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Wenn für Romantik kein Raum bleibt

Kolumne: Batke dichtet – Mit Blick auf die Bundestagswahl am Sonntag rate ich zur Gelassenheit. Denn das Grundgerüst ist stabil, egal, wie das Farbenspiel  ausgehen wird.

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Na, wissen Sie schon, wo Sie am Sonntag Ihre Kreuze machen werden? Ist ja einiges im Sortiment. Ich habe alterstechnisch und von der Haarfarbe her kurz mit den Grauen Panthern geliebäugelt, aber man will seine Stimme ja auch nicht verschenken. Sei's drum: In unserer Gegend scheint es eher unwahrscheinlich, dass es zu erdrutschartigen Veränderungen kommt. Ist halt christdemokratisches Traumland, die Mutter der Region wird’s schon richten, oft genug in der Zeitung war sie ja. Und sie gilt sogar als ministrabel. Da muss nur noch ihr Chef mitspielen – so er im Endspurt genug Puste hat.

Apropos Zeitung: Haben Sie am Mittwoch auch die Doppelseite gesehen, auf der die lokalen Kandidatinnen und Kandidaten ihre Statements zu Umwelt/Klima, Landwirtschaft, Wirtschaft, Familie/Soziales und Gesundheit abgegeben haben? Formulieren wir es mal so: Demokratie kann auch weh tun, insbesondere wenn man das Geschwurbel des Vertreters der am äußersten rechten Rand des Spektrums angesiedelten Partei liest. Gut, dass zumindest die Südoldenburger von diesem Spuk nahezu unbeeindruckt bleiben werden.

Mal sehen, was der FDP-Chef diesmal sagt

Auch wenn am Sonntagabend die Lokale um 18 Uhr schließen, ist die Wahl noch längst nicht gelaufen. Da müssen wir nur 4 Jahre zurückgehen, als zunächst karibisches Flair durch die Republik wehte und alles auf eine Jamaika-Koalition aus CDU, Grünen und FDP hinauszulaufen schien, ehe Liberalen-Chef Christian Lindner doch lieber "nicht, als schlecht regieren" wollte. Mal sehen, was er dieses Mal sagt.

Ich verfolge seit 52 Jahren mit Interesse Bundestagswahlen – 1969 stellte erstmals in der Geschichte der noch jungen Bundesrepublik Deutschland nicht mehr die CDU den Kanzler. Sie werden es kaum glauben: Das Land hat überlebt. Es waren damals übrigens die Freien Demokraten, die dem Liebeswerben der SPD nachgaben und Willy Brandt die Kanzlerschaft ermöglichten. Na ja – 13 Jahre später sorgten die Gelben dafür, dass es mit der sozialdemokratischen Herrlichkeit vorerst vorbei war, als sie sich Helmut Kohl an den Hals warfen.

"Weder ein Armin Laschet noch ein Olaf Scholz wird sich hernach hinstellen und behaupten, ihm sei die Wahl gestohlen worden."Alfons Batke

Deutschland funktionierte (auch bei all den Sachen, die nicht funktionierten) deshalb vergleichsweise gut, weil bundespolitisches Handeln von Koalitionen geprägt wurde. Dabei ist es ja beileibe nicht so, dass unser Land dem Untergang geweiht war, als ein Politiker der Grünen (Joschka Fischer) Außenminister war, genauso wenig wurde zur gleichen Zeit unser Klima besser, nur weil sein Parteifreund Jürgen Trittin dem Umweltministerium vorstand. Regierungsbündnisse lassen keinen Raum für Romantik – den beiden zurückliegenden Großen Koalitionen mit Angela Merkel an der Spitze kann man immerhin attestieren, im Rahmen globaler Abhängigkeiten und nationaler Herausforderungen vernünftig und pragmatisch gearbeitet zu haben.

Bleiben wir also gelassen – das Grundgerüst ist stabil, egal, wie das Farbenspiel nun ausgehen wird. Regierungspolitik wird die Kunst des Machbaren bleiben, sie wird – und das ist ein Segen unserer Demokratie – von Kompromissen gesteuert sein. Und seien Sie gewiss: Weder ein Armin Laschet noch ein Olaf Scholz wird sich hernach hinstellen und behaupten, ihm sei die Wahl gestohlen worden.


Zur Person:

  • Alfons Batke blickt auf eine über 40-jährige journalistische Laufbahn zurück.
  • Der 65-Jährige lebt als freier Ruheständler in Lohne.

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