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Wenn der Freedom-Day kaum Freiheit mit sich bringt

Kolumne: Die Generation Z zeigt's Ihnen – Am Sonntag sollen voraussichtlich viele Corona-Schutzmaßnahmen enden. Diesen Schritt zu gehen, wäre ein deutlicher Fehler.

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Donnerstag, 11. März 2021. Dieser Tag war kein besonderer Feiertag. Dieser Tag war kein außergewöhnlicher Jahrestag. An diesem Tag gab es kein bemerkenswertes Ereignis. Doch: Für mich war und ist dieser Donnerstag ein erster Freedom-Day. Es ist der Tag, an dem ich wieder vom eigenen Grundstück gehen durfte und zur Arbeit fahren konnte. An diesem Donnerstag endete meine Quarantäne. Der 11. März 2021 hätte mein Abschluss mit meiner Corona-Infektion werden können.

Er war für mich aber kein Abschluss. Denn: Es folgte für mich die Krankheit nach der Krankheit: Long-Covid. Bis heute kämpfe ich mit ihr. Das Riechen und Schmecken fällt mir immer noch schwer. Die Fortschritte durch eine spezielle Therapie sind klein – aber sie sind da. Das alles passiert ein Jahr nach meinem Freedom-Day. So richtig viel Freiheit brachte dieser Tag im Rückblick also nicht.

Sonntag, 20. März 2022. Pünktlich zum Frühlingsbeginn sollen in Deutschland die meisten bundesweiten Corona-Schutzmaßnahmen enden. Endlich? Ein Freedom-Day? Der Begriff ist in der Politik längst nicht mehr so beliebt, wie noch im vergangenen Herbst. Mit Blick auf die täglichen Corona-Neuinfektionen und die immer weiter steigende 7-Tage-Inzidenz kann einem bei dem Begriff ja auch nur schwindelig im Kopf werden.

Die Corona-Pandemie wird am 20. März nicht plötzlich vorbei sein

Sicher ist: Am 20. März 2022 wird die Corona-Pandemie nicht plötzlich vorbei sein. Es werden sich auch nach diesem Datum Tausende Menschen anstecken. Unter ihnen werden sich auch weiterhin etliche Schülerinnen und Schüler befinden, die sich reihenweise in den Klassenzimmern infizieren. Wird der 20. März 2022 also eher ein Freedom-Day, wie ich ihn vor einem Jahr erlebt habe? 

"Ganz Deutschland ist doch momentan ein Hotspot", kritisierte die Ärztekammer-Präsidentin Martina Wenker am Wochenende und warnte noch einmal eindrücklich vor einem Freedom-Day. Auch die Landesregierung von Niedersachsen sieht solch einen Tag eher skeptisch. Beiden ist nur zuzustimmen.

"Muss wirklich so ein hohes Risiko eingegangen werden, dass sich durch den Wegfall vieler Corona-Schutzmaßnahmen noch mehr Menschen mit der Krankheit anstecken?"Jan-Christoph Scholz

Die Frage ist doch: Muss wirklich so ein hohes Risiko eingegangen werden, dass sich durch den Wegfall vieler Corona-Schutzmaßnahmen noch mehr Menschen mit der Krankheit anstecken? Die Antwort: nein. Warum? Jede Corona-Infektion, die verhindert werden kann, ist Gold wert. Durch die Omikron-Variante erkranken zwar viele Menschen nicht so schwer, doch immer wieder häufen sich gerade jetzt Berichte darüber, dass viele Infizierte deutlich an ihrer Corona-Infektion leiden. Teils trotz Impfung.

Ob das Tragen einer FFP2-Maske, die 2G- oder 2G-Plus-Regel wirklich  eine so deutliche Freiheitseinschränkung ist, ist aus meiner Sicht mehr als fraglich. Ob eine heftige Corona-Infektion oder eine Long-Covid-Erkrankung deutliche Einschränkungen im Leben sind, ist aus meiner Sicht hingegen mehr als eindeutig. Es ist noch nicht die Zeit für einen Freedom-Day. Die Corona-Pandemie ist noch nicht vorbei.


Zur Person

  • Jan-Christoph Scholz ist Volontär der OM-Medien.
  • Sie erreichen den Kolumnisten per E-Mail an: redaktion@om-medien.de.

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