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Wenn das Buch dein Freund ist

Kolumne: Batke dichtet – über das gedruckte Wort, das zum Lebensbegleiter wurde. Und übrigens: Bibliophil ist keine Krankheit.

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Reden wir über das Lesen. Man sollte häufiger über das Lesen reden. Der Wirbel um die Schlammschlacht im britischen Königshaus hin, der deutsche Impfdilettantismus, das Bohlen-Beben oder der angekündigte Rückzug von Jogi Löw her: Highlight der Woche war für mich die Wiederöffnung der Buchhandlungen. Ich würde es auch allen anderen Geschäften und der Gastronomie gönnen und wünschen, aber dass ich wieder in die Buchläden darf, ist für mich ein Geschenk und persönlicher Lustgewinn.

Ich bin ein großer Freund von Büchern. Angefangen hat alles mit Enid Blyton, der großen englischen Jugendbuchautorin (1897 bis 1968). Sie erntete Weltruhm, ihre Bücher bringen es auf eine Gesamtauflage von unglaublichen 600 Millionen Exemplaren. „Hanni und Nanni“ ließen die Mädchenherzen höher schlagen, die Abenteuer der „Fünf Freunde“ wurden rund um den Globus in mehreren Staffeln verfilmt.

Mein Favorit aber war die Serie um den schlauen Jung-Detektiv Dicki Kronstein, der zusammen mit Gina, Rolf, Flip und Betty sowie seinem pfiffigen Hund Purzel in der fiktiven Kleinstadt Peterswalde das „Geheimnis um ein verborgenes Zimmer“ ebenso lüftet wie das „Geheimnis um eine Tasse Tee“. Regelmäßig studierte ich damals die Schaufenster der Buchhandlungen, ob denn schon wieder ein neuer „Geheimnis-Band“ (es gab 15 davon) erschienen war. Ich war seinerzeit als Elf-, Zwölfjähriger allenfalls Kleinverdiener; es bedurfte einer sparsamen Haushaltsführung, um die Sechsmarkfuffzig für die neueste Ausgabe zusammenzukratzen.

"Blytons Dicki Kronstein war mein erster Held und im Kleinen mein erster Welterklärer, er machte das besser als mancher Lehrer."Alfons Batke

Lesen bildet, Lesen unterhält, Lesen öffnet neue Horizonte; Bücher sind nicht nur materiell Wertgegenstände, Bücher können Freunde sein. Blytons Dicki Kronstein war mein erster Held und im Kleinen mein erster Welterklärer, er machte das besser als mancher Lehrer. Bücher wurden zu Lebensbegleitern, sie waren verlässlich auch in den Zeiten, in denen es nicht so gut lief. Aber bin ich jetzt, wo ich das hohe Lied auf das Buch singe, gleich eine Leseratte? Sind Buchhändler demnach Rattenfänger? Bin ich ein Bücherwurm? Nennen Sie es, wie Sie wollen; einigen wir uns auf Bücherfreund. Ich bin bibliophil – und das ist keine Krankheit.

Keine Frage: Bücher kann man nicht nur lesen, sondern auch hören. Habe ich zu seligen Berufszeiten auf langen Dienstfahrten praktiziert; bisschen lästig, die ständige CD-Wechselei. Und dann auch noch der Verkehrsfunk, der ständig dazwischenhaut. Nun gut, heute gibt es ja auch schon andere digitale Möglichkeit des Hörens. Ein Freund erwähnte kürzlich, er arbeite sich gegenwärtig audiblemäßig an der Biographie von Barack Obama („Ein verheißenes Land“) ab. Es sei ganz interessant, die ersten 10 Stunden hätten schon den Gehörgang passiert. Verheißungsvolle 28 Stunden und 10 Sekunden, um genau zu sein, lägen noch vor ihm. Durchhalten, yes, you can!

Ich bleibe lieber analog. Ich liebe es, in unseren Buchhandlungen zu stöbern, Bücher zu kaufen, sie zu lesen – und es macht Spaß, der heimischen Bibliothek beim Wachsen zuzusehen. Sie wollen wissen, was ich gerade lese? Nun, das frische Werk des jungen schwedischen Autors Pascal Engman. Es trägt den Titel „Rattenkönig“. Bin wohl doch eine Leseratte.


Zur Person:

  • Alfons Batke blickt auf eine über 40-jährige journalistische Laufbahn zurück.
  • Der 65-Jährige lebt als freier Ruheständler in Lohne.

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