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Wenn die Schutzhütte am Dammer Bergsee zum Schlafplatz wird

Seit 21 Jahren ist der Meller Eckhard Barzantny per Fahrrad im Einklang mit der Natur unterwegs. Jetzt machte er mal wieder Halt in Damme – am Dümmer und Bergsee.

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Auf großer Fahrt: Seit 21 Jahren dauert die Tour des gebürtigen Mellers Eckhard Barzantny inzwischen an. Jetzt machte er wieder Station in Damme.   Foto: Röttgers

Auf großer Fahrt: Seit 21 Jahren dauert die Tour des gebürtigen Mellers Eckhard Barzantny inzwischen an. Jetzt machte er wieder Station in Damme.   Foto: Röttgers

Überall, wo er auftaucht, zieht er die Aufmerksamkeit auf sich. Und sein Fahrrad ist einfach der Hingucker und eine Attraktion: Eckhard Barzantny sorgt für neugierige Blicke, wenn er auf seinem Drahtesel quer durch Deutschland unterwegs ist, den er liebevoll "Muli" getauft hat.

Neben seinem Schlafsack und seinen "sieben Sachen" – mehr braucht der bescheidene Barzantny tatsächlich nicht – fahren Kapuzinerkresse, Rucola, Schnittlauch, Petersilie und sogar Erdbeeren und Pflücksalat in Blumentöpfen mit. Und das bei Wind und Wetter, 24 Stunden am Tag und Woche für Woche. Es klingt für Außenstehende fast ein bisschen verrückt, extrem abenteuerlich, aber auch nach unbändigem Freiheitsdrang.

"Es bringt mir Spaß, Freude und vor allem enorme Energie, Teil der Natur zu sein."Eckhard Barzantny

Eckhard Barzantny lebt seit über 20 Jahren unter freiem Himmel und fährt allein auf seinem Fahrrad durch die weite Welt. Jetzt hat der Weltenbummler wieder einmal Station am Dümmer und am Dammer Bergsee im Landkreis Vechta gemacht. "Es bringt mir Spaß, Freude und vor allem enorme Energie, Teil der Natur zu sein", erklärt der Naturfreund.

"Draußen zu schlafen, Luft zu holen und mit den Geräuschen und Gerüchen der Natur aufzuwachen, beschert mir ein enormes Glücksgefühl", bestätigt der Mann, der sich als "bekennender Aussteiger" bezeichnet.

Barzantny stammt gebürtig aus Melle und ist im nordrhein-westfälischen Bielefeld mit seinem Wohnsitz gemeldet. Sein selbst gewähltes Zuhause sind aber der Wald und die freie Natur. Eine eigene Familie hat der Freigeist nicht. "Ich kann machen, was ich will, bin mein eigener Herr", freut sich der Junggeselle, der seinerzeit beschlossen hat, aus gesellschaftlichen Zwängen und normativen Verpflichtungen einfach auszusteigen.

Weltenbummler vermisst eigenes Bett nicht

"Ich habe keine Termine und keinen Druck, weder beruflich noch privat", fühlt sich der 61-Jährige jung und vor allem fit genug, draußen rund um die Uhr unterwegs zu sein. Eine Erkältung kennt er gar nicht. Barzantny vermisse auch weder eine heiße Dusche noch sein eigenes Bett.

Seinen ehemaligen Beruf als Fliesenleger und Handwerker hat der Frischluftfan beizeiten an den Nagel gehängt und gegen Freiheit in der Natur eingetauscht. "Leben bewusst leben!“, lautet sein erklärtes Lebensziel im Einklang mit der Natur.

Hier ein Rückblick: Vor 22 Jahren startete Barzantny seine erste Outdoor-Tour, die ihn damals ins Weserbergland führte. Im Laufe der Jahre hat der Hobby-Ornithologe sein Leben unter freiem Himmel immer weiter perfektioniert. Unterwegs ist der Naturbursche klima- und umweltfreundlich, seitdem mit seinem bestens ausgestatteten Fahrrad samt Anhänger.

"Es ist möglich, mit ganz wenig auszukommen und so große Freude zu erleben und weiterzugeben."Eckhard Barzantny

Sein 140 Kilogramm wiegendes Reisegepäck bewegt Barzantny so tagein, tagaus allein durch seine Muskelkraft. "Es ist möglich, mit ganz wenig auszukommen und so große Freude zu erleben und weiterzugeben", lautet seine frohe Botschaft seiner selbst ernannten "Flower-Tour". Er selber sei weder Vagabund, Landstreicher, Obdachloser, Streuner, Tippelbruder noch Penner, gleichwohl ihn viele Zeitgenossen dafür hielten, weiß der Einzelgänger die durchaus kritischen Blicke zu deuten.

"Wir müssen endlich lernen, unsere Natur und Umwelt wertzuschätzen, ehe es zu spät ist."Eckhard Barzantny

Am Dammer Bergsee sei er allerseits aufgeschlossen und freundlich, ja herzlich empfangen worden. Selbst eine Einladung auf eine Tasse Kaffee habe er erhalten. "Wir müssen endlich lernen, unsere Natur und Umwelt wertzuschätzen, ehe es zu spät ist", mahnt der Kämpfer für Natur- und Umweltschutz. Auf seinen Touren versuche er immer, mit seinen Mitmenschen über Natur und Umwelt ins Gespräch zu kommen.

Der "Nomade der Neuzeit" lebt nach eigenen Worten im völligen Einklang mit der Natur: Sein Waschmittel ist biologisch abbaubar, er kauft nur heimische und regionale Bio-Produkte, und die Schutzhütte am Dammer Bergsee als seine Schlafstätte ist am nächsten Morgen picobello aufgeräumt.

Und darüber hinaus: Über 170 sorglos weggeworfene Zigarettenkippen von Umweltsündern hat Barzantny hier zuvor sogar erst einmal eingesammelt. "Jeder von uns kann zum Naturschützer werden", lautet seine Botschaft für die Natur.

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