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Welches Grundgerüst fürs Leben?

Kolumne: Auf ein Wort – Junge Menschen brauchen Rüstzeug für ihren Weg. Englisch, Computerwissen – na klar. Aber auch auch ein religiöses Grundgerüst ist kein Nachteil für das Leben.

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Stimmen hörte das Kind. Stimmen wie von einem Geist, erzählte mir eine befreundete Kinder- und Jugendpsychotherapeutin dieser Tage. Für den jungen Menschen und seine Eltern eine Hölle. Das Kind hatte jeden Abend Angst, sich ins Bett zu legen. Dachte daran, eine Waffe mitzunehmen.

Wenn Mädchen oder Jungen nicht gelernt hätten, an eine „gute, höhere Macht“ zu glauben, hätten es diese Kinder in Krisen deutlich schwerer, erlebt sie. In Fällen, in denen sie als Therapeutin, als Lebenshelferin, aber auch nur an einen Gebetsfetzen anknüpfen könne, den das Kind in seinem bisherigen Leben mitbekommen und verinnerlicht habe, sei der Weg beispielsweise aus Depressionen heraus viel leichter. „Guter Gott, bewahre mich in dieser Nacht…“ könne sie dann gemeinsam mit dem Kind beten und ergänzen „…und vertreibe die bösen Geister“.

Ein Schaden, den die derzeitige Kirchenkrise mit in ihrem Schlepptau zieht, ist, dass Kinder und Jugendliche schlechter einen Zugang zur guten, höheren Macht bekommen. Nicht selbstverständlich hineinwachsen in eine religiöse Heimat. „Kinder nicht um Gott betrügen“, lautet der Titel eines Buches des Tübinger Religionspädagogen Albert Biesinger, das jetzt schon in der 13. Auflage erschienen ist.

Zwischen Anfang und Ende gibt es immer eine Anlaufstelle

„Was geben wir euch mit?“ hat ein Lehrer dieser Tage in einem Entlassungsgottesdienst am Ende der Schulzeit gefragt. Neben Englisch, Computerkenntnissen und dem Wissen über die Zusammensetzung des Bundestages ist auch ein religiöses Grundgerüst kein Nachteil für das Leben.

Zu wissen, dass man geliebt auf diese Welt kommt: „Du bist mein geliebter Sohn, Du bist meine geliebte Tochter. An Dir habe ich Gefallen gefunden (Mk 1,11).“ Zu wissen, dass man auf einen zugeht, der uns am Ende wieder empfängt, wenn die eigenen Kräfte irgendwann nachlassen und ganz schwinden: „Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen. Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. (…) Siehe, ich mache alles neu.“

Und zu wissen, dass man zwischen Anfang und Ende immer eine Anlaufstelle hat. Dann, wenn die ganze Welt kopfsteht oder der Boden unter den Füßen wegbricht: „Kommt zu mir, die ihr Euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde Euch Ruhe verschaffen (Mt 11,28).“ Nicht die schlechteste Botschaft am Übergang von der Schule ins Berufsleben. Und wenn sie nur dazu dient, böse Geister zu vertreiben.


Zur Person:

  • Dietmar Kattinger ist Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Landes-Caritasverbandes in Vechta.
  • Sie erreichen den Autor per E-Mail unter redaktion@om-medien.de.

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