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Wenn Bilder Geschichten erzählen

Kolumne: Batke dichtet – Fotos erzählen Geschichten. Sie werfen den Projektor zum Kopfkino an. 150 Pressefotos sind in Oldenburg zu sehen. Sie zeigen, wie wichtig unabhängiger Journalismus ist.

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Wenn man es nicht zeigen kann, muss man es beschreiben. Keine einfache Aufgabe. Wussten wir schon damals im Deutschunterricht, als es zwischen Storms „Schimmelreiter“ und Salingers „Fänger im Roggen“ um das Thema „Bildbeschreibung“ ging: Die sprachliche Nachzeichnung dessen, was zu sehen ist, anhand von Inhalt, Aussageabsicht und Bildkomposition, wenn ich es richtig in Erinnerung habe. Oder wie es im Rod-Stewart-Klassiker heißt: „Every picture tells a story“.

Um die womöglich etwas umständliche Einleitung schnell zu entschlüsseln: Es geht um eine Ausstellung, und um sich von den Bildern selbst ein Bild zu machen, sollten Sie hinfahren. Noch bis zum 13. März macht im Oldenburger Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte (Schlossplatz 1, täglich außer Montag) die „World Press Photo – Exhibition 2021“ Station, schon zum siebten Mal ist sie in der guten Stube der Stadt zu Gast.

Eine unabhängige internationale Jury hat die aus ihrer Sicht weltbesten Pressefotos ausgewählt, und es liegt in der Natur der Sache, dass in der Regel nicht Bilder von der Sonnenseite des Lebens zu sehen sind. Was auch deshalb kaum verwunderlich ist, weil im abgebildeten Zeitraum die Corona-Pandemie den Alltag rund um den Globus bestimmte.

"Sie liefern das Plädoyer für freien und unabhängigen Journalismus; ein Gut, das weltweit mehr und mehr mit Füßen getreten wird."Alfons Batke

Das Coverfoto der Ausstellung, das „Pressebild des Jahres“, ist dem Dänen Mads Nissen gelungen. Es zeigt eine besonders anrührende Szene aus dem Pflegeheim Viva Bem im brasilianischen Sao Paulo. Fast ein halbes Jahr durfte die 85-jährige Rosa Luzia Lunardi keinen Menschen umarmen, ehe sie dank einer einfachen Erfindung der Krankenschwester Adriana Souza die Arme um die Pflegerin legen kann. Das wird ermöglicht durch einen sogenannten „Umarmungsvorhang“, der ein Stück menschliche Nähe und eine Berührung ermöglicht. Durch die besondere Form des Umhangs wirkt die Pflegerin wie ein Engel.

Der bereits zum zweiten Mal mit dem Hauptpreis ausgezeichnete Nissen sagt zu seinem gemäldegleichen Werk: „Es ist für mich eine Geschichte von Hoffnung und Liebe in den schwierigsten Zeiten“. Und aus der Jury heißt es in der Begründung für die Auswahl dieses Motivs: „Dieses ikonische Bild erinnert an die außergewöhnlichste Ära unseres Lebens, überall. Wir sehen Verwundbarkeit, Angehörige, Verlust und Trennung, Tod, aber vor allem auch Überleben – alles in einem bewegenden Bild zusammengefasst.“

Fotos erzählen Geschichten – wie Bücher den Projektor zum Kopfkino anwerfen. 150 Exponate aus aller Welt sind in Oldenburg zu sehen. Sie dokumentieren ein Stück Zeitgeschichte und halten uns den Spiegel vor. Gleichzeitig liefern sie das Plädoyer für freien und unabhängigen Journalismus; ein Gut, das weltweit mehr und mehr mit Füßen getreten wird. Die Pandemie ist das über allem schwebende Thema der aktuellen sehenswerten Ausstellung. Leider wissen wir schon jetzt, welcher Schwerpunkt beim nächsten Mal gesetzt wird. Wir müssen nur den Blick gen Osten richten.


Zur Person:

  • Alfons Batke blickt auf eine über 40-jährige journalistische Laufbahn zurück.
  • Der 66-Jährige lebt als freier Ruheständler in Lohne.

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