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Wenn der Mond richtig steht

Kolumne: Das Leben als Ernstfall – Jeder kennt sie, jeder hat sie: die gefürchtete Tupperware-Schublade. Ich räume sie nur maximal einmal im Jahr auf, vorausgesetzt, der Mond spielt mit.

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Einmal im Jahr brennen meine Synapsen kurzzeitig durch. Dann werden Charakterzüge in mir wach, die sich sonst grundsätzlich im Dornröschenschlaf befinden. In meinem Fall bedeutet das: Ich räume plötzlich auf. Von jetzt auf gleich müssen der Kleiderschrank oder die längst vergessenen Schubladen ausgemistet, der Hauswirtschaftsraum neu sortiert und die Gewürz-Schublade nach Farben geordnet werden. SOFORT. Und wehe, man kommt mir dabei in die Quere.

Zum Leidwesen meines ordnungsliebenden Ehemannes führe ich so eine Nacht-und-Nebel-Aktion wirklich nur einmal in 365 Tagen durch. In der restlichen Zeit beherrschen Chaos und Unordnung mein – und unser – Leben. Geheiratet hat er mich trotzdem, er wusste, was in dem Kleingedruckten steht, als er die Heiratsurkunde unterschrieben hat. 

"Es gibt so viele unnütze Dinge – und ich besitze sie alle."Sandra Hoff

An dieser Stelle darf Unordnung aber nicht mit Unsauberkeit verwechselt werden, denn da bin ich empfindlich. Ordnung nein, Sauberkeit ja. Das eine schließt das andere nicht aus. Nur weil ich den Schreibtisch aufgrund meiner Zettelwirtschaft, Post-Its, Notizbücher und Kugelschreiber nicht mehr sehe, heißt das nicht, dass sich darunter Staubkörner verbergen.

Bis heute habe ich noch nicht herausgefunden, was dieses plötzliche und so selten eintretende Bedürfnis nach Ordnung und Struktur bei mir hervorruft. Wahrscheinlich spielt die Position des Mondes eine wichtige Rolle und die Frage, in welchem Sternzeichen er aktuell steht, ob die Mondphase ab- oder zunehmend ist und wie sich der Wind aktuell in Timbuktu dreht.

Während meiner letzten Aufräum-Phase habe ich mir die Schubladen vorgeknöpft, die man eigentlich nur nutzt, um dort Dinge zu verstauen, mit denen man nichts anzufangen weiß, die aber auch nicht direkt in den Müll gehören. Flyer von diversen Restaurants zum Beispiel oder Gutscheine mit Rabatt-Codes von Online-Händlern, die in irgendwelchen Paketen beigelegt waren (könnte man ja noch mal brauchen), Kosmetikpröbchen, Teelichter, Batterien, kleine Spielzeugautos oder alte Einladungs- oder Dankeskarten. Es gibt so viele unnütze Dinge – und ich besitze sie alle. Aber ich bin mir sicher, jeder Haushalt hat mindestens eine dieser Schubladen.

Hauptsache das Chaos ist sicher vor den Augen der Gäste

Oder die Tupperware-Schublade. Zu Beginn wird sie perfekt einsortiert – nach Größe, Form und Farbe. Jeder Topf hat seinen Deckel. Nur 2 Wochen später herrscht dort Sodom und Gomorrha, nichts passt mehr zusammen.

Daher bin ich auch froh und dankbar, dass wir unsere Küchenschränke und -schubladen mit einem bestimmten Magnet-System kindersicher gemacht haben, damit unser 2-Jähriger nicht ständig wahllos alles aufreißt und zu Boden schmeißt. Somit ist mein Küchenchaos auch sicher vor den Augen neugieriger Gäste. Wobei, so ehrlich muss ich sein, was das Thema Ordnung angeht, kommt der Knirps ganz nach seinem Papa. Jedes Spielzeug muss an seinen Platz, die Jacke gehört in den Schrank, die Schuhe ins Regal. Hausarrest wegen eines zu  unordentlichen Zimmers wird der Kleine wohl nie bekommen. Ich schon. Zumindest einmal im Jahr. Wenn die Synapsen wieder durchbrennen. 


Zur Person:

  • Sandra Hoff ist Redakteurin der OM-Medien.
  • Die Autorin erreichen Sie per E-Mail unter: redaktion@om-medien.de.

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