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Wenn doch die Welt wie Spargel wäre

Kolumne: Notizen vom Nachbarn – Das königliche Gemüse ist eine letzte Verneigung vor den Gesetzten der Natur. Wir produzieren es auf heimischen Äckern – und das unabhängig von kriegerischen Despoten.

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Es dauert nicht mehr lange, nur noch wenige Tage, dann beginnt jedes Gespräch im schönen Südoldenburg mit dem einen königlichen Satz „Habt ihr schon Spargel gehabt?“ Asparagus – so hab ich gegoogelt – ist der griechische Name für unsere Delikatesse und somit fast so alt wie Asterix und Obelix. Und bei aller Vorfreude erleben wir beim Spargel auch ein genial gutes Gefühl. Wir produzieren ihn auf heimischen Äckern, machen uns nicht abhängig von Lieferungen irgendwelcher kriegerischen Despoten und beschränken uns einfach auf eine bestimmte Zeit des Genusses.

Der Spargel, eine letzte Verneigung vor den Gesetzten der Natur – Schluss mit Genuss ist an Peter und Paul. Es bleibt die Demut vor dem Essen. Ja, wenn ich keine Anziehsachen verkaufen würde, ich glaube, ich hätte unbedingt Spargelbauer werden müssen. Meine Oma kannte zu meiner Kindheit nur zwei Hobbys: ihre Stoffabteilung und ihre Spargelbeete. Mehr als der halbe Garten war voll von diesen Hügeln, irgendwann mit Mist beworfen und dann wieder mit großen Büschen bewachsen, wenn, ja wenn nicht die heilige Spargelzeit war. Mit Argusaugen blickte Oma über ihre Hügel, erspähte jeden Spargelkopf, der die Sonne erblicken wollte, genau und zack war er abgestochen, ohne je das Sonnenlicht erblickt zu haben.

Pro Stunde wachsen die Spargelstangen 1 Zentimeter, da blieb man dran am Stechen. Das Fußballspielen in der Nähe der heiligen Spargelhügel war für uns nicht machbar, denn wie sollten wir ohne verräterische Fußstapfen den herübergeflogenen Ball zurückerobern. Aber nicht nur der Garten gehörte dem Spargel, auch vor unserem Laden in Cloppenburg verkauften und verkaufen bis heute befreundete Spargelbauern in jahrzehntelanger Tradition an jedem Samstag die weißen Stangen.

„Aber kann denn bitte einer mir das Hinterher-Geruchs-Gen austreiben, nach dem Verzehr riecht es wirklich nicht königlich.“Antonius Schröer

Das königliche Gemüse kam bei uns in der Spargelzeit natürlich an jedem Sonntag nach der Hühnersuppe mit Eierstich und zum Schweinebraten und vor der Herrenspeise auf den Küchentisch. Große Berge aus eigenem Anbau und nur mit Butter und Petersilie, so wie die Natur sie uns schenkt. Allerdings waren die Sonntage für uns Jungs nicht unbedingt immer die Sternstunden der Woche. 8 Uhr morgens Messe in Sonntagszeugs – Hochamt war angeblich nur etwas für Langschläfer - nach dem Sonntagsmahl und der Mittagsstunde ging's zum Spaziergang statt auf den Fußballplatz – immer noch in Sonntagszeug. Da konnte selbst der Spargel nicht immer trösten, zumal es in unserer Familie permanent zu riechen war, wenn das königliche Gemüse verspeist wurde.

Ich liebe alles am Spargel, er schmeckt köstlich, er belehrt uns eines Besseren im Umgang mit dem Essen und der Natur, er macht uns nicht abhängig von kriegerischen Ländern, er ist vollgestopft mit Vitamin A, B. C, E und allem, was der Body braucht. Aber kann denn bitte einer mir das Hinterher-Geruchs-Gen austreiben, nach dem Verzehr riecht es wirklich nicht königlich. Es reicht doch, wenn der Spargel dieses Enzym hat, um Schädlinge zu vertreiben. Ich möchte doch nur genießen.


Zur Person:

  • Der Autor Antonius Schröer führt mehrere Modehäuser. Der 59-Jährige verkörpert das Vechtaer Original „Straßenfeger“ im Karneval.
  • Den Autor erreichen Sie per E-Mail an: redaktion@om-medien.de.

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