Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Wegen Corona: Zahl der Selbsthilfegruppen zurückgegangen

Sie sind für Betroffene ein wichtiger Halt und stützen zugleich das Gesundheitssystem. Im Kreis Cloppenburg kümmert sich die VHS Kontaktstelle um die verschiedenen Gruppen.

Artikel teilen:
Sorgte für gute Laune: Die Gruppe "Klang und Leben" gastierte im St. Elisabeth-Stift. Foto: Meyer

Sorgte für gute Laune: Die Gruppe "Klang und Leben" gastierte im St. Elisabeth-Stift. Foto: Meyer

Unter der Coronakrise haben auch die Selbsthilfegruppen im Landkreis gelitten. Über 100 von ihnen existierten vor der Pandemie. Nur knapp 80 sind übrig geblieben. Dass auf sie aber nicht zu verzichten ist, wurde bei einem Treffen deutlich, zu dem die VHS- Kontaktstelle für Selbsthilfe nach Lastrup eingeladen hatte.

Die Anlaufstelle gibt es seit 1993. Damals habe sich die Selbsthilfe noch auf die klassischen Erkrankungen wie Schlaganfall oder Krebs beschränkt, erinnert sich Rita Otten. "Dann kamen der Suchtbereich hinzu. Die Leiterin ist von Anfang an dabei. Inzwischen sei die Vielfalt riesengroß. So kommen von Adipositas Betroffene ebenso regelmäßig zusammen, wie ungewollt Kinderlose oder Menschen, die unter Trennungsschmerz leiden. Vegan Lebende geben sich gegenseitig Ernährungstipps und Jugendliche sprechen im Stuhlkreis über ihre Ängste. "Diese Gruppen fangen vieles ab. Ohne sie würde unser Gesundheitssystem zusammenbrechen", ist Otten überzeugt. Das hätte inzwischen auch die Ärzteschaft erkannt. "Anfangs dachten viele Mediziner, wir würden ihnen die Patienten wegnehmen". Inzwischen klappe die Zusammenarbeit hervorragend. "Wir haben gemeinsam ein enges soziales Netz geknüpft", freut sich Otten. Finanziell unterstützen das Land und die Pflegekassen die Arbeit der Kontaktstellen.

Kontaktstelle bildet "In-Gang-Setzer" aus

Ihr Treffen hatten die Gruppen auf den Tag der Pflegenden gelegt. Im St.-Elisabeth-Stift unterhielt das Trio "Klang und Leben" die Bewohner und ihre Gäste. Die Hannoveraner haben es sich zur Aufgabe gemacht, von Demenz Betroffenen Freude zu bereiten. Auch die übrigen Besucher genossen die stimmungsvolle musikalische Zeitreise. Rita Otten und ihre designierte Nachfolgerin Andrea Poppe-Aumüller zollten den Mitarbeiterinnen in den Einrichtungen und den pflegenden Angehörigen ihren Respekt. Treffen wie diese seien wichtig, um den Zusammenhalt zu stärken. Während der Lockdowns hätten sich zahlreiche Gruppen aufgelöst. Vor allem Suchtkranke verloren dadurch einen wichtigen Halt. "Viele wurden rückfällig, es gab auch einige Suizide", bedauert die Leiterin. Depressionen und andere psychische Erkrankungen nahmen ebenfalls zu. In der Region einen Termin bei einem Psychotherapeuten zu bekommen, sei derzeit fast unmöglich. "Die sind alle bis Mitte nächsten Jahres ausgebucht."

Umso wichtiger bleibt die Arbeit der Selbsthilfegruppen. In ihnen werden Informationen und Erfahrungen ausgetauscht. Die Betroffenen unterstützen sich gegenseitig, um mit ihrer Erkrankung oder ihrem Problem fertig zu werden. "Sie sind die eigentlichen Experten", ist Rita Otten überzeugt. Ziel sei ein eigenverantwortliches und selbstbestimmtes Leben.

Um dem Gruppenschwund zu begegnen, entwickelt die Kontaktstelle derzeit ein neues Projekt. Ab August bildet sie sogenannte "In-Gang-Setzer" aus. Dabei handelt es sich um Menschen, die bei der Gründung oder der Gestaltung einer Selbsthilfegruppe nützlich sein wollen. Sie können dabei in der Regel auf eigene Erfahrungen zurückgreifen. "Das wird uns noch einmal weiterbringen", ist Rita Otten überzeugt.


Fakten:

  • Die VHS Kontaktstelle für Selbsthilfe unterstützt Gruppengründungen, informiert über finanzielle Fragen und hilft Gruppen u.a. bei der Öffentlichkeitsarbeit.
  • Die Geschäftsstelle befindet sich in den Räumen der Volkshochschule Cloppenburg, Altes Stadttor 11. Telefon: 04471/185872
  • www.selbsthilfe-cloppenburg.de

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Wegen Corona: Zahl der Selbsthilfegruppen zurückgegangen - OM online