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Weiße Weihnachten und Fußball am Strand

Kolumne: Batke dichtet – Geschenke müssen nicht immer die Welt kosten. Die gemeinsame Zeit und Erlebnisse sind meist das größere Geschenk.

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Kinder, wie die Zeit vergeht. Ein geflügeltes Wort, besonders häufig benutzt in diesen Tagen. Ja, es ist schon wieder Weihnachten. Ist denn Stoppelmarkt schon wieder so lange her? Sind wir nicht noch vor Kurzem bei 24 Grad durch die Gegend geradelt? Und, wo wir uns schon mal alle unter dem Tannenbaum versammeln, war da nicht mal irgendwann irgendwas mit Corona?

Beim Stöbern im Archiv meiner samstäglichen Aufsätze stach mir der ins Auge, den ich vor exakt 2 Jahren verfasst habe. Die zentrale Frage zum Weihnachtsfest 2020 war: Wer geht wann wo hin? Das bezog sich auf die seinerzeit angewendete „Zwei-plus-vier“-Regel im Zusammenhang mit der Pandemie. Man musste schon ein sorgfältiges Organigramm zumindest für die südoldenburgischen Großfamilien entwerfen, um die weihnachtlichen Besucherströme zu lenken und die behördlichen Vorgaben zu erfüllen. An Heiligabend 2 Jahre später werden womöglich die Geschichten aufgetischt, wie man „damals“ mit kleinen Mogeleien doch noch ein halbwegs würdiges Fest zustande bekam.

Weihnachten lebt also nicht nur von der Story aus Bethlehem mit Christi Geburt und Geschenken, sondern auch von Erinnerungen. Haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, was denn das schönste Präsent war oder ist, das Sie jemals erhalten haben? Zumeist hat das mit Emotionen zu tun, und ich kann mich gut daran erinnern, dass eine Gabe ganz besondere Glücksgefühle ausgelöst hat – mein allererster Lederball; ich war 11 oder 12. Kein teures Markenprodukt aus dem Hause mit den drei Streifen, sondern eine schlichte Kugel mit vielen weißen und einigen schwarzen Fünfecken.

„Weihnachten lebt also nicht nur von der Story aus Bethlehem mit Christi Geburt und Geschenken, sondern auch von Erinnerungen.“Alfons Batke

Es dauerte ein paar Tage, ehe er auf dem Bolzplatz hinter unserem Haus zum Einsatz kam, denn damals gab es noch Feste mit festen Schneedecken, weiße Weihnachten also. Man muss nicht mit prophetischen Gaben gesegnet oder Meteorologe sein, wenn man voraussagt, dass es damit auch in diesem Jahr nichts wird.

Wo wir schon über das Wetter reden: Das andere Extrem erlebte ich viele Jahre später in Australien, präziser am Bondi Beach von Sydney. Wir spielten Fußball am Strand bei knapp 30 Grad, anschließend legten unsere Gastgeber klosettdeckelgroße Steaks auf den Grill und zur Bescherung gab es ein eisgekühltes Victoria Bitter. Auch so lässt sich das Fest der Feste ertragen.

Mag der Blick zurück nostalgisch verklärt sein mit dem ersten Fußball oder Weihnachten am anderen Ende der Welt, so kommt mir doch in den Sinn, dass es Zeiten waren, in denen es sich unbeschwerter leben ließ. Die kindliche Freude über ein Geschenk, das nicht 200 Euro, sondern 20 DM gekostet hat, oder die australische Leichtigkeit, den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen, wären mir heute als Geschenk genug. Wenn es damit diesmal nichts wird, wünsche ich es mir für das nächste Jahr. Und nicht nur mir.


Zur Person:

  • Alfons Batke blickt auf eine über 40-jährige journalistische Laufbahn zurück.
  • Der 66-Jährige lebt als freier Ruheständler in Lohne.

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