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Weihnachten auf der Insel

Kolumne: Die Generation Z zeigt's Ihnen – Ich verbringe mein Weihnachten an einem eher ungewöhnlichen Ort: Mallorca. Und werde mich gleich mit meiner eigenen Ignoranz konfrontiert.

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Weihnachten ist nur einmal im Jahr. Ich bitte darum, diesen Satz zu singen – mit so wenig Melodie wie möglich, leicht gegrölt und mit einer guten Stimmung, die in einem wahren 0815-Deutschen nur Alkohol auslösen kann. Ja tatsächlich, stellen Sie sich einfach vor, dass Sie statt des Wortes „Weihnachten“ „Malle“ singen. Gut gemacht, jetzt klingen Sie wie mein Gehirn in den letzten Wochen. Denn meine Familie hat sich für das diesjährige Familien-Weihnachtsfest etwas ganz Besonderes überlegt: Wir feiern Weihnachten einfach auf Mallorca. Bäume haben die da bestimmt auch – abseits der sonst von feierwütigen Almans frequentierten Wege natürlich.

Wie man vielleicht raushört, der Plan hat in mir besonders eins ausgelöst: Ein radikales Konfrontieren meiner Vorurteile – oder besser gesagt, meines Unwissens – in Form einer vorurlaublichen Google-Recherche. Wenn man mich davor gefragt hätte, was ich über Mallorca weiß, hätte ich die Witze zurückhalten müssen. Denn wenn in Deutschland über „Malle“ geredet wird, ist das meist einseitig. Malle halt – die Partykolonie der deutschen Vollidioten. Praktisch ein 17. Bundesland.

Dazu muss ich sagen, dass ich einer der Menschen bin, der diese Sichtweise sehr kritisch sieht. Natürlich profitiert die Insel von dem Feier-Tourismus. Dafür wird sie aber zu Unrecht als „Partyinsel“ definiert und reduziert. Mal abgesehen davon, dass die Malle-Storys, die man so mitbekommt, eigentlich nur für die Leute lustig sind, die nicht auf der mallorquinischen Seite der Geschichte stehen – von da aus sieht das Verhalten der deutschen Touris eher respektlos aus. 

"Denn, wenn in Deutschland über „Malle“ geredet wird, ist das meist einseitig. Malle halt – die Partykolonie der deutschen Vollidioten."Ella Wenzel

Das ist eine Schande. Denn Mallorca ist eine wunderschöne Insel – auf der ich jetzt unbedingt wandern gehen möchte. Was gibt es denn Schöneres als Gebirge – übrigens voll mit Fossilien-Seen und einem Canyon. Und wenn man dann mal stehen bleibt und Ausschau hält, hat man das Meer im Hintergrund.

Ich fürchte auch, dass in mir der Geschichtsfanatiker wieder auflebt. Denn die Insel ist klein genug, dass ich es rechtfertigen kann, die einzelnen Ruinen und Museen abzuklappern – davon gibt es auf jeden Fall genug. Aus dem Urlaub ein kulinarisches und kulturelles Erlebnis zu machen, haben wir ohnehin schon eingeplant. Auch dafür gibt es genug Möglichkeiten. Da reicht schon der Blick aus dem Fenster. Direkt an unserer Finca ist die Stadtmauer der Altstadt, in der wir hausen werden.

Dazu hat meine Mutter mein voraussichtliches Reise-Highlight auf Google Maps gefunden: einen Dino-Park. Was soll ich sagen, Jurassic Park ist auch an mir nicht spurlos vorbeigegangen. Was gibt es an Weihnachten schöneres als einen Dinoburger? Und gezwungen ist meine Familie ohnehin, da mit mir hinzugehen. Ich hab auf die Idee ein Handtuch gelegt. Und einfach nur, weil ich in meinem tiefsten Inneren auch ein deutscher Vollidiot bin, kann ich meinen Glühwein an Heiligabend in einem Eimer aufbewahren – rein aus Prinzip. An Silvester werden die Reste dann getrichtert.

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