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Wenn das Planschen zur Gefahr wird

Ein kleiner Dammer (2) hat bei einem Badeunfall im Pool viel Glück gehabt. Oliver Peters von den Maltesern rät: Kinder sollten nur unter Aufsicht Erwachsener baden.

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Badeunfälle können erhebliche Folgen für den Betroffenen haben. Foto: dpa/Spata

Badeunfälle können erhebliche Folgen für den Betroffenen haben. Foto: dpa/Spata

Der kleine Junge in Damme hat riesiges Glück im Unglück gehabt: Als er im privaten Pool badet, löst sich einer der Schwimmflügel, die er trägt. Der Zweijährige taucht genau in dem Moment unter Wasser, als die Erwachsenen, die sich beim Pool befinden, für einen kurzen Augenblick abgelenkt sind. 

Wie lange der Junge mit dem Kopf im Wasser im Pool getrieben ist, kann seine Mutter nicht genau sagen. Vielleicht 30, vielleicht 40 Sekunden, schätzt sie. Die Erwachsenen ziehen den Jungen an Land. Die einen beginnen mit Erster Hilfe, während andere die Malteser alarmieren.

Als die Malteser mit einem Notarzt eintreffen, atmet der Junge nach Angaben seiner Mutter bereits wieder selbstständig. Die Rettungskräfte übernehmen die weitere Versorgung des kleinen Patienten, ehe die Rettungskräfte ihn zum Kinderhospital Osnabrück bringen.

Dort bleibt der junge Mann zunächst auf der Intensivstation und anschließend einen weiteren Tag stationär zur Beobachtung im Krankenhaus. Er habe keine Spätfolgen davongetragen, weil sein Gehirn nicht von Sauerstoffmangel betroffen gewesen ist, berichtet  die Mutter.

Peters befürchtet mehr private Badeunfälle

Oliver Peters, Bereichsleiter Rettungsdienst des Malteser Hilfsdienstes im Oldenburger Münsterland, sind Badeunfälle mit Kindern bekannt. Er befürchtet, dass es in diesem Sommer vermehrt zu solchen Unfällen in privaten Pools beziehungsweise Planschbecken kommen könnte. Denn: In den Freibädern ist wegen der Corona-Pandemie die Zahl der Besucher begrenzt. Deshalb dürften sich mehr Familien als sonst für das heimische Badevergnügen einen eigenen Pool besorgt haben - oder dies noch planen.

Ungefährlicher ist der private Schwimmspaß nicht. Es sollte immer mindestens eine Aufsichtsperson vor Ort sein und die Kleinen ständig im Auge behalten, warnt Oliver Peters.

Der Grund? Wenn kleine Kinder, die nicht schwimmen können, ins Wasser fallen und das Gesicht dabei unter die Wasseroberfläche gerät, bestehe die große Gefahr, dass sie sich vor lauter Schreck nicht mehr selbstständig aufrichten beziehungsweise den Kopf über das Wasser heben können, erklärt der Rettungsfachmann.

Immer gut aufpassen: Nicht nur wenn Kinder in den Freibädern planschen, auch wenn sie im heimischen Pool spielen sollte immer eine Aufsichtsperson vor Ort sein. Foto: dpa  WendtImmer gut aufpassen: Nicht nur wenn Kinder in den Freibädern planschen, auch wenn sie im heimischen Pool spielen sollte immer eine Aufsichtsperson vor Ort sein. Foto: dpa / Wendt

Sollte es zu einem Badeunfall gekommen sein, muss das Kind sofort aus dem Wasser gezogen werden. Danach, empfiehlt Oliver Peters, sollte jemand dem Kind auf den Rücken klopfen, damit es eventuell verschlucktes Wasser leichter aushusten kann. Sollte das nicht erfolgreich sein, sollte ein Erwachsener das Kind übers Knie legen und dann auf den Rücken klopfen, um quasi die Schwerkraft zu nutzen, damit das Wasser leichter aus dem Körper austritt, sagt Oliver Peters.

Im Zweifelsfall ist der Rettungsdienst zu alarmieren

Im Zweifelsfalle sollten Erwachsene immer den Rettungsdienst alarmieren oder mit dem Kind einen Arzt aufsuchen, erklärt der Bereichsleiter Rettungsdienst weiter. Das gelte vor allem dann, wenn das Wasser im Pool verschmutzt sei. Denn wenn es in die Lunge gelangt, könne das schlimme Folgen für das Kind haben. 

"Immer wenn ein Kind nach einem Badeunfall Luftprobleme hat, sollte die 112 angerufen werden."Oliver Peters, Malteser

"Immer wenn ein Kind nach einem Badeunfall Luftprobleme hat, sollte die 112 angerufen werden", erklärt Oliver Peters weiter. Denn Sauerstoffmangel könne das Gehirn nachhaltig schädigen. Rettungskräfte wie die Malteser oder auch der Notarzt könnten im Falle eines Falles besondere Beatmungstechniken einsetzen. Zudem verfüge der Notarzt über spezielle Medikamente.

Für Eltern gibt es Erste-Hilfe-Kurse für Kinder

Auf jeden Fall, und das hatten die Erwachsenen im Falle des Zweijährigen in Damme richtig gemacht, sollte das Kind schnell reanimiert werden. Dabei ist Vorsicht wichtig. So reiche es bei der Beatmung des Kindes aus, wenn sich dessen Brustkorb leicht hebt und senkt. Am besten sei es, wenn Eltern einen speziellen Erste-Hilfe-Kurs für Kinder besuchen, rät Oliver Peters. 

Noch ein Ratschlag: Auch wenn es einem Kind nach einem Badeunfall augenscheinlich gut geht, sollten die Eltern mit ihm einen Arzt aufsuchen, damit er es gründlich untersucht.

Der kleine Mann in Damme hat seinen Badeunfall letztlich gut überstanden. Vor allem wegen des umsichtigen Handelns der Erwachsenen und der professionellen Hilfe durch die Rettungskräfte und des medizinischen Personals im Osnabrücker Krankenhaus. Nur eines erinnert an seinen Unfall: seine Aversion gegen Wasser.

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