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Weihnachten als Auszeit

Kolumne: Das Leben als Ernstfall – eine Liebeserklärung an die Weihnachtszeit. Warum Auszeiten so wichtig sind.

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Seit ich denken kann, ist Weihnachten mein liebster Feiertag. Schon als Kind habe ich die Tage bis zum 24. Dezember gezählt. Jeden Morgen bin ich im Schlafanzug zu meinem Adventskalender getapert, um das nächste Türchen zu öffnen. Die Nacht vor Heilig Abend konnte ich vor Aufregung meist nicht schlafen. Morgens, am Tag der Tage, habe ich meine Eltern schon in aller Herrgottsfrühe aus dem Bett geschmissen, damit sie bloß nicht das Christkind verschlafen. 

Ja, ich war ein besonders naives und gutgläubiges Kind, das dem Zauber vom Christkind völlig erlegen war. Ein Beispiel: Für mich war klar – und daran gab es nichts zu rütteln –, dass jeder Mensch auf dieser Welt an Heilig Abend um 17 Uhr in die Kirche geht. Ein Grund, warum ich viele Jahre nicht verstanden habe, wie es der Sender RTL2 wagen kann, den Film "Das letzte Einhorn" immer dann auszustrahlen, wenn doch alle, wirklich die ganze Menschheit, der Christmette lauscht und niemand Zeit hat, dieses Märchen zu schauen. Wozu überhaupt ein Fernsehprogramm zwischen 17 und 19 Uhr anbieten? Für mich ein Rätsel, das ich zum Glück irgendwann im Grundschulalter lösen konnte. 

"Genau das ist Weihnachten für mich: Eine schöne, bunte, warme, leckere Pause"Sandra Hoff

Heute, viele Jahre später, bin ich an Heilig Abend immer noch aufgeregt. Für mich liegt an diesem Tag nach wie vor ein besonderer Zauber in der Luft. In den Wochen zuvor bin ich/sind wir aber meist getrieben vom Stress. Ein Termin jagt den nächsten. Der perfekte Weihnachtsbaum muss her (und ja, die Tanne kann schon die ein oder andere Familienkrise auslösen. Bei uns zuhause gab es deswegen auch schon mal zwei Nordmanntannen. Mehr verrate ich dazu nicht), die perfekten Weihnachtsplätzchen müssen gebacken oder die perfekten Geschenke gekauft werden. Oftmals ist es der Konsum, der uns die Laune verdirbt und um den es in diesen Tagen so gar nicht gehen sollte. 

Klar: Es ist ja auch irgendwie schön, eine Gelegenheit zu haben, seinen Liebsten zu zeigen, dass man sie mag. Aber muss das wirklich in Form überteuerter materieller Güter sein, die man per Expressversand bei Amazon bestellt oder, die man auf den letzten Drücker vormittags am 24. Dezember besorgt und, die zwei Tage später in irgendeiner Ecke landen? Ich finde nicht.  An Weihnachten geht es um etwas anderes.

Ja, es ist das Fest der Liebe. Wir feiern die Geburt von Jesus Christus. Und das ist auch gut und richtig so. Aber Weihnachten kann noch mehr. Wir sollten Weihnachten als eine Art Auszeit sehen. Eine Auszeit vom Trott, eine Auszeit vom grauen Winter, von Farblosigkeit, von Diäten, von Unzufriedenheiten, von persönlichen Befindlichkeiten oder auch von Sorgen, die uns im Alltag schwer belasten. Einfach einmal bewusst durchatmen und die Zeit still stehen lassen. Ich nutze die Weihnachtszeit schon seit Jahren für meine persönliche Auszeit, und es hat sich dadurch nur bestätigt, was ich schon immer wusste: Ich liebe Weihnachten! "In den Herzen ist’s warm, still schweigt Kummer und Harm, Sorge des Lebens verhallt", heißt es in einem der ältesten Weihnachtslieder. Genau das ist Weihnachten für mich: Eine schöne, bunte, warme, leckere Pause. Genießen wir sie einfach. Denn ganz ehrlich: Wir haben’s uns verdient.


Zur Person:

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