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Weihnachten wird’s auch ohne …

Kolumne: Auf ein Wort – Für die Festtage braucht es keinen Schnee, geputzte Fenster oder gar einen Weihnachtsbaum.

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"Jetzt kann es Weihnachten werden!", rufe ich, als ich nach Hause komme. Endlich habe ich Geschenke für meine Familie eingekauft. Schöne, wie ich finde, hoffentlich kommen sie an. Einige sind schon verpackt, für die anderen liegt Geschenkpapier bereit. "Das Wichtigste haben Sie schon mal", sagt die Weihnachtsbaumverkäuferin. Wir stehen, nachdem wir uns für einen Baum entschieden haben, noch bei einem heißen alkoholfreien Punsch zusammen zum Plausch.

Weihnachtsvorbereitungen kommen bei uns manchmal etwas zu kurz. Es ist viel zu tun vor dem Fest, das geht wohl nicht nur uns so. Am liebsten hätte ich auch noch die Fenster geputzt. Irgendwie ist es noch so drin: Weihnachten muss alles auf Hochglanz sein.

Vor vielen Jahren habe ich einmal Weihnachten in Afrika gefeiert. Im Tschad. Ohne meine Familie. Ohne Tannenbaum. Mit kleinen Geschenken, die in Päckchen von zu Hause kamen. Weihnachten ganz anders. Mit einem schönen Essen mit Freunden. Nicht besinnlich und stimmungsvoll, sondern fröhlich und bunt, mit der Gemeinde im Gottesdienst. Verschiedene Gruppen hatten etwas für das Programm danach vorbereitet, kleine Szenen oder musikalische Beiträge. Es war um die 30 Grad, Weihnachten im Sommerkleid.

"Wir müssen das Fest nicht produzieren, nicht inszenieren. Es ist schon da."Martina Wittkowski

Und auch vor 2 Jahren war Weihnachten ganz anders. Corona bedingt mussten wir unsere Gottesdienste am Heiligen Abend neu erfinden: ein Gottesdienst mit großem Abstand für die Allerkleinsten in der Kirche, von Ehrenamtlichen gestaltet. Die Krippenspielszenen mit dem Beamer projiziert. Ein weiterer Gottesdienst mitten in einer Siedlung auf dem Spielplatz. Mit Feuerkorb und Lichterketten am Unterstand. Die Weihnachtsgeschichte im Wechsel vorgelesen von zwei Jugendlichen. Ein großer Gottesdienst auf dem Marktplatz, ein Autoanhänger als Bühne, mit kleinem Tannenbaum, Trompete und Keyboard für die Musik. Und spätabends noch in kleinem Rahmen eine Christmette, ehrenamtlich mit Text und Musik in der Kirche gestaltet. An allen Projekten waren zahlreiche Menschen beteiligt, die planerisch, praktisch und inhaltlich mitgestalteten.

In vielen Gemeinden wurde Weihnachten in Coronazeiten in einem anderen Rahmen gefeiert. Manches kann man nicht jedes Jahr auf die Beine stellen. Andere gute Ideen sind geblieben. Weihnachten anders. Weihnachten neu berührend. Weihnachten wird’s auch ohne Tannenbaum, ohne geputzte Fenster und ohne Geschenke...

Weihnachten wird’s zum Glück auch ohne Schnee. Weihnachten wird’s auf jeden Fall. Wir müssen das Fest nicht produzieren, nicht inszenieren. Es ist schon da. Weihnachten wird es mit dem Kind. Das kommt in das menschliche Leben, das nie perfekt ist. Damals kommt es in eine provisorische Unterkunft bei armen Leuten. Heute in die Welt, so wie wir sie erleben, ertragen und erleiden. Weihnachten wird es mit dem Kind. Und in ihm kommt Gott.


Zur Person:

  • Martina Wittkowski ist Kreispfarrerin im evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Oldenburger Münsterland.
  • Sie erreichen die Autorin unter redaktion@om-medien.de.

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