schönes Exemplar vor Ort ist die 2,6 Kilometer lange Eichenallee am Elisabethfehnkanal bei Reekenfeld.  Foto: NHB/Peters

Ein besonders schönes Exemplar vor Ort ist die 2,6 Kilometer lange Eichenallee am Elisabethfehnkanal bei Reekenfeld.  Foto: NHB/Peters

Egal ob Autofahrerin, Radfahrer oder Fußgängerin: Alleen faszinieren seit jeher nahezu alle Verkehrsteilnehmer. Die Krux ist jedoch, dass diverse alte Baumreihen im Zuge wachsender Mobilität sowie des Straßenausbaus in ihrem Bestand gefährdet sind oder sogar schon dezimiert wurden. Daher fordert der Niedersächsische Heimatbund (NHB) seit vielen Jahren einen generellen Schutzstatus für die grünen Tunnel – bislang allerdings erfolglos. Auch vor Ort sind nur vereinzelte Exemplare wirklich geschützt. Sehr erfolgreich verläuft dagegen die erstmalige Erfassung der Alleen im Land. 2100 Exemplare hat der NHB bislang zusammengetragen, immerhin 82 davon stehen im Oldenburger Münsterland.

Im Jahr 2015 hatte der Heimatbund damit begonnen, all jene Straßen und Wege in Niedersachsen ausfindig zu machen, die auf beiden Seiten relevant von Bäumen begrenzt sind. Im zweiten Schritt wurden die Kandidaten aufgesucht, charakterisiert und schließlich in einem fünfstufigen System bewertet. Das reicht vom Status „sehr niedrig“ bis „sehr hoch“, basierend etwa auf Alter, Erscheinungsbild sowie Bedeutung für Flora und Fauna. Nicht weniger als 8 der 82 identifizierten Alleen in den Landkreisen Cloppenburg und Vechta fallen in die höchste Bewertungs-Klasse (siehe auch Tabelle).

Gemeinde Essen hat drei herausragende Exemplare

Dazu zählen gleich drei Prachtstraßen und -wege in der Gemeinde Essen (Oldenburg). Gemeint sind etwa eine 2000 Meter lange Eichenallee nahe der Bundesstraße 68 und eine nur 130 Meter kurze Zufahrtsallee aus Eichen und Rosskastanien, die über den Fluss Lager Hase führt. Imposant kommen auch eine mehr als 3 Kilometer lange Eichenallee an der Sedelsberger Straße in Friesoythe sowie ein mindestens 9 Jahrzehnte altes Pendant in Emstek daher. Unterstützung bei der Erfassung bekam der NHB übrigens vom Heimatbund für das Oldenburger Münsterland.

Zurück zu den Top-Bewerteten: Einziger Vertreter aus dem Landkreis Vechta in der illustren Runde ist die 1,3 Kilometer lange Schlüters Allee, die aus Stieleichen und Rotbuchen besteht. Sie beginnt südlich des Dinklager Burgwalds und verläuft Richtung Autobahn 1. Die alte Baumreihe ist nach Heimatbundangaben als Teil eines Kulturdenkmals geschützt. Gleiches gilt für eine 180 Meter kurze Allee in Essen, die Teil des Ensembles von Gut Lage ist. Sie setzt sich im Gegensatz zu vielen anderen Vertretern ihrer Art in Südoldenburg nicht überwiegend aus Stieleichen zusammen, sondern besteht je zur Hälfte aus Rotbuchen und Roteichen.

„Um den Fortbestand der Alleen in Niedersachsen zu sichern, ist das jedoch bei weitem nicht ausreichend.“Julia Rex, Projektleiterin beim Niedersächsischen Heimatbund, zu kleinen Verbesserungen beim Alleen-Schutz auf Landesebene

Weil ein Status wie in Essen und Dinklage jedoch nur für wenige alte Baumreihen gilt, engagieren sich die Traditionspfleger aus Hannover seit langem für landesweit geltende Schutzmaßnahmen. Hauptziel ist es, den Erhalt der kulturhistorisch bedeutsamen Naturgüter in der niedersächsischen Gesetzgebung zu verankern. Das ist in einigen anderen Bundesländern wie Brandenburg und Schleswig-Holstein bereits geschehen.

Darauf hat Niedersachsen bis jetzt allerdings verzichtet. Begründet wird das mit der Verkehrssicherheit. Angestoßen durch den Niedersächsischen Weg – eine Vereinbarung zwischen Landwirtschaft, Naturschutz und Politik – gebe es jedoch eine kleine Veränderung zu Gunsten der Alleen, sagt die Projektleiterin „Alleepaten für Niedersachsen“ beim NHB, Julia Rex, auf Anfrage vom OM-Online. Seit Anfang 2021 würden die historischen Baumreihen nunmehr in den sogenannten Positivlisten Landschaftselemente auftauchen und damit zumindest der naturschutzrechtlichen Eingriffsregelung unterliegen. „Um den Fortbestand der Alleen in Niedersachsen zu sichern, ist das jedoch bei weitem nicht ausreichend“, fügt sie an.

Zahlreiche "besonders schöne Exemplare" vor Ort

Und wie sehen es die Entscheidungsträger vor Ort? „Alleen haben für den Landkreis Vechta eine wichtige Bedeutung“, sagt Behördensprecher Jochen Steinkamp. Sie würden aus naturschutzfachlicher Sicht verschiedenste Funktionen erfüllen sowie für das Landschafts- und Ortsbild eine große Rolle spielen. Allerdings: „Unabhängig davon ist der Aspekt der Verkehrssicherheit im konkreten Einzelfall mit zu berücksichtigen.“

Ähnlich äußert sich der Landkreis Cloppenburg. „Alleen nehmen als historische Kulturlandschaftselemente eine besondere Funktion ein“, sagt Gina Janssen aus der Pressestelle. Einschränkend heißt es aber auch hier: „Zwingend erforderliche Eingriffe in die Alleestrukturen können sich insbesondere aufgrund verkehrssicherheitstechnischer Anforderungen ergeben.“ Unvermeidbare Eingriffe würden jedoch kompensiert.

Ebenfalls in die Kategorie besonders wird die Lindenallee an der ehemaligen Zitadelle in Vechta eingestuft.   Foto: NHBPetersEbenfalls in die Kategorie "besonders" wird die Lindenallee an der ehemaligen Zitadelle in Vechta eingestuft.   Foto: NHB/Peters

Wie auch immer: Der Allee-Bestand im Oldenburger Münsterland umfasst neben den acht bereits erwähnten, herausragenden Vertretern noch weitere „besonders schöne Exemplare“, sagt NHB-Expertin Rex. Dazu zählt sie vorneweg die 2,6 Kilometer lange Eichenallee am Elisabethfehnkanal bei Reekenfeld.

Im Landkreis Vechta falle derweil eine Häufung des Typs Guts-Allee auf. „Das sind Alleen, die sich auf dem Gebiet von Guts-, Schloss- oder größeren Hofanlagen befinden“, erklärt sie. Als Beispiel nennt Rex die neu angelegte Zufahrt aus Holländischen Linden zu Gut Daren. Als besonders werde auch die Lindenallee an der ehemaligen Zitadelle in Vechta eingestuft, weil sie in etwa den ehemaligen Verlauf eines Teils der äußeren Verteidigungsanlagen nachzeichne.

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