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Wasser wird immer knapper im Kreis Vechta: SPD fordert Konzept

Weniger Niederschläge, sinkende Grundwasserstände. Angesichts dieser alarmierenden Situation drängen die Sozialdemokraten im Kreistag auf ein nachhaltiges Management des kostbaren Guts.

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Durch die Luft geschossen: Solche Wasserkanonen gehörten lange zum typischen Bild in den Sommermonaten im Landkreis Vechta. Im vergangenen Jahr verfügte die Kreisverwaltung ein viermonatiges Verbot ihrer Nutzung zwischen 12 und 18 Uhr. Foto: dpa

Durch die Luft geschossen: Solche Wasserkanonen gehörten lange zum typischen Bild in den Sommermonaten im Landkreis Vechta. Im vergangenen Jahr verfügte die Kreisverwaltung ein viermonatiges Verbot ihrer Nutzung zwischen 12 und 18 Uhr. Foto: dpa

3 trockene Sommer in Folge mit Ernteeinbußen mussten die Bauern vor Ort erleben. Und weil es immer weniger regnet, wird das kostbare Nass auch im natürlichen unterirdischen Reservoir, in den Grundwasserkörpern, geringer. "Extrem niedrige Grundwasserstände sind insbesondere in (...) Damme und Visbek zu verzeichnen", hieß es Ende Juni vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN).

Forscher sind überzeugt: Der Trend fallender Grundwasserstände setzt sich fort. Das Wasser wird also deutlich knapper – auch im Landkreis Vechta. Aber die Bevölkerung wächst hier, immer mehr Menschen müssen mit Wasser versorgt sein, Landwirtschaft und Industrie brauchen ebenfalls große Mengen davon.

Außerdem: Wälder geraten im Sommer in Hitzestress, Bäume erleiden Schäden, der Artenschwund beschleunigt sich. Das Wasser ist auf dem Rückzug im Landkreis Vechta – zum Symbol für diese Entwicklung ist der sich zusammenziehende Heidesee in Holdorf geworden.

"Die Natur spielt nicht so mit, wie wir wollen, wir müssen uns nach der Natur richten."Eckhard Knospe, SPD-Fraktionschef

Angesichts dieser Situation drängt die SPD-Kreistagsfraktion auf eine Strategie. Per Antrag will sie die Verwaltung auffordern, einen Plan zur Mengenbewirtschaftung des Wassers zu erarbeiten – ein Managementkonzept. Daran beteiligt werden sollen auch Vertreter der Land- und Forstwirtschaft, des Gewerbes und der Industrie als Wassernutzer sowie Naturschutzverbände. Das Papier soll in der nächsten Sitzung des Bauausschusses (11. März) beraten werden.
Zunächst gelte es, "eine sachliche Bestandsaufnahme der Situation" vorzunehmen, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Eckhard Knospe.

Eine Datengrundlage sei zu erstellen. Das Grundwasser und Fließgewässer sollen untersucht werden – von einem Ingenieurbüro. Ziel sei die "Erarbeitung eines handlungsorientierten Maßnahmenpakets", heißt es in dem Antrag. Für die Verwaltung sollen Entscheidungshilfen entwickelt werden. Das habe "zeitnah" zu geschehen, betont Knospe. Denn: "Die Natur spielt nicht so mit, wie wir wollen, wir müssen uns nach der Natur richten", mahnt er

In dem Antrag sind Beispiele offenkundiger Verknappung des Wassers im Landkreis aufgelistet – darunter ist auch die "starke Absenkung des Wasserspiegels" am Heidesee in Holdorf. Ebenso sind die Trockenschäden im Dinklager Burgwald und im Hopener Burgwald in Lohne – 2 grundwasserabhängige Ökosysteme – aufgeführt. Knospe sagt mit Blick auf den vielerorts bereits deutlichen Mangel an ausreichendem Wasser: "Wenn es weiter so geht, werden wir gravierende Folgen haben."

Verwaltung sieht sich beim Wassermanagement bereits aufgestellt

Der kommunale Spitzenverband Niedersächsischer Landkreistag (NLT) hat die enorme Bedeutung des Themas derweil erkannt. In einem Rundschreiben an die Kreisverwaltungen vom 15. Juli 2020 weist der NLT auf die Förderung von Projekten im Bereich des Wassermanagements durch das Umweltministerium in Hannover hin. Geld gibt es für "lokale oder regionale Konzepte zur Nutzung von Gewässern (Grund- oder Oberflächengewässer)", die der Anpassung an den Klimawandel dienen. Maximal 300.000 Euro seien von den Kreisverwaltungen abrufbar.

Hat der Landkreis Vechta sich darum bemüht oder sich bei ähnlichen Programmen beworben, etwa vom Bund? "Der Landkreis Vechta hat sich nicht um Fördergelder für die Entwicklung eines Projektes zum Wassermanagement beworben", heißt es aus der Verwaltung. Der Grund: Der Landkreis habe sich zu diesem Zeitpunkt im Bereich des Wassermanagements bereits aufgestellt. Kreissprecherin Laura Niemann verwies auf das Projekt "Netzwerk Wasser 2.0" sowie auf "den Aufbau eines regionalen Grundwassermodells". Letzteres soll demnächst vergeben werden.

Desweiteren sei die Zeit zur Bewerbung für das Förderprogramm "kurz bemessen" gewesen. Das sei "mit unserer Personalausstattung oder durch ein Büro in der Kürze der Zeit nicht zu bewältigen" gewesen.

Dringlicher Handlungsbedarf: Eckhard Knospe (SPD). Foto: Dorgelo"Dringlicher Handlungsbedarf": Eckhard Knospe (SPD). Foto: Dorgelo

Niemann erinnerte zudem daran, dass die Verwaltung im vergangenen Jahr die Bewässerung mit sogenannten Beregnungskanonen und Rasensprengern eingegrenzt hatte. Vom 1. Juli bis zum 31. Oktober war die Überkopfberegnung zwischen 12 und 18 Uhr untersagt. Das Verbot galt für land- und forstwirtschaftliche Flächen, Parkanlagen und Gärten sowie für Sportanlagen wie Fußball-, Tennis- oder Golfplätze. Betroffen waren Entnehmer aus Brunnen und der öffentlichen Trinkwasserversorgung.

Damit hatte der Landkreis auf die sinkenden Grundwasserstände reagiert – auf den Alarm der Landesbehörde NLWKN. Ein umfassendes Konzept ist das freilich noch nicht.

Auch Ernährungswirtschaft drängt auf Konzept

Darauf drängt unterdessen aber auch die Wirtschaft. Der Vorsitzende des Agrar- und Ernährungsforums Oldenburger Münsterland (AEF), Ex-Agrarminister Uwe Bartels, sagte: Die Erarbeitung umfassender Wassermanagementkonzepte sei existenziell und dringlich für Umwelt, Mensch und Wirtschaft. Das AEF, dem etwa 100 Firmen angehören, hat hierzu eine Arbeitsgruppe gegründet.

Doch mit dem Antrag der SPD-Kreistagsfraktion ist jetzt die Politik am Zug. Knospe sagte, man müsse sich der Thematik Wassermanagement "ganzheitlich" annehmen. Und: "Dringender Handlungsbedarf besteht ausdrücklich."

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